21. Juli 2006
Mehrere Faktoren führten dazu, dass ich das Hörbuch »Der Fall Jane Eyre« von Jasper Fforde auf meine Wunschliste setzte:
1. Oliver Reiff von unserer Internetagentur
trilobit hat mir von dem Buch vorgeschwärmt.
2. Ich steh' auf komische Autorennamen.
3. Das Cover fand ich supercool.
4. Ich war auf die Lesestimme von Andrea Sawatzki gespannt.
Und nachdem ich einen Artikel über das Hörbuch schreibe, habt ihr ganz richtig geraten, dass mir das Teil sehr gut gefallen hat. Aber der Reihe nach ...
Zu 1. »Kennst du das nicht? Ziemlich schräg ... spielt in einer Art Parallel-Welt. Der Krim-Krieg wütet seit über hundert Jahren, Luftschiffe werden Flugzeugen vorgezogen und Dodos sind nicht ausgestorben« So oder so ähnlich hat mit Oliver das Buch angepriesen. Wer würde da nicht zugreifen?
Zu 2. Jasper Fforde (Jahrgang 1961) ist Waliser, was seinen komischen Namen und seine besondere Art von Humor erklärt, wie ich finde. Laut seiner Biografie wurde »Der Fall Jane Eyre« 76mal abgelehnt, bevor es veröffentlicht wurde und Fforde zum Kultautor avencierte. So kann es gehen ...
Zu 3. Keine Ahnung, was das Cover mit der Geschichte zu tun hat. Okay, geklonte Dodos kommen vor, aber eher unwesentlich, und das Haus im Hintergrund dürfte entweder das Bronte-Wohnhaus oder Thornfield Hall sein, Sitz von Edward Rochester, dem Arbeitgeber von Jane Eyre. Zu empfehlen, aber nicht notwendig ist es, das Original »Jane Eyre« zu lesen. Dann wird die Sache bestimmt noch lustiger.
Zu 4. Ich bevorzuge Hörbuch-Stimmen, die ich noch nicht tausend Mal im Werbefernsehen oder diversen Hollywood-Filmen gehört habe. Andrea Sawatzki, ihres Zeichens »Tatort«-Kommissarin und Adolf Grimme-Preisträgerin, hat eine wunderbar launige, leicht kratzige Stimme, die ganz hervorragend zu dem Charakter der Protagonistin Thursday Next passt. Für mich die perfekte Besetzung.
Nun aber endlich ein paar Worte zum Inhalt:
Wir schreiben das Jahr 1985. Thursday Next, englische LiteraturAgentin (kurz LitAg) ist u.a. für das Aufspüren gefälschter Shakespeare-Manuskripte zuständig. Zu ihrem Familienumfeld: Ihr Vater ist ehemaliger ChronoGard (Zeitschützer), der wild in der Zeit hin und her springt, verfolgt von der Regierung. Ihre Mutter, Wednesday, kam an einem Sonntag zur Welt und ist eifersüchtig auf die historischen Damen, die ihr Mann bei seinen Zeitreisen kennenlernt. Thursdays Bruder Anton (an einem Montag geboren) fiel im Krim-Krieg, und ihr anderer Bruder Joffy hat seine eigene Kirche gegründet.
Als der drittgrößte Schurke der Welt, Acheron Hades, wieder einen Polizisten umbringt, wird Thursday um Hilfe gebeten, da sie Hades als ehemaligen Lehrer kennt. Es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch Zeit, Raum und durch diverse Bücher, im wahrsten Sinn des Wortes. Thursdays Onkel hat nämlich eine Maschine erfunden, mit der man in Bücher hinein und die Protagonisten treffen kann. In Kopien ist das kein Probelm, im Original-Manuskript kann das aber fatale Folgen haben.
Doch Thursday ist nicht die einzige, die Hades verfolgt. Mit von der Partie ist Mister Schitt, undurchsichtiger Sicherheitschef der Goliath-Corporation, der seine ganz eigenen Pläne mit Hades und dem Prosa-Portal hat.
Als Fan von Matt Ruff, Douglas Adams und Tom Robbins begeistern mich Ffordes Sprachwitz, Ironie, Anspielungen und die etwas durchgeknallte Handlung, die aber doch auf ihre Art völlig stimmig ist.
Das Hörbuch ist leider gekürzt: »autorisierte Lesefassung« (drei CDs) nennt sich das. Das ist schade, da das Buch von 1000 Kleinigkeiten lebt. Was mich zur Versuchung führt, das Buch noch zu lesen. Auch um die ein oder andere literarische Anspielung im geschrieben Wort besser und aufmerksamer zu erkennen.
So oder so: »Der Fall von Jane Eyre« ist unbedingt empfehlenswert, für alle, die schräge aber intelligente Science Fiction-Geschichten mögen. Und das beste daran: Bei
dtv gibt es drei weitere Fälle von Thursday Next. Bleibt zu wünschen, dass
Patmos auch diese Bücher mit Andrea Sawatzki vertont.
Miriam Hofheinz