8. August 2008

Die Redaktion empfiehlt:
Die Woche der Krimis-Tipps (Teil 5)

Fettsack
von Rex Miller
ISBN: 978-3937897301
Horror-Krimi und Krimi-Horror
Romane und Filme über Serienkiller erfreuen sich seit Jahren einer wachsenden Beliebtheit; viele Menschen gruseln sich offenbar gern angesichts der Vorstellung eines Mörders, der gleich mehrere Menschen hintereinander aus meist obskuren Motiven ermordet. Wie sehr das Genre mittlerweile in den »Mainstream« eingedrungen ist, sieht man unter anderem daran, dass sogar schon in Fernsehserien Serienkiller gejagt werden.

Vor rund 20 Jahren war das noch anders. Als der amerikanische Schriftsteller Rex Miller im Jahr 1987 seinen Roman »Slob« vorlegte, erregte er in der Szene tatsächlich Aufsehen: »Slob« bekam den Bram Stoker Award als bester Horror-Roman - wohl, weil man das Werk in die Gattung »Splatterpunk« einordnete, die Ende der 80er Jahre für eine Weile existierte - und wurde 1991 als Krimi-Taschenbuch in deutscher Sprache veröffentlicht. Im Frühsommer 2008 kam der Roman jetzt in einer komplett bearbeiteten Übersetzung erneut auf den Markt: ein schickes Paperback mit Klappenbroschur, verlegt von der kleinen, aber feinen Edition Phantasia.

Der Roman hat es auch tatsächlich verdient, neu und vor allem ansprechend publiziert zu werden - und das, obwohl er nicht jedermanns Geschmack sein kann. Zu derb ist er, zu heftig erzählt, gleichzeitig aber auch zu literarisch für manchen Leser, der schlichte Krimis oder Horror-Romane mag. Denn »Fettsack«, so der Titel der Neuauflage, ist die literarische Begegnung mit einem abgedrehten Massenmörder und dessen Geisteswelt, ist ein Blick ins Gesicht einer Bestie, die Menschen abschlachtet, ohne mit der Wimper zu zucken oder sich auch nur fünf Sekunden lang Gedanken über die Folgen ihrer Tat zu machen.

Der Held der Geschichte, die unglaublich dicke Killermaschine, ist 250 Kilogramm schwer: Daniel Bunkowski, ein als Kind missbrauchter Mensch, der in Vietnam im Namen des amerikanischen Systems zum Massenmörder an »kleinen Menschen« wurde, der in den 80er Jahren in den USA weiter Herzen aus noch warmen Körpern reißt, um sie zu essen. In Chicago nistet er sich in den Katakomben der Stadt ein, um von dort aus auf Beutezüge zu gehen.

Sein Gegenspieler ist Jack Eichord, ein durchschnittlicher Polizist, der zu viel trinkt, der aber ein gute Spürnase hat und sich - so viel sei verraten - in diesem Roman tatsächlich auch noch verliebt. Wie die beiden ungleichen Protagonisten irgendwann aufeinandertreffen und ihr Duell beginnen, das ist faszinierend zu lesen und so spannend, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte.

Dabei fasziniert an »Fettsack« nun wirklich nicht nur die Brutalität, ist es eben nicht das spritzende Blut, das einen bei der Stange hält. Man will als Leser irgendwann einmal wissen, wie ein Mensch zu einem solchen Monstrum werden konnte und wie der Polizist, den man nicht einmal mag, irgendwann hoffentlich den Killer erledigen wird. Der Sog dieses Buches, den ich mit dem Sog vergleiche, den James Ellroys heftige Krimis auf mich ausüben, lässt einen kaum los.

»Fettsack« ist keine leichte Lektüre, es ist ein Abstieg in Abgründe des menschlichen Lebens. Wer sich darauf einlässt, hat möglicherweise anschließend schlechte Träume. Aber er liest einen Krimi, den er sein Leben lang nicht vergisst.

Erschienen ist »Fettsack« in der Reihe Phantasia Crime; das Buch ist 269 Seiten stark und kostet 15,90 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-937897-30-1 kann es in jeder Buchhandlung bestellt werden; selbstverständlich auch über Versender wie amazon.de. Der Verlag liefert an Einzelbesteller auch selbst aus, und auf seiner Homepage findet sich eine packende Leseprobe.