19. Dezember 2007
Mit seinem ersten eigenständigen Science-Fiction-Roman, der »Phase 1« seiner »Alien Earth«-Trilogie, sorgte
Frank Borsch im letzten Jahr in der deutschsprachigen SF-Szene für Aufsehen: Selten war es einem heimischen Schriftsteller gelungen, ein derart überzeugendes Bild einer nahen Zukunft zu schildern und das ganze auch noch mit einer spannenden Handlung und einem großen Geheimnis zu verknüpfen. Jetzt liegt mit »Phase 2« die Fortsetzung vor, und diese erfüllt alle Erwartungen, die man als Leser in das Buch gesetzt hat.
Kurze Rekapitulation der Handlung: Seit dem Jahr 2058 schwebt ein außerirdisches Raumschiff im Erdorbit. Die Fremden reagieren nicht auf Anfragen von der Erde, lassen aber seltsame Artefakte abregnen. Währenddessen breitet sich auf der Erde die Hysterie wegen der Unbekannten immer weiter aus, was das herrschende Chaos vergrößert. Und sieben Jahre später materialisieren zwei Millionen Aliens in den Bewusstseinen von Menschen ...
Soweit die Vorgeschichte zu diesem Roman, in dem das bisherige Geschehen fortgesetzt wird. Wie schon in »Phase 1«, so schildert
Frank Borsch in »Phase 2« die Handlung aus mehreren Perspektiven, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben. Dabei führt er die bereits bekannten Figuren fort, allerdings teilweise mit geänderten Namen - immerhin hat sich ihre Existenz durch die zuletzt geschilderten Vorgänge verändert.
So zeigt der Roman das Leben von Menschen, die bereits in engeren Kontakt mit den Aliens getreten sind, die entweder ihre Aufträge befolgen oder die in der mysteriösen Stadt auf dem Meeresgrund überleben können. Ebenso schildert er, wie ein Strafgefangener in einer unterseeischen Anlage um sein Überlegen kämpft, wie Techniker und Wissenschaftler gemeinsam an einem gigantischen Fusionsreaktor arbeiten und wie sich langsam der Schleier des Geheimnisses um die Herkunft der Aliens lüftet.
Es fällt mir zugegebenermaßen schwer, zu diesem Roman eine brauchbare Inhaltsangabe zu schreiben, so viele interessante Details fährt
Frank Borsch auf. Gerade diese Details haben mich bei der Lektüre stark gefesselt, sie erreichen oft den Rang eigener Geschichten. So erfährt der Leser ganz nebenbei, welches Schicksal die GenMods haben, sogenannte genmodifizierte Wesen, die für alle Zwecke eingesetzt werden können, oder welche Art von Wald im heutigen Rheinland-Pfalz wächst. In diesen Details zeigt sich
Frank Borschs visionäres Talent, seine Gabe, eine glaubhafte Welt in naher Zukunft zu schildern, die mich - wenn überhaupt - immer wieder an John Brunners Meisterwerk »Morgenwelt« erinnert.
Im Prinzip läuft der Roman auf zwei Ebenen ab: Auf der einen zeigt der Schriftsteller seine Sicht der Zukunft, die nicht eben positiv ist. Seine Welt des Jahres 2065 ist eine Erde, die nach zahlreichen Kriegen um Rohstoffreserven in einem wesentlich schlimmeren Zustand ist als heute, auf der sich aber die Menschen immer noch eisern ans Leben klammern. Und auf der anderen Handlungsebene gibt es die Außerirdischen sowie der sich entwickelnde Kontakt zwischen Aliens und Menschen, der mit teilweise fürchterlichen Konflikten verläuft.
Ich fand den Roman imponierend. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit, die ich brauchte, um mich wieder an die Figuren aus dem ersten Band zu erinnern, war ich geradezu gefesselt und konnte die Lektüre nicht mehr unterbrechen. Und als ich das Buch zuschlug, war ich fast enttäuscht: Es sind noch viele Fragen offen, und jetzt interessiert mich selbstverständlich brennend, wie es im dritten Band weitergeht. Glücklicherweise ist es bis zu dessen Erscheinen nicht mehr so lange hin.
Ein Science-Fiction-Roman, den ich jedem Freund des Genres empfehlen kann, im übrigen auch solchen Lesern, die ansonsten eher kein Interesse an sogenannter Zukunftsliteratur haben! Der Roman ist im Heyne-Verlag erschienen, umfasst 452 Seiten und kostet 8,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-453-52251-0 kann er in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie amazon.de.
Klaus N. Frick