30. Januar 2008
Seit der
Splitter-Verlag vor über einem Jahr neu gegründet worden ist, sind mehrere Dutzend neuer Comics auf den Markt gekommen, die sich durch verschiedene Gemeinsamkeiten auszeichnen: Bei allen Büchern handelt es sich um wunderbare Hardcover-Alben, die sehr gut gedruckt und gestaltet sind.
Auch inhaltlich geht die Splitter-Mannschaft um den PERRY RHODAN-Zeichner
Dirk Schulz den richtigen Weg: Textlich wie zeichnerisch sind die Alben auf hohem Niveau angesiedelt. Vor allem aus dem frankobelgischen Raum konnten zahlreiche Comics lizenziert werden, über die sich nun der deutschsprachige Leser freuen darf.
Grund genug, in dieser Woche mal wieder Splitter-Comics vorzustellen. Jeden Tag präsentieren wir euch einen »Splitter-Tipp«, um euch auf einige der aktuellen Comics des Verlages hinzuweisen.
Generell lohnt sich jedoch, in der Comic-Buchhandlung zu stöbern oder die Splitter-Homepage durchzuschauen ...
Fantastische IndianerFür seine fantasievollen Comic-Welten ist der in Belgien geborene Texter Didier Crisse seit langem bekannt; hierzulande erschienen unter anderem schon vor über einem Jahrzehnt »Das Kristallschwert«. Zuletzt kamen »Ishanti« und »Canari« auf den Markt. Für die Serie »Luuna« arbeitet der Texter jetzt mit dem jungen Franzosen Nicolas Keramidas zusammen - und dessen ausgefallener Zeichenstil prägt auch das Gesamtbild des fünfteiligen Comic-Zyklus. Jetzt ist mit »Die Nacht des Totems« der erste Teil des Zyklus erschienen.
Erzählt wird die Geschichte der jungen Indianerin Luuna, die dem Stamm der Paumanoks angehört. Diese leben im Wald und sind in der Lage, mit Göttern und Naturgeistern zu sprechen; sie wirken somit gewissermaßen zwischen den Welten. Als Luuna in der Nacht aufbricht, um ihr Totem zu erwerben, trifft sie auf einen Nachtgeist - danach ist sie verflucht und muss versuchen, das Verhängnis von sich selbst und ihrem Stamm abzuwenden. Erschwert wird ihre Lage dadurch, dass sich »finstere« Indianer auf ihre Spur setzen ...
Die Geschichte ist Fantasy reinsten Wassers, ausnahmsweise aber ohne keltisch-germanische Wurzeln und nicht mit Schwertern und Magie. Crisse siedelt seine Story in einem fiktiven Nordamerika an, in dem es von Geistern und Göttern geradezu wimmelt und die Indianer in Einheit mit der Natur leben. Von Europäern, Schusswaffen oder moderner Technik ist nichts zu sehen, Probleme gibt es dennoch zuhauf.
Die Zeichenkunst des Nicolas Keramidas unterstreicht dies besonders: Der Franzose liefert beeindruckende Darstellungen von Wald und Natur, seine Comic-Figuren sind gewollt verzerrt und halten die Balance zwischen Fantasy und Funny; für humoristische Effekte sorgen etwa drei kleine Naturgeister, die er mit weit geöffneten Mündern und wilden Grimassen darstellt. Alles in allem ist »Luuna« somit ein sehr eigenständiger Comic, der wohl für manche Leser gewöhnungsbedürftig sein dürfte.
Glücklicherweise gibt es auf der Homepage des
Splitter-Verlages eine
Leseprobe, die es ermöglicht, die ersten zehn Seiten des Comics anzuschauen - so kann jeder selbst beurteilen, ob ihm der Stil gefällt. Ich mag ihn, weil er so eigenständig ist, und lege den Comic den Fantasy-Fans ans Herz. Das Album hat 48 Seiten Umfang, kostet 12,80 Euro und ist mit Hilfe der ISBN 978-3-939823-80-3 in jeder Buchhandlung oder über Versender wie amazon.de zu bestellen.
Klaus N. Frick