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Kurzinfo
 Diamant
von Andreas Brandhorst
ISBN: 3453879015






14. Juni 2006

Klaus N. Frick empfiehlt:
Pflichtlektüre für Space-Opera-Fans (Teil 1)

 
Die Space Opera - das ist jener Bereich der Science Fiction, in dem es unter anderem um große galaktische Imperien, um Raumschiffe und um die Begegnung mit Außerirdischen geht. In den letzten eineinhalb Jahren fügte ein deutschsprachiger Autor diesem SF-Genre einen neuen Höhepunkt hinzu, den ich jedem Leser dieser Zeilen nur ans Herz legen kann. Die Rede ist von  Andreas Brandhorst und den ersten drei Romanen, die in seinem  Kantaki-Universum spielen.

Die Handlung der drei Romane ist einige tausend Jahre in der Zukunft angesiedelt. Die Menschheit hat sich längst in der Milchstraße ausgebreitet, allerdings ohne selbst die Technologie für die überlichtschnelle Raumfahrt zu besitzen. Die Menschen benötigen für den Flug von Sonnensystem zu Sonnensystem die Hilfe von Außerirdischen - in erster Linie sind das die Kantaki, die ihre Technik gegen Gebühr zur Verfügung stellen.

Allerdings verfolgen die insektoiden Kantaki ebenso wie die noch fremdartigeren Horgh dabei ihre eigenen Pläne. Sie bleiben für die Menschen völlig undurchsichtig und fremd - aber es gibt Menschen, die sich mit ihrer Mentalität anfreunden und sogar zu Piloten ihrer Raumschiffe werden.

Darüber hinaus sehen sich die Kantaki als eine Art Wächtervolk: Vor vielen Jahren tobte nämlich ein mysteriöser Zeitkrieg. Er wurde zwar gewonnen, und die so genannten Temporalen wurden in ein Zeitgefängnis verbannt, doch es blieben auf verschiedenen Planeten zahlreiche Anomalien zurück. Die Kantaki wachen seither aufmerksam darüber, dass es zu keinen Manipulationen mehr kommt.

Doch die Temporalen in ihrem Gefängnis warten mit einer riesigen Armada darauf, erneut in das normale Zeitgefüge vorstoßen zu können. Hierzu benötigen sie Menschen, die sich leicht manipulieren lassen, um so die Kantaki überlisten zu können.

Soweit der Hintergrund, der sich dem Leser erst im Verlauf des ersten Buches komplett erschließt. Dabei wirkt das Kantaki-Universum extrem gut durchdacht.  Andreas Brandhorst hat nicht nur eine Galaxis mit allen möglichen Kulturen entwickelt, sondern auch eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit zurück reicht. Wer farbenprächtige Weltraumkulturen mit ihren verschiedenen Ausprägungen schätzt, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

Diamant
Rungard Avar Valdorian ist die Person, die das Geschehen in allen drei Bänden bestimmt - sie wird aber nicht unbedingt als sympathisch und nett eingeführt. Als »Primus Inter Pares« ist Valdorian der Ranghöchste im mächtigsten Konsortium des menschlichen Einflussbereiches, und er will nach einem langen erfüllten Leben die Unsterblichkeit erlangen - oder zumindest eine noch längere Langlebigkeit. Dabei sind ihm fast alle Mittel recht: Intrigen, Krieg und ... Gefühle.

Dabei war Valdorian einmal ein ganz anderer Mensch: ein junger Mann, verliebt in die hinreißende Lidia DiKastro. Sie entwickelt sich zur Kantaki-Pilotin, zu einem jener Menschen, die als einzige in der Lage sind, mit den riesigen Raumschiffen der fremdartigen Insektoiden durchs All zu fliegen und so die Verbindung zwischen den menschlichen Kolonien aufrecht zu erhalten. Das Leben der Kantaki-Pilotin, die nur noch Diamant genannt wird, entfernt sich sehr schnell von dem des jungen Milliardärs - doch er liebt sie immer noch, versucht über 120 Jahre hinweg den Kontakt zu ihr zu bewahren.

 Andreas Brandhorst zeichnet in »Diamant«, dem ersten Teil der Kantaki-Trilogie, das Leben der beiden nach: wie sie sich über Jahrzehnte hinweg entwickeln, wie sie sich begegnen, wie die Kontakte letztlich immer seltener werden. Während Valdorian reicher und mächtiger wird, entdeckt Lidia die Welt des Geistes und die Kultur der Kantaki für sich.

Das Ende einer solchen Liebe kann nur tragisch sein, und auf dem Weg dahin sterben Menschen, explodieren Raumschiffe, verglühen besiedelte Planeten. Und dabei ist weder Valdorian noch Lidia bekannt, dass sie manipuliert werden, und natürlich ahnen sie auch nicht, in welchem Umfang dies geschieht ...

Schon das erste Buch dieser Kantaki-Trilogie zeigt einen Schriftsteller auf hohem Unterhaltungsniveau: Der Roman ist stilistisch überzeugend, es tauchen gute Charaktere auf, und das Geschehen rollt in faszinierender Breite vor dem Auge des Lesers ab. Möglicherweise braucht der eine oder andere Leser eine Weile, bis er sich auf das Kantaki-Universum eingelassen hat - dann aber lässt es ihn kaum noch los.

Soweit für diesmal. Der zweite Teil der großen Besprechung zur Kantaki-Trilogie kommt am  21. Juni 2006.

 Klaus N. Frick