27. Dezember 2006
Es gibt Romane, die entziehen sich weitestgehend einer genauen Kategorisierung. Der hier vorliegende, bereits im Jahr 2005 erschienen, gehört dazu: »Bang Bang stirbt« ist nämlich eine kunterbunte Mischung aus Science Fiction, Krimi und Groteske, vermengt mit gehässigen Aussagen zur aktuellen politisch-gesellschaftlichen Situation und allerlei popkulturellen Anspielungen. Kein Wunder, dass dieser Roman beim »normalen« Science-Fiction-Publikum praktisch nicht aufgefallen ist.
Dabei ist die Ausgangslage die einer echten Science-Fiction-Welt. Es geht um nicht mehr als um das Berlin der nahen Zukunft, eine Stadt, die zwischen Irrsinn und Realität hin- und her pendelt. Manchmal ist dieses Berlin zu vergleichen mit dem Comic-Berlin des Duos
Dirk Schulz und
Robert Feldhoff, das die beiden in ihrem Comic
»Berlin 2323« präsentierten.
Der Regierende Bürgermeister wird in der fiktiven Zukunft dieses Romans mit dem zusätzlichen Titel eines »Geliebten Bausenators« bezeichnet. Es gibt organisierte Selbstmordkommandos, deren Aktivisten die von ihnen gekaperten Flugzeuge ausgerechnet in jene Gebäude lenken, die ohnehin abgerissen und durch neue Bauwerke ersetzt werden sollen. Das mag man als Leser angesichts des 11. Septembers 2001 zynisch finden, aber innerhalb dieses Romans passt das tatsächlich.
Die zwei »echten« Helden des Buches haben es allerdings auch in sich: Bang Bang ist der eine, ein Panda-Bär, der im Zoologischen Garten lebt, dann aber von einer Guerilla-Gruppe namens »Rote Beete Fraktion« entführt wird. Bang Bang selbst lässt der politische Hintergrund eher kalt: Der Bär, ehemals ein gemeingefährlicher Killer der Mafia, sitzt meditierend in seinem Gefängnis, brütet über mögliche Ausbruchsversuche und schaut sich in der Zwischenzeit Panda-Pornos an, bevor er irgendwann einen folgenschweren Entschluss fasst.
Und es gibt Hauptkommissar Pachulke, einen traurigen »Schnüffelbullen«, den Chef der »SoKo Veganischer Terrorismus«, ein gemütlich-pedantischer Beamter, der nur noch kurze Zeit bis zu seiner Pensionierung hat und gerne Büroklammern abzählt. Seine Kollegin Xenia Yolantha Zabriskie hält ihn ebenso auf Trab wie der Druck, der von Politikern und Medien ausgeübt wird. Gegen seinen Willen muss Pachulke also ermitteln, und das tut er mit zum Schreien anregender Effizienz. Beweismittel werden gefunden und in Zusammenhang mit dem Fall gebracht, und der »Freundeskreis für rechtsstaatliche Folter unter Beachtung der Menschenwürde« taucht auf ...
Es fällt schwer, die zahlreichen skurrilen Einfälle des Romans zu würdigen. Die Berliner Stadtteile werden satirisch »abgefeiert«, indiskrete Einblicke in diverse Lokalitäten und Geschäfte gehören dazu. Anscheinend braucht man als Autor hierfür den »Blick von außen«. Kein Wunder, denn Rob Alef selbst ist kein »echter« Berliner: Er wurde 1965 in Nürnberg geboren und siedelt seitdem in der städtischen Wüste von Berlin-Kreuzberg.
Den Roman »Bang Bang stirbt« als Polit-Thriller zu bezeichnen, wie es der Verlag in seiner Werbung tut, halte ich für etwas übertrieben. Aber es ist ein sarkastischer Trip durch eine Zukunft, die zwar schwer bescheuert aussieht, aber wahrscheinlich nicht unlogischer ist als das, was wirklich auf die Bewohner Berlins zukommt. Unterhaltsam ist das ganze allemal; grinsen muss man als Leser immer wieder.
Für Freunde der Stadt Berlin ist das Buch fast ein Muss, für die Fans schräger Krimis ist es auf jeden Fall ein Tipp - und wer mag, soll einfach »einmal so« in das Buch hineinlesen.
Das geht erfreulicherweise im Internet. Wer mehr über den Roman wissen will, kann sich die entsprechende
Leseprobe auf der Homepage des Verlages anschauen. Und wer das 254 Seiten umfassende Paperback kaufen will, kann dies mit Hilfe der ISBN 3-926126-44-2 in jeder Buchhandlung tun, oder eben direkt bei
amazon.de.
Klaus N. Frick