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Kurzinfo
 »Criminal - Feigling«
von Ed Brubaker; Zeichner: Sean Phillips
ISBN: 9783866075702






8. Mai 2008

Klaus N. Frick empfiehlt:
Die Woche der Ami-Comics (Teil 4)

 
Will man streng nach Schablonen vorgehen, hat sich der Comic-Markt in drei Formate aufgegliedert: das Album (und sein Ableger, das großformatige Hardcover), das amerikanische Format (deutlich kleiner, als Heft und als Paperback) und das Taschenbuch (meist Mangas und artverwandte Produkte).

Der klassische Science-Fiction- und Fantasy-Leser greift nach wie vor nach Alben, sowohl in der Soft- als auch in der Hardcover-Form. Die schon seit Jahrzehnten aktiven Verlage  Carlsen und  Ehapa steuern einen großen Teil zu diesem Markt bei, in den letzten 15 Monaten kam noch der  Splitter-Verlag mit seinen herausragenden Comic-Produktionen hinzu.

Selbstverständlich gibt es im Manga-Bereich genügend »fantastische Stoffe«, die teilweise sehr gut umgesetzt werden. Ich gestehe, mich damit nicht auszukennen, weshalb ich diesen Bereich eher links liegen lasse.

Anders ist es mit den Comics im amerikanischen Format. In den 80er Jahren wurden diese Comics noch auf die in Mitteleuropa üblichen Formate umgebaut, also entweder aufs Album-Format »aufgeblasen« oder auf Taschenbuch-Größe reduziert; in den 90er Jahren brachten Importeure die amerikanischen Original-Hefte endlich zu brauchbaren Preisen auf den Markt, und gegen Ende des Jahrzehnts hatten wir eine wahre Schwemme an Superhelden-Heften für den deutschen Markt.

Das ist seit einiger Zeit vorüber, doch nach wie vor erscheinen hochklassige Comics im deutschsprachigen Raum, die aus dem Amerikanischen übersetzt wurden. Und in dieser Woche präsentieren wir jeden Tag einen anderen Ami-Comic, den wir euch ans Herz legen wollen!

Bester Comic-Krimi seit langem

Der  Panini-Verlag, den Comic-Fans sonst eher für die verschiedenen Adaptionen amerikanischer Superhelden-Comics bekannt, setzt mit »Criminal« auf eine neue Richtung: Die amerikanische Krimi-Serie erscheint jetzt auch in Deutschland, der Band »Feigling« ist der erste - und er setzt gleich den richtigen Akzent.

Held der Geschichte ist kein knallharter Polizist und ebensowenig ein ausgefuchster Mafia-Killer, sondern ein unwichtiger Taschendieb namens Leo. Dieser ist eigentlich ziemlich schlau, weil er es versteht, ständig neue Menschen zu bestehlen, aber er gilt gleichzeitig als absolut feige: Er hält sich bei »großen Aktionen« raus, hasst Schusswaffen und ist bekannt dafür, dass er immer entkommt, wenn es brenzlig wird.

Trotzdem lässt er sich auf einen Raubüberfall ein - weil er dazu in gewisser Weise gezwungen wird. Auf einmal hat Leo nicht nur korrupte Polizisten und schießwütige Gangster auf seinen Fersen, sondern muss sich auch noch mit einer drogensüchtigen Frau als auch einem an Alzheimer erkrankten Ex-Kriminellen herumschlagen. Das kann nicht gut gehen, und als sich Leo endlich entscheidet, sich aus seiner Misere zu befreien, ist es schon fast zu spät.

Der von Ed Brubaker geschriebene Comic »Feigling« ist nichts anderes als ein knallharter Krimi, abwechslungsreich und spannend, mit einer sich logisch entwickelnden Handlung und einigen ungewöhnlichen Wendungen. Klar zeichnet der Comic seine Figuren manchmal arg grob, wildert er zudem in den Klischees und Untiefen des klassischen »Noir«-Krimis. Wer dies aber als bewusste Verbeugung vor den Klassikern verstehen mag, wird es gut finden und sogar begrüßen.

Zudem passt es zum Comic. Der Zeichenstil des aus Großbritannien stammenden Sean Phillips ist nicht schreiend originell und setzt manchmal zu sehr auf eindeutige Perspektiven, trotzdem sind die Bilder eine gelungene Ergänzung zum Text und nicht nur eine Illustration.

Übrigens hat die neue Reihe »Criminal« in den USA den Eisner Award als »neue beste Serie 2007« erhalten. Angesichts der Tatsache, dass der Comic-Markt in den USA in erster Linie von den Superhelden beherrscht wird und die Kritiker auf der anderen Seite die eher autobiografischen Comics lieben, ist das eine echte Überraschung.

Und es ist ein Beleg dafür, dass »Criminal« viele Geschmäcker erreichen kann - mich hat der Comic durch seine rasante Erzählweise, die an moderne Kino-Thriller erinnert, geradezu beeindruckt. Für Jugendliche ist das nichts mehr, dieser Comic hat sich bewusst vom klassischen Jugend-Image amerikanischer Comics entfernt.

Das 128 Seiten starke Paperback, das mit einem schicken Klappumschlag ausgestattet ist, kostet 14,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-86607-570-2 sollte es in jeder Buch- und vor allem auch Comic-Handlung zu bestellen sein, ansonsten bieten sich natürlich Versender wie amazon.de an.

 Klaus N. Frick