9. Mai 2006
Fan-Aktivitäten haben im Verlauf der letzten Jahre ein immer höheres Maß an Professionalität angenommen. Professionell - das heißt in diesem Fall, dass die entstehenden »Produkte« kaum noch zu unterscheiden sind von Büchern oder Zeitschriften kommerzieller Verlage. Ein schönes Beispiel dafür ist das Buch »Mythos Erde«, das eine Wiener Autorengruppe unter Federführung von
Roman Schleifer im Dezember 2005 verlegt hat.
Ich habe es jetzt endlich gelesen, Grund, es ein wenig genauer vorzustellen.
Roman Schleifer, Michael Rossmann, Josef Tramberger, Wolfgang Oberleithner und Christoph Marx gehören zum Umfeld des Wiener PERRY RHODAN-Stammtisches oder besuchen ihn regelmäßig. Irgendwann fassten die fünf Leser den Entschluss, einen eigenen Roman zu schreiben und in einem Verlag zu publizieren.
Der Inhalt: Es geht um die Überlebenden der Menschheit - sie landeten vor vielen Jahren mit ihrem Generationenraumer auf einem fremden Planeten. Die fremde Welt wird von den humanoiden Galen bewohnt, die - ähnlich den Unithern aus der PERRY RHODAN-Serie - einen großen Rüssel im Gesicht tragen. Im Lauf der Generationen unterdrückten die Galen den Großteil der Menschen ... soweit die Ausgangslage.
In Episoden wird im vorliegenden Roman die Geschichte des Menschen Frank Nussbaum erzählt, der unter dem galischen Namen Nudree TiFank lange unter den Galen gelebt hat. Dann aber wird er zum Befreier der Menschen, zu einer Mischung aus Moses und dem Messias gewissermaßen. Unter seiner Führung beginnt ein neuer Aufbruch ins All - auf der Suche nach der verschollenen Erde ...
Gewissermaßen handelt es sich bei den Menschen, die nach ihrer Heimat, dem »Mythos Erde« suchen, um »Terranauten«. Sie sind selbstverständlich nicht mit den »Terranauten« aus der gleichnamigen Heftromanserie vergleichbar, die anfangs der 80er Jahre viele Leser begeisterte, sondern sind eine Eigenentwicklung des Autoren-Quintetts - interessant ist trotzdem, wie eine schon klassische Idee neu entdeckt und wieder erarbeitet wird.
Die Handlung des Romans läuft in kurzen Kapiteln ab; es fällt leicht, ihr zu folgen. Sprunghaft geht es vom planetaren Kleinkrieg hinaus ins All, wo die Reise des gigantischen Raumschiffes zum eigentlichen Thema wird. Dabei verzichten die Autoren darauf, zu viele Details zu bringen, sondern erzählen die Geschichte auf rund 240 Seiten bis zum konsequenten Ende.
Seien wir fair: Man merkt dem Roman an, dass es sich um eine Gemeinschaftsarbeit von Autoren handelt, die noch nicht sehr erfahren sind. Einige Handlungssprünge zeigen das ebenso wie stilistische Unsicherheiten. Entstanden ist mit »Mythos Erde« dennoch ein interessantes Fan-Experiment, das zeigt, zu welcher Reife eine Zusammenarbeit von Lesern werden kann. Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen: ein gebundenes Buch mit sauberem Satz und schönem Titelbild, mit Innenillustrationen und unterhaltsam geschriebenen Seiten.
Wer sich für neue Autoren oder Experimente aller Art interessiert, kann hier durchaus zugreifen. Das Buch kann über die Homepage des
Verlags bestellt werden, mit Hilfe der ISBN 3-935982-49-6 in jeder Buchhandlung oder direkt über
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Klaus N. Frick