27. April 2009
Die Redaktion empfiehlt:
Ein weiterer Blick in die SF-Geschichte
Durch seine Sachbücher über die deutsche Unterhaltungsliteratur ist Heinz J. Galle zumindest jenen Menschen bekannt geworden, die sich für diesen speziellen Literaturbereich interessieren. Mit »Wie die Science Fiction Deutschland eroberte« liegt jetzt ein Buch vor, in dem sich der Autor und Herausgeber daran erinnert, wie nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Verlage utopisch-phantastische Literatur publizierten.
Im einleitenden Text spricht Galle davon, dass er mit diesem Buch einen »weiteren Baustein« zu einem »Haus der Erinnerungen« beitragen wolle. Dabei sei ihm klar, dass er bei seiner Betrachtung der Science Fiction durchaus subjektiv sei: »Als Zeitgenosse und engagierter Leser will ich nicht die Fiktion aufrechterhalten, objektiv zu sein.« Sein Buch verstehe er selbst als »eine rein subjektive Reminiszenz auf die Jugendzeit der SF-Bewegung«, zudem auch als eine »nostalgische Rückschau auf gut zwei Jahrzehnte SF-Geschichte«.
Galle, der sein Sachbuch ausdrücklich als ein Lesebuch verstanden haben möchte, das man auch kapitelweise und »durcheinander« lesen kann, greift vor allem die fünfziger und sechziger Jahre auf. Er stellt dar, welche Art von Zukunftsliteratur man im Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg zu lesen bekam und wie schwer es die Science Fiction nach dem Krieg hatte, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. In weiteren Beiträgen geht er auf die Leihbüchereien ein, die es bis in die 70er Jahre gab, oder er stellt dar, wie die Science Fiction im Taschenbuch zu größerer Beliebtheit gelangte.
Selbstverständlich finden die Fans und ihre ersten Bemühungen ihren Raum in diesem Buch. Politische Auseinandersetzungen, der erste deutsche Con oder der Aufbau des Buchversandes »Transgalaxis«, all diese Dinge beleuchtet Galle sachkundig und unterhaltsam zugleich. Andere Beiträge widmen sich den SF-Magazinen oder den Filmen der 50er und 60er Jahre - vor allem dieser Beitrag ist recht subjektiv geraten.
Amüsant wird das Buch dann, wenn es die Obskuritäten der Science Fiction zeigt: Sammelbildchen und Kunstobjekte - und natürlich auch das Ufo-Phänomen, das nicht losgelöst von der SF betrachtet werden kann. Wenngleich Heinz J. Galle auf viele Anekdoten verzichtet und sich sein Buch auf die Sachebene konzentriert, schlich sich mir bei der Lektüre nicht nur einmal ein Grinsen ins Gesicht: Viele Entwicklungen der 50er und 60er Jahre kommen einem aus heutigem Blickwinkel arg seltsam vor.
»Wie die Science Fiction Deutschland eroberte« ist ein wunderbares Sachbuch für Menschen wie mich, die sich schon längere Zeit mit dem Thema beschäftigen, wird aber sicher auch Leesr interessieren und begeistern, die noch nicht so tief in die Materie eingestiegen sind. Zahlreiche Fotos und Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß illustrieren die Artikel und belegen, welche Bilderwelten die Science Fiction in den letzten fünfzig Jahren erschlossen hat. Fachbegriffe werden kurz erklärt, sofern sie nicht sogar vermieden werden - damit ist das Buch eindeutig eben nicht nur für Fans gedacht, sondern für jeden Interessenten der phantastischen Literatur.
Das Buch ist als schön gestalteter Hardcover-Band erschienen, ist sauber gesetzt und mit einem schönen Lesebändchen ausgestattet. Es umfasst 224 Seiten und enthält 160 Abbildungen; der Preis beträgt 30 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-940679-20-8 ist das Buch über den Buchhandel sowie über Versender wie amazon.de zu beziehen; ich empfehle aber den Direktbezug über den kleinen Verlag Dieter von Reeken, der das absolut lesenswerte Werk herausgebracht hat.




