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Kurzinfo
 Das Ikarus-Gen
von James Patterson
ISBN: 3-431-03679-1






3. November 2006

Klaus N. Frick empfiehlt:
Rasant erzählter »Wissenschafts«-Thriller

 
Die Genre-Vermischung von Thrillern oder Krimis mit der Science Fiction oder ganz allgemein der phantastischen Literatur erfreut sich in letzter Zeit großer Beliebtheit: Die Erfolge von Frank Schätzings »Der Schwarm« oder Andreas Eschbachs Romanen sind dem deutschen Leser am stärksten aufgefallen; internationale Autoren wie Michael Crichton vermengen schon seit langem wissenschaftliche Explorationen mit ihren Thrillern.

Da kann auch ein James Patterson nicht zurückstehen: Der Autor, der seit den 70er Jahren zahlreiche solid-spannende Thriller veröffentlichte, greift mit seinem Roman »Das Ikarus-Gen« ganz tief in die Schatzkiste der Genetik, plündert einige populäre Mythen und bedient sich gnadenlos bei Rainer Erlers 70er-Jahre-Film »Fleisch« - heraus kommt ein spannender Roman, den man trotz aller Mängel als Leser kaum aus der Hand legen kann.

Doch der Reihe nach: Es geht um sechs Kinder, die Ergebnis langwieriger Genexperimente sind, in deren Verlauf sie zu »Vogelmenschen« wurden. Die Kinder besitzen also Flügel, mit denen sie tatsächlich fliegen können, und sie haben einige Verhaltensweisen, die an wirkliche Vögel erinnern. Dazu gehört, dass sie sich insgesamt als einen »Schwarm« begreifen und im entscheidenden Fall als ein solcher agieren.

Die Vorgeschichte des Romans, die als »Der Tag, an dem der Wind dich trägt« erschienen ist, erzählt, wie die Kinder mit Hilfe einer Tierärztin und eines FBI-Agenten ihre Freiheit erlangen und letztlich gegen ihre Peiniger antreten können. In »Das Ikarus-Gen«, dem aktuellen Buch James Pattersons, das erfreulicherweise ohne jegliche Vorkenntniss verständlich ist, geht es um das weitere Schicksal der Kinder: Während sie zu ihren Eltern gebracht werden, macht sich bereits eine Gruppe skrupelloser Wissenschaftler auf den Weg, um ihrer endgültig habhaft zu werden. Letztlich geht es diesen Wissenschaftlern darum, mit Hilfe von Gentechnik und Transplantationen einigen Menschen eine extrem hohe Lebenserwartung zu verschaffen - ohne Rücksicht auf Verluste, versteht sich ...

Sechs Kinder, eine Tierärztin und ein FBI-Agent: Das ist keine sehr beeindruckende Streitmacht. Aber natürlich nehmen sie den Kampf gegen die Bösewichte auf und führen diesen so engagiert, dass es gegen Ende zu einem Happy-End kommt, allerdings nur zu einem teilweisen. Ohne Spuren und Verluste gehen auch die Helden nicht aus ihrem Kampf hervor - und das schildert James Patterson extrem unterhaltsam.

Da stört es den Leser auch nicht, dass der Schreibstil manchmal arg trivial ist und der wissenschaftliche Gehalt des Buches nur als äußerst dünn bezeichnet werden kann. Der Autor hielt sich nicht mit großartigen Recherchen auf, erzählt im Prinzip nur, was bei den Gentechnikern vorgeht, ohne auch nur einmal darüber zu reflektieren, mit welchen technisch-wissenschaftlichen Mitteln die vorgegebenen Ziele zu erreichen sind. Wer als Leser genau wissen will, warum die sechs Kinder denn eigentlich Flügel besitzen und wie diese organisch mit dem Rest des Körpers verbunden sind, erhält keine Antwort.

Das aber kommt womöglich einem Bedürfnis in der Leserschaft entgegen. Komplexe Erläuterungen sind nicht jedermanns Geschmack; mancher Thriller-Leser legt eher Wert auf rasante Action, und die wird in diesem Buch geboten. Schnelle Wechsel der Handlungsebenen sorgen dafür, dass der Lesefluss beschleunigt wird, und nur die gelegentlichen Einblicke in die Gedankenwelt der Kinder - wenn sie beispielsweise über Wälder hinwegfliegen - nehmen das Tempo aus der Geschichte.

So bleibt James Pattersons »Das Ikarus-Gen« ein Leseerlebnis für den Freund schlicht gestrickter, aber spannender Thriller. Wessen Herz für intelligente Science Fiction schlägt, wird das Buch nach erfolgter Lektüre enttäuscht aus der Hand legen.

Das Buch ist als Hardcover bei Ehrenwirth erschienen und umfasst 384 Seiten. Es kostet 19,90 Euro. Mit Hilfe der ISBN 3-431-03679-1 kann es in jeder Buchhandlung bestellt werden - oder auch direkt bei amazon.de.

 Klaus N. Frick