20. Oktober 2006
Anfang Oktober war ich auf der Buchmesse in Frankfurt. Neben interessanten Kontakten und Gesprächen habe ich mir als Mitbringsel einen grippalen Infekt und die Fantasy-Trilogie »Der Gilde der Schwarzen Magier« eingepackt. In Kombination war dann alles gar nicht mehr so schlimm. Während meiner Woche krank daheim konnte ich mich durch die drei Bücher lesen, und der Schnupfen war gleich weniger tragisch.
Die australische Autorin Trudi Canavan hat es mit ihrem Debüt wirklich geschafft, eine wunderbare Fantasy-Trilogie zu schreiben, die mich komplett in ihren Bann gezogen hat.
Zur Story:
Das arme Hüttenmädchen Sonea entdeckt eines Tages durch Zufall, dass sie magische Fähigkeiten hat. Problem ist, dass dieses Privileg nur der Oberschicht gestattet ist und der Zufall darin besteht, dass sie einen Magier trotz Schutzschild mit einem Stein verletzt. Mit Freunden und guten Kontakten zu den Dieben gelingt ihr die Flucht, doch dann werden ihre Kräfte immer unkontrollierbarer, und sie wird der Magiergilde ausgeliefert, deren Mitglieder ihr beibringen, wie wichtig es ist, mit ihrer Magie umgehen zu können, damit sie sich und andere damit nicht gefährdet.
Lange Rede kurzer Sinn: Sie tritt als Novizin der Gilde bei, wird als Mädchen aus den Elendsvirteln übel schikaniert, und schafft es doch mit Geschick und ihrer starken Magie, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ein weiteres Problem ist, dass sie mit angesehen hat, wie der Hohe Lord der Gilde Schwarze Magie praktiziert, worauf die Todesstrafe steht. Und nicht zu vergessen die geächteten und übermächtigen Magier aus dem Nachbarland, die die Magiergilde hassen und das Land zurückerobern wollen. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf ...
Auf den ersten Blick liest sich das wie eine ganz »normale« Fantasy-Trilogie. Jein. Was mich an den Büchern so fasziniert hat, sind die »Grautöne«. Was auf den ersten Blick als böse und verrufen gilt, wird immer noch von einer anderen Seite dargestellt. Es gibt nicht das klassische Schwarz/Weiß, Gut/Böse wie in den meisten Fantasy-Büchern. Das hat mir sehr gut gefallen, gerade auch zum Thema »Schwarze Magie«, denn nichts ist von Grund auf böse. Auch die Diskussionen zwischen Sonea und ihren Mentoren über das Klassensystem und die Angst des Magiers Dannyl, dass jemand herausfindet, dass er ein »Knabe« ist, sprich schwul, ist keine »klassische« Fantasy.
Anderseits kommt die Fantasy mit dem Magierunterricht und den Magierkämpfen auch nicht zu kurz. Für mich eine optimale Mischung, die mich zum Teil bis nachts um zwei in ihren Bann gezogen hat!
Wer dem ersten Teil der Trilogie seine Langatmigkeit vergibt und weiterliest, kann sich auf eine spannende Geschichte mit wunderbaren Charakteren freuen. Für Fantasy-Leser ein Muss, wie ich finde. Von dem abgesehen, dass ich die Cover für schlichtweg grandios halte!
Miriam Hofheinz