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Kurzinfo
 Wiener Roulette
von Uschi Zietsch (Herausgeber)
ISBN: 3927071153






11. Dezember 2006

Klaus N. Frick empfiehlt:
Vergnügliche Geschichtensammlung

 
Was passiert, wenn man einige kreative Autoren zusammenspannt und sie mit der Aufgabe beauftragt, sich gemeinsam eine Geschichte auszudenken? Im vorliegenden Fall kommt die extrem amüsante Erzählung »Wiener Roulette« heraus, die zugleich Titelgeschichte eines neuen Buches ist, das in diesem Jahr im  Fabylon-Verlag erschien.

Für PERRY RHODAN-Leser fällt die Anthologie natürlich vor allem dadurch auf, dass sie von  Uschi Zietsch zusammengestellt wurde, die unter dem Pseudonym  Susan Schwartz zahlreiche Romane für die größte Science-Fiction-Serie der Welt schrieb. Dass darüber hinaus die PERRY RHODAN-Autoren  Ernst Vlcek,  Michael Marcus Thurner und  Leo Lukas sowie der PERRY RHODAN-Illustrator  Michael Wittmann beteiligt sind, dürfte ebenfalls interessant sein. Dabei muss dieses »Namedropping« nicht einmal sein, ist die Anthologie doch auch für solche Leser amüsant und unterhaltsam, die mit unserer Serie nicht viel zu tun haben.

Das zeigt sich schon an der Titelgeschichte, die nach einer Idee von  Ernst Vlcek entstanden ist: »Wiener Roulette« spielt in einem seltsam in die Zukunft verlagerten Wien, in einer Welt, in der man sich die Rente mit Hilfe von Punkten verlängern und vor allem verbessern kann. Dabei gehen manche Menschen tatsächlich über Leichen ... Besonders gelungen ist die Erzählung deshalb, weil die jeweiligen Autoren mit ihren stilistischen Eigenheiten an das Thema herangehen und trotzdem ein »gelungenes Ganzes« entstanden ist. Und wer sich mit Wien im Allgemeinen und der Fan-Szene im Besonderen auskennt, für den hat die Erzählung darüber hinaus den einen oder anderen ironischen Seitenhieb auf Lager.

Meine liebste Geschichte stammt von  Ernst Vlcek. Bei »Nur ein kleiner Wapo« handelt es sich um eine waschechte SF-Story, die in einer nahen Zukunft spielt und in der ein Wasserpolizist als »Held« auftritt. Die Alpenrepublik ist in dieser Zukunft ein völlig vergammeltes Staatswesen mit einer komplett korrupten Polizei, in der das Wasser rationiert ist und zu den Luxusgütern gehört. Die Story wird satirisch überspitzt erzählt, bringt aber eine echte Gesellschaftskritik zum Ausdruck - sehr schön.

Mit  Ernst Vlceks Wiener Formulierungen muss der Leser leben, aber glücklicherweise gehört zum vorliegenden Buch ein »Glossar«, das die wichtigsten Begriffe ins Hochdeutsche übersetzt. Und wer vorher nicht wusste, um was es sich bei der »geheimen Geheimgesellschaft Sentenza Austriaca« handelt, wird es nach Lektüre aller Texte und vor allem des Porträts auf jeden Fall wissen.

Nicht verschweigen möchte ich, dass es in der vorliegenden Anthologie einige Texte gibt, die mir nicht gefallen haben. Das ist sicher geschmäcklerisch und lässt sich bei einer Textzusammenstellung dieser Art nicht vermeiden. In Zeiten, in denen viele Verlage auf ihre Kurzgeschichtensammlungen verzichten oder gar ihr komplettes Buchprogramm einstellen, muss man als Science-Fiction-Leser über jede Anthologie dieser Art froh sein. Und wenn sie dann noch so unterhaltsam dargeboten wird wie die vorliegende, freue ich mich richtig darüber.

Wer mehr über die Geschichten erfahren mag, sollte die Homepage des Fabylon-Verlages besuchen. Dort gibt es eine Reihe von interessanten  Leseproben, die einen guten Ein- und Überblick verschaffen.

Die Anthologie »Wiener Roulette« ist als Paperback erschienen und umfasst 234 Seiten. Für das Titelbild zeichnet Alexander Vlcek verantwortlich, Innenillustrationen trägt  Michael Wittmann bei, und hinzu kommt ein Vorwort von Franz Rottensteiner. Das Buch kostet zehn Euro. Mit Hilfe der ISBN 3-927071-15-3 kann das Paperback in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso direkt bei Amazon.de.

 Klaus N. Frick