9. Mai 2007
Es begann auf der Leipziger Buchmesse.
Frank Böhmert war bei uns am Stand, wir plauderten, als er plötzlich ein Buch hervorholte. Irgendwas murmelte er, »soll ganz spannend sein ... ob es jemand von euch haben mag« ... Nachdem ich mich auf Franks Empfehlungen schon immer verlassen konnte, griff ich mir das Buch. So kam ich zu »Null« von Adam Fawer.
Nach der Lektüre frage ich mich, ob es denn wirklich »Zufall« war, wie ich an das Buch kam, und mein Hirn beginnt zu arbeiten ...
Aber bleiben wir chronologisch: »Das Lächeln der Eidechse« war rechtzeitig vor Ostern fertig gelesen und so konnte ich am Karfreitag mit dem Thriller »Null« beginnen. Der Klappentext liest sich sehr interessant, wie es sich für einen Klappentext gehört, leider lockt der Text einem auf eine ganz falsche Spur, was ich als Leser immer etwas unschön finde. Aber egal, es kommt ja schließlich auf den Inhalt an und der hat es in sich.
Es beginnt alles ganz harmlos: Kerl spielt Poker, verliert und hat die Russenmafia auf dem Hals. Kommt schon mal vor. Was an der Sache ungewöhnlich ist, ist, dass unser Held David Caine ein Epileptiker ist, der für noch so große mathematische Berechungen z.B. Wahrscheinlichkeitsgleichungen keinen Taschenrechner braucht. Allein das sind schon zwei Tatsachen, die mich immer schon sehr fasziniert haben. Aber das macht noch keinen guten Thriller aus. Man packe noch dazu: einen schizophrenen Zwilling, eine übergelaufene und nebenbei attraktive KGB-Agentin, einen »verrückten« Professor, nordkoreanische Geheimagenten und ein Prof. des heimischen CIA, der für den meistbietenden arbeitet und noch ein paar andere seltsame Gestalten.
Auch das könnte bei Grisham und Co. geklaut sein, aber nichts ist, wie es scheint. Der Leser hat nicht mit dem Beruf des Autors gerechnet: Fawer, Jahrgang 1970, hat Wirtschaftswissenschaften und Statistik studiert. Und da beginnt es interessant zu werden. Fawer zieht seinen Leser mit Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik in seinen Bann. Normalerweise nicht die spannendsten Themen auf unseren Erdball, ich meine mich auch zu erinnern, dass ich deshalb fast durchs Mathe-Abi gerasselt bin, aber wie Fawer die Sache verpackt und wie er den Leser an die Hand nimmt, ist wunderbar. Er bereitet mit einfachen Erklärungen einen Bogen vor dem Leser aus, der bei Heisenbergs Unschärfetheorie beginnt, über Newton, Darwin und Einsteins Relativitätstheorie zum deutschen Psychologen Jung führt und beim Laplace’schem Dämon scheinbar endet.
Die vier Oster-Tage haben mir mit »Null« eine spannende und lehrreiche Lektüre gebracht und Verwirrung. Solche Bücher liebe ich ... Was ist das mit dem kollektiven Unterbewusstsein? Was treibt uns an? Was ist Zufall, wenn es ihn denn gibt? Wie viele Realitäten gibt es? Quantenphysik ist echt was tolles.
Wer einen spannenden Wissenschaftsthriller möchte: unbedingt lesen!
Wer einen Blick hinter die Quantenphysik werfen möchte: unbedingt lesen!
Wer eine Lektüre mit anhaltender Wirkung/Verwirrung möchte: unbedingt lesen!
Mich werden die Ideen und Eindrücke nicht so schnell los lassen.
PS: Drei Männer haben das Buch nach Kapiteln übersetzt. Einer davon ist
Frank Böhmert ...
Miriam Hofheinz