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Kurzinfo
 Spin
von Robert Charles Wilson
ISBN: 978-3453522008






5. März 2007

Klaus N. Frick empfiehlt:
Zu recht preisgekrönt - der SF-Roman des Jahres 2006

 
Im Sommer 2006 wurde der Roman »Spin« des kanadischen Schriftstellers Robert Charles Wilson mit dem Hugo Award ausgezeichnet, dem wohl wichtigsten Preis, den es international für Science Ficton gibt. Bereits im selben Sommer erschien das Werk auch in deutscher Übersetzung - ich kam leider erst in den letzten Wochen dazu, es zu lesen. Und soviel sei bereits verraten: Der Preis ging verdient an »Spin«, mich hat schon seit einiger Zeit kein SF-Roman mehr derart gefesselt.

Die Ausgangsposition des Inhaltes lässt sich leicht erzählen: Irgendwann Mitte oder Anfang des 21. Jahrhunderts verschwinden die Sterne am Himmel, ebenso der Mond. Wie Wissenschaftler feststellen, wurde die Erde in eine Art Membran gehüllt, die zwar viele Impulse durchlässt, die Menschheit und ihren Heimatplaneten aber in eine Art Zeitgefängnis einsperrt: Während auf der Erde wenige Jahre vergehen, rasen im Universum die Jahrhundertmillionen vorüber ... Und es ist sogar abzusehen, dass die Menschheit bald vernichtet wird, dann nämlich, wenn sich die Sonne zu einer Supernova aufbläht und die Planeten in ihrem Feueratem zerkocht.

Der Spin, so wird das Gebilde genannt, in das die Erde gehüllt wurde, ist offensichtlich das Werk von Außerirdischen, über die man nicht das geringste erfährt. Mangels eines besseren Begriffes werden sie schlicht »die Hypothetischen« genannt - und die Menschheit beginnt sich unter dem Druck der Ereignisse zu verändern. Nicht dass man unbedingt klüger würde, aber auf der einen Seite entwickeln sich neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien, und auf der anderen Seite sprießen absurde religiöse Theorien in den Himmel.

Und dann wird ein kühner Plan entworfen - den ich an dieser Stelle nicht verraten möchte -, der aber von der Logik her absolut folgerichtig ist. Entsprechende Konsequenzen der Hypothetischen bleiben nicht aus, dennoch tragen die Folgen dieses Plans zu einer weiteren Evolution der Menschheit bei. Und erst gegen Ende des Buches wird klar, was wirklich hinter dem ganzen Spin steckt - und welche Vision es für die Zukunft der Menschheit gibt ...

»Spin« ist Ideen-SF reinsten Wassers. Die Grundidee wird durch Gedanken ergänzt, die weit in die Zukunft reichen; die Handlung des Romans überspannt tatsächlich Milliarden von Jahren, ohne dass dies irgendwie peinlich oder übertrieben wirkt. Wissenschaft, Raumfahrt und technische Forschung spielen eine wesentliche Rolle in diesem Roman, werden aber auf eine Weise transportiert, die sie auch für Genre-Fremde leicht verständlich machen sollten.

Robert Charles Wilson arbeitet bei seinem Roman im Prinzip mit einem Trick: Der Autor behandelt zwar ein sehr »großes Thema«, aber er beschränkt sich auf nur drei Personen, aus deren Sicht er alles schildert. Genauer gesagt beschreibt er alles nur aus der Sicht eines einzigen »Helden«, des Arztes Tyler Dupree, der bereits als Kind mit den Geschwistern Jason und Diane Lawton befreundet ist.

Während Diane im Verlauf ihres Erwachsenenlebens zu einer der Sekten wechselt, die auf den Spin in ihrer Weise reagieren, widmet das Genie Jason sein Leben der Erforschung des Spin: Er entwickelt den gigantischen Plan, mit dem er die Menschheit in eine ferne Zukunft führt, und er ist jahrelang der führende wissenschaftliche Kopf der Erde. Da Tyler viele technische Details nicht versteht, muss Jason sie ihm vereinfacht erklären - und somit wird es auch für den Leser leicht verständlich.

Wir haben es hier mit einem wunderbaren Roman zu tun: Ein Bündel komplexer Ideen wird präsentiert, aber das auf eine sehr unterhaltsame Weise, die zumindest mich dazu brachte, von einem Kapitel zum nächsten mitzufiebern. »Spin« ist in der Tat ein Beleg dafür, dass die Science Fiction ein extrem spannendes Literaturgenre ist, in dem weit gespannte Gedankengebilde in unterhaltende Geschichten verpackt werden. Der Roman hat den Preis zu Recht erhalten und wird von mir wärmstens empfohlen.

Für PERRY RHODAN-Fans nicht uninteressant sind im übrigen einige der grundsätzlichen Ideen des Romans: Dass ein Planet in ein Zeitrafferfeld gehüllt wird, ist in der Serie erstmals 1996 vorgekommen. In der Serienhandlung wurde damals  Trokan, der Planet, der anstelle des Mars zu jener Zeit die Erde umkreiste, in ein solches Feld gepackt, in dem die Zeit aber nicht langsamer verlief, sondern irrsinnig schnell. (Ob Wilson den Roman gelesen hat, der ja auch in amerikanischer Übersetzung erschienen ist?)

Darüber hinaus ist die grundsätzliche Idee, wie sich das Leben entwickelt und nach welchen Grundsätzen die Milchstraße »zusammenwachsen« wird, etwas so Großes, dass sogar  Superintelligenzen und  Kosmokraten fast harmlos dagegen sind. Wer kosmologische Konzepte mag, wie sie das Gerüst der PERRY RHODAN-Serie bilden, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

Anders gesagt: »Spin« ist eine wunderbare Ergänzung zur größten Science-Fiction-Serie der Welt. Mein großer Lese-Tipp für alle SF-Fans!

Der Roman erschien als Taschenbuch im Heyne-Verlag, umfasst 555 Seiten und kostet 8,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3453522008 ist er in jeder Buchhandlung zu erhalten - oder direkt bei amazon.de.

 Klaus N. Frick