17. Januar 2006
Bei der SF-Romanserie »Maddrax« zählt der PERRY RHODAN-Autor und ATLAN-Exposéchef
Michael Marcus Thurner zu den Team-Autoren, und auch bei dieser Heftromanserie bewahrt der Wiener Schriftsteller seinen eigenen Stil und seine eigene Sicht auf manche Dinge. Der aktuelle »Maddrax«-Roman, das erste »richtige Buch« des Autors übrigens, ist dafür ein schöner Beweis: Es erschien in der Buchreihe des Zaubermond-Verlages, die abgeschlossene Romane »neben« der Heftserie bringt, und ist weit entfernt von »normaler« Science Fiction.
Eigentlich ist die Geschichte recht schlicht: In der Welt des »Maddrax«-Universums, in der fünfhundert Jahre nach einem Kometeneinschlag die Menschen überall neue Zivilisationen mit häufig archaischer Struktur errichtet haben, bricht das Segelschiff SANTANNA und Führung des Kapitaans Colomb von Europa aus, um den geheimnisvollen Kontinent Meeraka im Westen zu erreichen. Der einzige Mensch an Bord des Segelschiffes, der weiß, dass es tatsächlich Amerika gibt und dass sich dort ehemals ein mächtiger Staat befand, ist Comander Matthew Drax, den es auf wundersame Weise in die Zukunft verschlagen hat.
Michael Marcus Thurner schildert die Seefahrt mit vielen Details: Mörderische Rieseninsekten greifen an, es kommt zu Unruhen unter der Besatzung, und zuletzt müssen die Matrosen das Schiff bis an die Küste Grönlands bringen. Grönland ist zur Handlungszeit tatsächlich eine »grüne Insel«, die ein sehr düsteres Geheimnis birgt.
Eine kleine Gruppe von Menschen trifft auf den Urheber dieses Geheimnisses, und sie werden gezwungen, um ihr Überleben zu kämpfen: Wer die beste Lebensgeschichte erzählt, der gewinnt ...
Spätestens bei der Schilderung der einzelnen Lebensgeschichten wird der Roman richtig interessant; alle Abenteuer auf hoher See dienten nur der Vorbereitung der Geschichten, die anfangs völlig isoliert wirken, dann aber doch in einem logischen Zusammenhang stehen. Die Lebenserinnerungen des Kapitäns, der Bord-Prostituierten oder des alten Matrosen geben zudem einen faszinierenden Einblick in die nicht gerade positive Zukunft Europas im »Maddrax«-Universum.
Als Kritikpunkt lässt sich aber feststellen, dass sich der Roman so liest, als bestünde er aus zwei Hälften: einmal Seefahrer-, einmal Episoden-Roman. Da die Rahmenhandlung wie auch die einzelnen Geschichten aber sehr unterhaltsam erzählt sind, macht diese Gliederung einem Leser überhaupt nichts aus; gespannt folgt man dem weiteren Verlauf der Handlung.
Michael Marcus Thurner verzichtet selbstverständlich auch in diesem Roman nicht darauf, popkulturelle Bezüge herzustellen: So sind europäische Biere in der Zukunft immer noch bekannt. Dazu gibt Anspielungen auf die Comic-Reihen Prinz Eisenherz und Asterix, die vor allem die Comic-Freunde erheitern dürften. Das lockert den manchmal sehr düsteren Charakter des Buches deutlich auf.
Unterm Strich stellt sich »Die grüne Insel« als ein bunter Abenteuerroman mit teilweisem Episoden-Charakter dar. Wer gerne mal ins »Maddrax«-Universum hineinschnuppern möchte und nicht die geringsten Serien-Vorkenntnisse hat, bekommt mit diesem Roman eine schöne Gelegenheit. Und er lernt den SF-Schriftsteller Thurner einmal als Autor eines anderen Genres kennen - dem des Seefahrer-Romans ...
Das Buch kann direkt beim
Zaubermond-Verlag bestellt werden - der Verlag liefert nicht über den Buchhandel aus.
Klaus N. Frick