6. Mai 2008
Will man streng nach Schablonen vorgehen, hat sich der Comic-Markt in drei Formate aufgegliedert: das Album (und sein Ableger, das großformatige Hardcover), das amerikanische Format (deutlich kleiner, als Heft und als Paperback) und das Taschenbuch (meist Mangas und artverwandte Produkte).
Der klassische Science-Fiction- und Fantasy-Leser greift nach wie vor nach Alben, sowohl in der Soft- als auch in der Hardcover-Form. Die schon seit Jahrzehnten aktiven Verlage
Carlsen und
Ehapa steuern einen großen Teil zu diesem Markt bei, in den letzten 15 Monaten kam noch der
Splitter-Verlag mit seinen herausragenden Comic-Produktionen hinzu.
Selbstverständlich gibt es im Manga-Bereich genügend »fantastische Stoffe«, die teilweise sehr gut umgesetzt werden. Ich gestehe, mich damit nicht auszukennen, weshalb ich diesen Bereich eher links liegen lasse.
Anders ist es mit den Comics im amerikanischen Format. In den 80er Jahren wurden diese Comics noch auf die in Mitteleuropa üblichen Formate umgebaut, also entweder aufs Album-Format »aufgeblasen« oder auf Taschenbuch-Größe reduziert; in den 90er Jahren brachten Importeure die amerikanischen Original-Hefte endlich zu brauchbaren Preisen auf den Markt, und gegen Ende des Jahrzehnts hatten wir eine wahre Schwemme an Superhelden-Heften für den deutschen Markt.
Das ist seit einiger Zeit vorüber, doch nach wie vor erscheinen hochklassige Comics im deutschsprachigen Raum, die aus dem Amerikanischen übersetzt wurden. Und in dieser Woche präsentieren wir jeden Tag einen anderen Ami-Comic, den wir euch ans Herz legen wollen!
»Strange« Jugendliche
Jugendliche, die in der Pubertät stecken, haben meist Probleme: Sie fühlen sich häufig unsicher, haben das Gefühl, nicht recht zur Gesellschaft zu gehören, und stellen fest, dass das andere Geschlecht viel komplizierter ist, als sie im voraus dachten. Das hat so gut wie jeder selbst mit erlebt. Die amerikanische Comic-Reihe »Demo« erzählte in den Jahren 2002 und 2003 Geschichten von Jugendlichen in der Pubertät: Die zwölf Hefte publizierte nun der deutsche
Eidalon-Verlag in seiner Reihe »Modern Tales« in zwei schönen Taschenbüchern.
Wobei sich die Jugendlichen in »Demo« grundsätzlich von normalen Pubertierenden unterscheiden: Sie haben besondere Kräfte, sind im Prinzip also Superhelden im frühesten Stadium. Und sie müssen lernen, mit ihren unheimlichen Fähigkeiten zu einer Zeit klarzukommen, wo sie eigentlich mit der Pubertät und allem, was damit zusammenhängt, genug zu tun haben.
Entwickelt wurde »Demo« von Brian Wood, der sich einen Namen als Grafik-Designer für Computerspiele und als Comic-Autor machen konnte. Er arbeitete mit der jungen Zeichnerin Becky Cloonan zusammen, die dem jugendlichen Alter selbst noch nicht lange entronnen war. Die lakonischen Texte, die tief in die Gefühlswelt junger Leute eindringen, verbinden sich mit klaren Schwarzweiß-Zeichnungen, die zudem innerhalb jeder Comic-Story einen eigenen künstlerischen Schwerpunkt bilden.
Ganz nebenbei verraten sowohl die Texte als auch die Zeichnungen viel über das Leben in den Vereinigten Staaten. Das Dasein von Jugendlichen auf dem Land oder in der Stadt, die Einöde langweiliger Vororte oder die Arbeit in einer Fabrik - das alles thematisieren die zwei Künstler in »Demo« in beeindruckenden Comic-Kurzgeschichten. Ich fand die Stories absolut beeindruckend, sie sind Comic-Literatur im wahrsten Sinne und dürften vor allem solche Leser ansprechen, die ansonsten mit Superhelden und anderem nichts anfangen können und eher für europäische Autoren-Comics schwärmen.
Weitere Informationen zu den Künstlern gibt es im Internet. Wer mehr über die Zeichnerin wissen will, gehe auf ihre
Homepage; auch Brian Wood besitzt eine eigene
Internet-Präsenz. Auf der Homepage des Eidalon-Verlages gibt es darüber hinaus eine
Leseprobe. Und im gedruckten Paperback präsentiert die deutschsprachige Ausgabe zudem zahlreiche Skizzen und Kommentare.
Der erste Band von »Demo« ist mit Hilfe der ISBN 978-3-939585-00-8 überall im Buchhandel erhältlich; Versender wie Amazon.de führen den 184 Seiten starken Comic-Band selbstverständlich ebenfalls. Das Werk kostet 15,90 Euro. Der zweite Band umfasst nur 176 Seiten und kostet 14,90 Euro; seine ISBN ist: 978-3-939585-01-5.
Klaus N. Frick