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Kurzinfo
Brutwelt Terra
von Volker Krämer






26. September 2007

Klaus N. Frick empfiehlt:
In den Tiefen der Erde

 
Einen ungewöhnlichen Hintergrund wählt Volker Krämer für seinen Roman »Brutwelt: Terra«: Er spielt im Ruhrgebiet, genauer gesagt, in einer alten Zeche und ihrer Umgebung. Es ist selten genug, dass Romane des fantastischen Genres in einem solchen Setting spielen - und der Autor schafft auch prompt das Kunststück, die Handlung so lebensecht zu gestalten, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.

Doch der Reihe nach: Innerhalb der Buchreihe »Professor Zamorra«, die die Heftroman-Abenteuer des »Meisters des Übersinnlichen« aus dem Bastei-Lübbe-Verlag durch schicke Hardcover des Zaubermond-Verlags ergänzt, erschienen in den letzten Jahren bald zwei Dutzend Romane. Hier zeigt eine bunt gemischte Autorenriege immer wieder, dass das »Zamorra«-Universum dank seiner manchmal kruden Mischung aus Horror, Fantasy, Science Fiction und Abenteuer zahlreiche Überraschungen für seine Leser bereithält. Nicht nur einmal wurden Leser, die sonst nicht so viel von »Zamorra« halten mögen, positiv überrascht.

So auch in »Brutwelt: Terra«: Der Professor selbst spielt nur am Anfang eine Rolle und taucht gelegentlich als Statist am Telefon auf. Diesmal entdeckt seine Partnerin, die Französin Nicole Duval, ihre deutschen Wurzeln und reist ins Ruhrgebiet; sie ist aber auch nicht die wichtigste Person des Romans. Der freie Autor und Übersetzer Arne Ritter - der Leser mag spekulieren, wieviel in dieser Figur in Wirklichkeit der Autor des Romans ist - setzt sich auf ein Rätsel der nahen Ruhrgebiets-Vergangenheit, und Nicole Duval wird gegen ihren Willen in ein unheimliches Geschehen verwickelt.

Bei einem Grubenunglück in den fünfziger Jahren kam es nämlich zu einer seltsamen Rettungsaktion, durch die drei Bergleute überlebten. Ihre Kameraden blieben alle in der Grube, und ihre Leichen wurden auch nie geborgen; seither gilt das Gelände als unheimlich, fast schon als verhext. Erst die Recherchen Arne Ritters machen das Geschehen, das mehr als fünfzig Jahre zurückliegt, wieder lebendig - und dann gibt es packende Action, gruselige Erkundungen und vor allem ein Geheimnis, das ein wenig an einen klassischen Science-Fiction-Film erinnert, dessen Titel hier zu viel verraten würde.

Volker Krämer ist das Kunststück gelungen, eine Mischung aus Kriminalroman und Ruhrgebiets-Lokalroman zu schreiben, in die sich immer stärker Elemente aus Horror und Science Fiction hineinmengen. Der »Zamorra«-Kosmos bleibt weitestgehend außen vor, so dass sich der Roman problemlos ohne Vorkenntnisse lesen lässt.

Nachvollziehbar handelnde Charaktere und die extrem glaubwürdig klingende Beschreibung der Zechen-Atmosphäre - hier kennt sich der Autor eindeutig aus, wie er auch im Nachwort schreibt - machen »Brutwelt: Terra« zu einem packenden Lesegenuss. Ein »Zamorra«-Roman, den ich jedem ans Herz legen kann, und ein Werk, das zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, Serienromane in Deutschland spielen zu lassen. Sehr schön!

Der Roman ist im  Zaubermond-Verlag erschienen, der nicht über den Buchhandel ausliefert. Bestellungen des 256 Seiten umfassenden Hardcovers sind also nur direkt über die Homepage des Verlags sowie diverse Versandhändler möglich.

 Klaus N. Frick