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Kurzinfo
 Der Schattenlehrling
von Boris Koch
ISBN: 978-3-89064-482-0






17. Juli 2007

Klaus N. Frick empfiehlt:
Ein ganz schön fieses Zukunfts-München

 
Wir schreiben das Jahr 2070. In Berlin langweilt sich Boris Weinert, ein 13 Jahre alter Jugendlicher aus guter Familie. Sein Vater, ein wohlhabender Angestellter, und seine Mutter sind ihm zu spießig, und so flüchtet sich Boris in die Spiele-Welt der »Shadowrunner«. Er träumt davon, selbst einer jener »Runner« zu sein, die in den Schatten leben und nichts lieber tun, als die Reichen zu bestehlen. Als sein Vater im Rahmen eines Auftrags nach München reist, nutzt Boris seine Chance: Er bricht aus der behüteten Existenz aus und taucht ein in die mysteriöse Welt der Schatten ...

So beginnt der erste »Shadowrun«-Roman aus der Feder Boris Kochs, von dem ich bislang nur seine hervorragenden Kurzgeschichten kannte, die größtenteils in Kleinverlagspublikationen der Gattung »klein, aber fein« erschienen sind. Dass der in Berlin lebende Autor schreiben kann, war mir von daher aber bewusst; wie gut er auf der Länge eines Romans zu erzählen weiß, habe ich erst jetzt erfahren.

Wobei sein Erstlingsroman, der den pikanten Titel »Der Schattenlehrling« trägt, streckenweise ganz schön derb ist. Das München der Zukunft, das Boris Koch schildert, erweist sich nicht gerade als eine nette Stadt, und die Sitten der »Runner« sind rau und teilweise gewalttätig.

Die Clique, mit der sich Boris - der irgendwann Wetboy genannt wird - anfreundet, bestehet eher aus großspurigen und nicht sonderlich erfolgreichen Leuten. Das aber weiß der Junge erst mal nicht, und er weiß ebensowenig, dass sich bereits irgendwelche Dunkelmänner auf seine Spur gesetzt haben: Mit den Creditsticks seines Vaters, die er bei seiner Flucht mitgenommen hat, hat er nämlich auch einige wichtige Geheimnisse gestohlen. Für diese Geheimnisse gehen manche Leute buchstäblich über Leichen ...

Zum München der Zukunft gehört unter anderem eine fiese Arena namens »Monstroseum«, in der Gladiatorenkämpfe ausgetragen werden, ebenso einige derbe Bösewichte, die ihre Opfer gern zu Tode foltern. Das »Shadowrun«-Universum wird ohnehin gern als eine düstere Sicht auf die Zukunft interpretiert, und »Der Schattenlehrling« passt sehr gut in diese Sicht hinein: Die Zukunft ist nicht unbedingt fröhlich, sondern sie besteht zu einem weiten Teil aus Verbrechen und Gemeinheit, aus einem monströsen Kapitalismus, der mit einigen Hightech-Spielereien angereichert wird.

Boris Kochs Erstlingsroman ist im Prinzip eine klassische Pubertätsgeschichte: Ein Jugendlicher möchte die Welt entdecken und vertraut sich der Gefahr an. Bei Kochs jugendlichen Helden geht einiges schief, und das schildert der Autor anschaulich und spannend. Manchmal mag die Charakterisierung ein bisschen eingleisig sein, meist aber verhalten sich seine Figuren überzeugend und nachvollziehbar.

Wer sich an einer etwas härteren Sprache und derben Szenen nicht stört, wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen; ruhigere Gemüter sind vielleicht nicht die ideale Zielgruppe. Wer aber mal lesen will, wie sich ein deutschsprachiger Autor die Zukunft eines Teils seines Heimatlandes vorstellt, sollte sich »Der Schattenlehrling« anschauen - in meinen Augen ein wichtiges Stück zeitgenössischer Science Fiction.

Für »Shadowrun«-Fans übrigens darüber hinaus interessant: Der Roman spielt in der vierten Edition der Serie; er ist der erste, der nach einem Fünf-Jahres-Sprung der zuletzt dokumentierten Ereignisse spielt. Deshalb enthält der Roman ein erläuterndes Nachwort, das auf einige Neuerungen des Spieles eingeht. Für Nicht-Fans dürfte das nicht so spannend sein; sie verstehen den Roman aufgrund der eindeutigen Sprache und der teilweise rasanten Handlung ohnehin problemlos.

Wer mal in das Buch hineinschnuppern mag, kann dies mit Hilfe einer  Leseprobe tun. Die gibt es auf der Homepage des Verlags, bei  Fantasy Productions also. Der Roman umfasst 300 Seiten und kostet neun Euro; zu beziehen ist er mit Hilfe der ISBN 978-3-89064-482-0 in jeder Buchhandlung oder eben über Versender wie amazon.de

 Klaus N. Frick