20. Februar 2007
Historische Romane erfreuen sich nach wie vor größter Beliebtheit. Sie entsprechen nicht unbedingt dem aktuellen Stand der Wissenschaft, manchmal plündern die Autorinnen und Autoren einfach nach Herzenslust die populären Mythen etwa über die Antike oder das Mittelalter - aber dem Erfolg mancher Bücher ist dies durchaus zuträglich. Erfreulicherweise gibt es aber auch Schriftsteller, bei deren Werke sich die historische Exaktheit mit packender Handlung paaren.
Einer der beliebtesten Autoren des Genres ist seit vielen Jahren Gisbert Haefs - den PERRY RHODAN-Lesern wurde er zuletzt durch seinen Roman »Der eiserne Finger Gottes« bekannt. Der in Bonn lebende Schriftsteller verfasste bereits zu einer Zeit seinen wegweisenden Roman
»Hannibal«, als noch niemand von einem Boom historischer Romane sprach. Mit »Hannibal« erwarb er sich einen Ruf, den Haefs mit Romanen über Alexander den Großen und andere antike Persönlichkeiten festigte.
Ebenfalls in Karthago spielt sein zuletzt erschienenes Werk: »Das Schwert von Karthago«. Im Januar 2007 erschien der Roman jetzt auch als Taschenbuch, Grund genug, endlich auf ihn hinzuweisen. Streng genommen handelt es sich bei diesem im Jahr 229 vor Christi Geburt spielenden Roman um einen Krimi, der zudem die Elemente eines Polit-Thrillers aufweist.
Held des Romans ist Bomilkar, der Chef der karthagischen Stadtwächter, der beim Ermitteln eines Mordes herausfindet, dass politische Gründe hinter der Tat eines angeblichen Einzeltäters stecken. Bomilkar schlägt sich mit Intrigen in Karthago herum, arbeitet mit einem »Erzfeind« zusammen, also mit einem Römer, reist nach Spanien und andere Regionen und stellt fest, dass verschiedene Ereignisse rings um das Mittelmeer zusammenhängen.
Mit einem gewissen Augenzwinkern führt Gisbert Haefs in die Welt Karthagos ein, das von den Bewohnern Qart Hadasht genannt wurde. So viel weiß die Wissenschaft nicht über die Zeit der sogenannten Punier, also konnte der Autor vieles erfinden oder eben »herleiten«. Mit Bomilkar schuf er zudem einen Detektiv, der gewisse Ähnlichkeiten mit anderen Haefsschen Helden aufweist: Der Stadtwächter liebt das gute Leben, ißt und trinkt gern und hat eine Lebensgefährtin, die es ebenfalls faustdick hinter den Ohren hat; beide mögen Wortspiele, beide treiben ihre eigenen Spielchen. Wer den Haefs-Helden
Balthasar Matzbach kennt, wird hier viele Parallelen finden ...
Zwar kommt der Roman ohne die Schilderungen gar zu schlimmer Grausamkeiten aus, trotzdem zeichnet er kein verherrlichendes Bild einer oftmals harten Zeit. Entsprechend blutig fällt auch die Lösung des Mordfalls aus - mit offenem Ende übrigens, denn die eigentliche politischen Hintergründe kann Bomilkar nicht komplett aufklären. Es ist also davon auszugehen, dass Gisbert Haefs seinen Karthago-Romanen bald ein neues Epos beifügen wird.
Auf jeden Fall garantiert dieser Roman dem historisch interessierten Leser auf 352 Seiten eine unterhaltsame Lektüre. Man erfährt als Laie genügend über das Leben und Lieben in der Antike, und man kann sich immer wieder über die verschiedenen Aktionen des Helden und seiner Freunde und Feinde amüsieren.
Die gebundene Ausgabe - Hardcover mit Schutzumschlag - ist zum Preis von 19,90 Euro beim Heyne-Verlag erschienen. Unter Angabe der ISBN 978-3-453-01208-0 kann das Buch nach wie vor in jeder Buchhandlung bestellt werden, oder auch bei amazon.de.
Die Taschenbuch-Ausgabe erschien ebenfalls im Heyne-Verlag. Diese Ausgabe kostet 8,95 Euro und kann mit Hilfe der ISBN 978-3453470705 bestellt werden.
Klaus N. Frick