1. Dezember 2008
Die Redaktion empfiehlt:
Unterhaltsame Abenteuer-Fantasy
Was passiert, wenn ein deutschsprachiger Autor im Jahr 2008 einen Roman publiziert, der im wesentlichen mit Elementen gängiger Fantasy-Literatur spielt und eine handfeste Abenteuer-Geschichte mit jugendlichem Helden enthält? Richtig: Der Verlag ergeht sich in Vorab-Lobeshymnen. Bernd Perplies, dessen Erstlingsroman »Tarean - Sohn des Fluchbringers« im Sommer diesen Jahres erschienen ist, wird auch prompt mit »Eragon« und »Der goldene Kompass« in eine Reihe gestellt; ob man damit dem Schriftsteller und seinem Werk gerecht wird, möchte ich dann doch anzweifeln.
Erstaunlicherweise fehlt der übliche Vergleich mit dem »Herrn der Ringe«, dabei wäre dieser in diesem Fall wirklich angemessen: Wir haben's nämlich mit einer »Quest« zu tun, der Reise einer Heldengruppe durch eine von feindlichen Mächten besetzte Welt, um das Böse zu schlagen und dem Guten zum Sieg zu verhelfen. Unterwegs gibt es ständige Anfeindungen, es kommt zu Schlachten und Kämpfen, allerlei Fabelwesen tauchen auf, und am Ende entwickelt sich alles zur finalen Begegnung zwischen dem Helden und dem Bösewicht.
Der 1977 geborene Bernd Perplies, den ich während des diesjährigen BuchmesseCons in Dreieich persönlich kennenlernte, ist ein sympathischer Mensch, zu dessen literarische Vorprägung neben Tolkiens »Ringe«-Epos auch viele Rollenspiele zählen. Das merkt man seinem Roman an, aber das stört überhaupt nicht: Der Autor liefert gleich in seinem Erstlingswerk ein unterhaltsames Garn ab, das für den Leser, der sich mit Fantasy seit Jahren und Jahrzehnten beschäftigt, zwar keine Neuerungen bietet, das aber für jüngere Leser - an die richtet sich der Roman - genügend Spaß und Spannung bieten dürfte.
Immerhin ist mit dem 17 Jahre alten Tarean ein gelungener Held vorhanden: Der Bursche ist tatkräftig und mutig, er kann mit dem Schwert umgehen, und er steckt in der Pubertät. Das heißt in dem Fall, dass er von jungen Frauen irritiert werden kann und ein ungeklärtes Verhältnis zu seinem bereits toten Vater hat. Dieser gilt nämlich als »Fluchbringer«, als der Mann, der in einer großen Schlacht der Auslöser dafür war, dass die finsteren Mächte unter Führung eines Hexenmeisters gegen die Menschen siegen konnten. Tarean will seinen Vater rächen, er will ihn von jeglicher Schuld befreien, und so zieht er aus, um den Hexenmeister anzugreifen.
Anfangs ist er allein, doch recht schnell wird sein Ein-Mann-Kreuzzug zum Abenteuer einer Heldengruppe: Ein Irrlicht - also eine kleine Elfe -, ein Werbär - also ein Mischwesen aus Bär und Mensch -, sowie eine junge, hübsche Albin begleiten ihn durch die Weiten seiner Heimatwelt. Wolfsmenschen, die sogenannten Grawls, und Flugdrachen bilden eine ständige Gefahr, doch die Freundschaft der Gefährten setzt sich immer wieder durch. Erst in der Festung des Hexenmeisters muss sich Tarean seiner schlimmsten Herausforderung stellen ...
Bernd Perplies' Geschichte hält sich nicht an zu vielen Details auf und verzichtet darauf, parallele Handlungsverläufe oder anderes einzubauen. Die Handlung ist geradlinig und wird unaufhörlich vorangetrieben; Leerlauf entsteht dabei nicht. Buchstäblich auf jeder Seite geschieht etwas, und praktisch jedes Kapitel enthält eine Action-Szene. Dabei ist der Autor nicht zimperlich, denn Blut spritzt ziemlich häufig; ausufernde Brutalität oder gar Folter-Szenen findet man allerdings nicht.
Alles in allem ist der erste Teil der »Tarean-Saga« gelungen; wer leichtgängige Fantasy mag, kommt hier auf seine Kosten. Gerade jugendliche Leser dürften sich für den jungen Helden und seine abwechslungsreichen Abenteuer begeistern. Ich selbst sehe mich ja durchaus als erfahrenen Leser, unterhielt mich aber ebenfalls sehr gut - verantwortlich dafür ist der Ideenreichtum des Autors, der aus bekannten Fantasy-Elementen immer wieder neue Figuren und Völker zaubert.
Fantasy, die Spaß macht und die ich von daher gerne empfehlen kann. Der Roman ist als schickes Paperback mit Klapp-Cover und schönem Umschlag bei der Fantasy-Tochter Lyx des Egmont-Verlags erschienen. Die 348 Seiten kosten 12,95 Euro; die ISBN lautet 978-3-8025-8180-9. Mit Hilfe dieser ISBN kann der Roman in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie amazon.de. Und wer schon mal ein bisschen reinlesen möchte, dem empfehle ich den Klick auf die Verlags-Homepage, wo eine Leseprobe wartet.




