27. Februar 2008
Letzte Woche hat mich ein Magen-Darm-Infekt dazu genötigt zu Hause zu bleiben. Das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist bei Krankheiten ohne Kopfweh und so, dass man lesen, lesen und lesen kann. (Das Fernsehprogramm hält mittags ja niemand aus!).
Mit meiner Sehnenscheiden-Entzündung war es die Tetralogie »Otherland« von Tad Williams, dieses mal waren es »Die Glasbücher der Traumfresser« von Gordon Dahlquist. Das Buch wurde mir auf der Frankfurter Buchmesse 2007 von Urban Hofstetter empfohlen, der bei Blanvalet das Buch betreut hat. Nachdem ich auf der Messe immer mal wieder Leute hörte, die sich über das Buch unterhielten und es empfahlen, musste ich es natürlich auch lesen ... irgendwann.
Als bibliophiler Mensch hat mich das Buch natürlich sofort angesprochen: 10 schmale Einzelbände stecken in einer recht stabilen Schmuckkassette. Die Büchlein sind liebevoll gestaltet und erinnern an: Heftromane! Da das Gesamtwerk fast 900 Seiten umfasst, ist es für den Leser sehr praktisch, nicht einen dicken Wälzer lesen zu müssen, der die Arme lahm mach. Die Einzel-Bände passen hervorragend in eine Tasche zum unterwegs lesen, wenn man nicht gerade krank zu Hause liegt.
Jeder Band begleitet einen von drei Protagonisten bzw. alle drei zusammen durch das viktorianische England: Da wäre Miss Temple, eine Tochter aus reichem Haus, die ihre 25 Lebensjahre auf einer karibischen Insel verbracht hat. Die Verlobung von Miss Temple wurde gerade von ihrem Zukünftigen aufgelöst, was die Dame überhaupt nicht gut findet. Sie verfolgt ihn heimlich auf einen sehr mysteriösen Ball, weitab von London, und muss dieses Nachspionieren fast mit dem Tode bezahlt. Zum anderen hätten wir da Kardinal Chang, der weder Geistlicher noch Chinese ist. Chang ist ein Auftragsmörder, dessen Opfer auf eben jenem mysteriösen Ball von einem Unbekannten erledigt wird. Und zum Schluss ist da noch Doktor Svenson, der seinen Zögling, den mecklenburgischen Prinzen, nach London begleitet, wo sich dieser mit der reichsten Dame von England verlobt auf eben jenem mysteriösen Ball.
Die drei so unterschiedlichen Personen treffen unvermutet zusammen und sehen sich einer Verschwörung gegenüber, die weder vor Folter, Mord und dem Raub von Träumen zurückschreckt. Das Königreich, nein, die ganze Welt ist bedroht! Die Gegner sind ebenso skrupellos wie intelligent und doch schaffen es die drei, zum Teil jeder für sich aber auch zusammen, die Machenschaften der Clique ins Wanken zu bringen.
»Die Glasbücher der Traumfresser« ist ein äußerst spannender, actionreicher und intelligenter Science Fiction-Roman. Der Autor Dahlquist füttert den Leser mit wohlproportionierten Puzzlestückchen, um das Rätsel der blauen Glasbücher zu lösen. Zuerst noch komplett unverständlich und verwirrend, offenbart sich immer mehr die Unfassbarkeit des Vorhabens der Clique.
Fazit: Unbedingt lesenswert!
Kleiner Kritikpunkt: Ich mag es nicht, wenn Titel nicht zu den Büchern passen, auf deren Cover sie stehen. Nach meinem Verständnis des Buches werden keine Träume sondern Erinnerungen in die Glasbücher gepackt. Aber Dreamcatcher/Traumfresser klingt wahrscheinlich einfach besser wie Erinnerungsfresser.
Zum Buch hat Blanvalet sich eine tolle Homepage geleistet mit einem netten Intro und vielen Infos zum Buch und den Protagonisten. Zu finden ist sie unter
www.gordon-dahlquist.de. Auf der
Verlags-Seite gibt es zusätzlich eine 43-seitige Leseprobe mit der man hervorragend in das Buch reinschnuppern kann.
Miriam Hofheinz