10. Oktober 2007
Die mysteriöse Kämpferin Marlysa reist durch die Länder ihrer Heimatwelt, angetrieben von einer Mission, die sich dem Leser nicht erschließt. Sie trägt eine Maske, die einen großen Teil ihres Gesichtes bedeckt: ein Mysterium nicht nur für den Leser, sondern auch für die Menschen in ihrer Umgebung, denn Marlysa ist ansonsten eine sehr attraktive Frau, die ihre körperlichen Vorzüge immer wieder gut ins Bild rückt.
Die ersten fünf Bände der Serie »Marlysa«, die der Texter Jean-Charles Gaudin und der Zeichner Jean-Pierre Danard entwickelt haben, erschienen als Comic-Alben im Carlsen-Verlag. Nachdem dieser die Reihe einstellte, wird sie nach längerer Pause von
Splitter fortgeführt - natürlich in gewohnt hervorragender Hardcover-Optik und -Ausstattung. Das hat die Serie tatsächlich verdient: Grafisch gehört »Marlysa« zu den französischen Edelserien, die mit perfekt gezeichneten Action-Szenen, großartigen Landschaftsbildern und einem Sinn für fantastische Details aufwarten.
Auch inhaltlich zeigt sich »Marlysa« von einer überzeugenden Seite. Das beweist bereits Band 6, der unter dem Titel »Die Lebensfrau« erschienen ist: eine Fantasy-Geschichte nicht ohne originelle Wendungen, die man vor allem ohne jegliche Vorkenntnisse verstehen kann.
In diesem Abenteuer rettet Marlysa eine alte Frau vor Angreifern. Bei der gemeinsamen Weiterreise stellt sie fest, dass die Alte auf wundersame Weise immer jünger wird - und dass bewaffnete Reiter sie verfolgen. Der Grund dafür ist, dass die mysteriöse Frau in Wirklichkeit ein magisches Wesen ist, die sogenannte Lebensfrau, die nach ihrem Auftauchen in der Welt genau sechs Tage lebt, in denen sie immer jünger wird. Am sechsten Tag muss Marlysa sie als Säugling einem Wasserfall übergeben, damit Frieden über das Land kommt - aber der bösartige Graf von Arkon, Herr dieser Region, ist dagegen ...
Die Fortsetzung im siebten Band - Titel »Der Waltras« - eröffnet einen aus zwei Bänden bestehenden kleinen Zyklus, in dem Marlysa in die Intrigen von Herrschern hineingezogen wird. Es geht darum, einen magischen Dolch zu stehlen, der nur von Frauen berührt werden kann und der seinem Besitzer große Macht bringen wird. Ein ziemlich actionlastiges Abenteuer beginnt, in dessen Verlauf vor allem verschiedene Gruppierungen von Amazonen für zusätzliche Spannung sorgen.
Als echtes Highlight in diesem Band erweist sich übrigens die »große Achse«, eine augenzwinkernd geschilderte Umsetzung der Autobahn in ein Fantasy-Szenario - sehr lustig! Gleichzeitig ist diese »große Achse« ein Beispiel dafür, wie bei »Marlysa« erzählt wird. Es gibt Tote und Verletzte, und die Geschichten sind durchaus mal derb; gleichzeitig herrscht ein ironischer Grundton vor, der die Lektüre sehr unterhaltsam macht. Eine Prise Erotik wird ebenfalls ins Geschehen gemischt.
Die zwei Alben überzeugen und machen neugierig auf die Fortsetzung. Wer eine Ansammlung von skurrilen Charakteren in einer bunten Fantasy-Landschaft bei ihren Abenteuern beobachten mag, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Ein Tipp für den Fantasy-Herbst!
»Die Lebensfrau« ist unter der ISBN 978-3-939823-28-5 in jeder Buchhandlung zu bestellen, selbstverständlich auch über Versender wie amazon.de. »Die Waltras« gibt es unter der ISBN 978-3-939823-30-8 bei denselben Quellen. Beide Bücher umfassen je 48 Seiten und kosten jeweils 12,80 Euro.
Klaus N. Frick