4. April 2008
Wieder einmal bieten wir auf der PERRY RHODAN-Homepage eine Woche der Krimi-Tipps an - das heißt, dass wir Euch jeden Tag einen Roman vorstellen, der originell und spannend ist und der auch einen Science-Fiction-Fan interessieren dürfte. Dabei ist die Vielfalt groß: Vom italienisch-literarischen Autor Camilleri über einen Jugend-Krimi und einen Thriller reicht die Runde diesmal bis hin zu einem Krimi, der in Amsterdam spielt, und zu einem Regionalkrimi mit Phantastik-Touch. Wir versprechen: Das lohnt sich!
Mord zwischen WeinbergenDie Region zwischen Neustadt an der Weinstraße und der französischen Grenze wird gemeinhin als Südpfalz bezeichnet; normalerweise kennt die Region außerhalb des süddeutschen Raumes so gut wie niemand. Vorherrschend in der Region ist die Landwirtschaft, vor allem wird hier viel Wein unterschiedlichster Qualität angebaut. Und normalerweise gilt die Gegend als verschlafen und ruhig.
Trotzdem passiert hier ein grausiger Mord - zumindest in dem Roman »Der Rebenwolf« des Autorenpaars Jens Lossau und Jens Schumacher. In einem Weinberg zwischen Neustadt und Landau wird eine junge Frau umgebracht und fürchterlich verstümmelt. Die Entstellungen sind so schlimm, dass recht schnell die Vermutung aufkommt, nicht ein Mensch käme als Täter in die Frage, sondern eine mythische Figur: Steckt etwa doch etwas hinter der uralten Sage, dass immer wieder der Rebenwolf in den Vollmondnächten durch die Weinberge streift, um seine menschliche Beute zu reißen?
Tillmann Grosch und Frank Passfeller, zwei Sonderkommissare des Bundeskriminalamtes, die auf außergewöhnliche Fälle spezialisiert sind, fahren in die Südpfalz und ermitteln in ihrer sehr eigenen Art. Recht schnell stellen sie fest, dass in dem Dorf Kottler einiges nicht stimmt, dass es zwischen zwei alteingesessenen Familien zudem Konflikte gibt, die Jahrhunderte in die Vergangenheit reichen ...
Mit den Sonderkommissaren Grosch und Passfeller haben die Autoren Jens Lossau und Jens Schumacher ein extrem unterhaltsames Gespann erfunden, das schon in zwei weiteren Romanen zu Krimi-Ehren kam. Die Dialoge der unterschiedlichen Polizisten und ihre privaten Probleme sind sarkastisch und ironisch; sie brachten mich bei der Lektüre immer wieder zum Grinsen.
Auch die Art und Weise, wie sie ihren Fall letztlich lösen, ist nicht gerade konventionell: Während Grosch mehr in der Kneipe sitzt, um mit den Bauern viel Wein zu trinken, ärgert sich Passfeller mit der Polizei oder der Bibliothek herum. Zeitweise fragt man sich als Leser, ob die dumpf-blöde Landbevölkerung jetzt schlimmer ist oder die zwei Polizisten.
Dabei ist der Roman keine durchgehende Groteske, wenngleich es nicht an schrillen Szenen fehlt. Die Schilderung des Dorfmilieus überzeugt bei aller satirischen Überzeichnung, und als Leser gruselt man sich manchmal sogar ein wenig, wenn die nächtlichen Weinberge und die darin hausenden »Monster« geschildert werden.
Angesichts der Flut von Regionalkrimis mag man als Leser an den »Rebenwolf« durchaus mit einigem Argwohn herangehen - mit einem typischen Regionalkrimi hat das ganze aber nichts zu tun. Zwar sind der Weinbau und die Pfälzer Bauern wirklich handlungstragend, doch funktioniert der Krimi auch so, und man wird als »Auswärtiger« viel Freude an der Handlung haben. Einen gewissen Sinn für augenzwinkernden Krimi-Humor sollte man als Leser allerdings mitbringen.
»Der Rebenwolf« ist als Hardcover im
Agiro-Verlag erscheinen, umfasst 256 Seiten und kostet 19,90 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-934769-83-0 kann der Roman in jeder Buchhandlung bestellt werden; selbstverständlich gibt es ihn auch bei Versendern wie amazon.de.
Klaus N. Frick