17. Februar 2006
Jeder Leser dieser Zeilen dürfte irgendwann die Jugendzeitschrift BRAVO in der Hand gehalten und sie gelesen haben: Sie gehörte früher und gehört heutzutage zur Pubertät in Deutschland einfach dazu. In diesem Jahr wird die Zeitschrift jetzt fünfzig Jahre alt - die erste Ausgabe erschien am 26. August 1956.
Grund genug für das Archiv der Jugendkulturen e.V., sich dem Phänomen mit einem farbenprächtigen Buch anzunähern. Auf sage und schreibe 264 Seiten im Großformat (210 auf 280 Milimeter) stellen sich verschiedene Autoren dem Thema; die BRAVO wird als ein Spiegelbild von fünfzig Jahren bundesrepublikanischer Jugendkultur dargestellt.
Reich illustrierte Artikel beschäftigen sich mit der Frühzeit des Magazins, den fünfziger und sechziger Jahren, in denen Jugendliche erstmals ein eigenständiges Selbstbewusstsein entwickelten, aber auch mit der Wiedervereinigung, in der erstmals Jugendliche aus der DDR einen freien Zugang zu der Zeitschrift erhielten, oder mit speziellen Themen wie Drogen, Punk, Techno oder Boygroups.
Selbstverständlich ist auch Dr. Sommer ein wichtiger Bestandteil des Buches. Der Mann, der sich jahrelang hinter diesem Pseudonym verbarg, gibt im vorliegenden Buch Auskunft über seine Zeit als »Deutschlands Sexualaufklärer Nr. 1«. Das Interview ist spannend und beantwortet viele Fragen über den geheimnisvollen Menschen, dessen Texte zumindest ich als Jugendlicher mit größtem Interesse las.
Schmunzeln kann man als Leser über Artikel wie »Als BRAVO die Beatles nach Deutschland holte« (Autor ist übrigens der Science-Fiction-Fan Werner Fleischer, der jahrelang die PERRY RHODAN-Cons in Sinzig organisierte) oder »Goldader Winnetou« (jahrelang schrieb BRAVO voller Begeisterung über die Karl-May-Filme). Durchaus kritisch geht das Buch mit der Darstellung der Geschlechter um, dazu kommen wissenschaftliche Beiträge zur Mediennutzung von Jugendlichen.
Angesichts der Vielzahl der Beiträge und Autoren gibt es weder einen einheitlichen Blickwinkel noch eine einheitliche Sprache. Das allerdings entspricht der Geschichte der Jugendzeitschrift in all ihrer Vielseitigkeit.
Das Buch ist klasse. Es lädt zum Blättern und Lesen ein, zum Stöbern und Schmunzeln. Der durchaus stolze Preis von 28 Euro ist angesichts des Umfangs und der vierfarbigen Ausstattung des schön gestalteten Softcover-Bandes angemesssen. Ich kann es jedem nur empfehlen, der mehr über »seine« Vergangenheit und die Geschichte der deutschsprachigen Jugendszene erfahren will.
Es erschien im Archiv der Jugendkulturen, wo es auch zu bestellen ist. Unter der ISBN 3-86546-036-4 gibt es das Buch in jeder Buchhandlung - und wer mag, bestellt direkt bei
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Klaus N. Frick