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10. Februar 2012

Die Redaktion empfiehlt:
Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 5)

Road Dogs
von Elmore Leonard
ISBN: 978-3-8218-6119-7
Gangster und ihre Verstrickungen

Kritiker und Fans bezeichnen Elmore Leonard gern als Kultautor - der Mann ist über 80 Jahre alt, und viele seiner Romane wurden im Lauf der Jahrzehnte verfilmt. Zu den bekanntesten Verfilmungen zählen »Get Shorty« und »Jackie Brown«, weitere Romane sollen noch fürs Kino adaptiert werden. Trotz seines hohen Alters schreibt der Autor weiter, und er hält das erfrischende Niveau. Ich las zuletzt »Road Dogs«, einen unterm Strich unspektakulären Roman, der mich aber bei fortschreitender Lektüre immer mehr faszinierte.

»Road Dogs« spielt komplett im Gangster-Milieu. Als einzig relevanter Polizist tritt ein anstrengender und karrieresüchtiger FBI-Agent auf, der aber von den eigentlichen »Helden« des Romans nicht sonderlich ernst genommen wird. Hauptfigur ist Jack Foley, ein Bankräuber, der im Gefängnis einen kubanischen Gangster namens Cundo kennenlernt. Die beiden freunden sich an, sofern eine Knast-Freundschaft überhaupt möglich ist. Cundo, der viel Geld zur Seite geschafft hat, verpflichtet Foley, sich nach seiner Haftentlassung um sein Eigentum sowie um seine Frau Dawn zu kümmern.

Foley wird dank Cundos Hilfe vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, fährt nach Venice Beach, also direkt an den Strand von Kalifornien, wo er sich - wie verabredet - um das Haus und die Frau kümmert. Wie nicht anders zu erwarten: Das Arrangement verläuft nicht so, wie es von den Beteiligten geplant war. Und spätestens nachdem auch Cundo aus dem Gefängnis entlassen wird, entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte zwischen Dawn, Foley und Cundo, bei der nie klar ist, wer am Ende eigentlich wen umbringen wird ...

Die kurze Zusammenfassung des Romans kann verständlicherweise nicht die Feinheiten wiedergeben, mit denen Elmore Leonard seine Geschichte erzählt. Pointierte Dialoge und knappe Beschreibungen treiben die Handlung voran, charakterisieren die Hauptpersonen und bringen die Konflikte zwischen den dreien immer wieder ans Licht. Manchmal ist die Geschichte leicht ironisch, dann wieder ziemlich brutal, vor allem aber ist sie konsequent.

Auch wenn man als Leser durchaus Sympathien für die Figuren entwickelt, ist klar, dass es sich um Gangster handelt. Und diesen ist im Zweifelsfall ein Menschenleben relativ gleichgültig - kein Wunder, dass zwischen Drogenhandel und Frauengeschichten in gleichgültigem Ton darüber verhandelt wird, wie man jemanden töten kann. Die Sprache des Romans ist ruhig, die Sätze häufig in einem sehr trockenen Stil; auf effekthascherische Action oder Erotik wird verzichtet.

»Road Dogs« ist »cool«, und hier passt der Begriff komplett. Die Gangster folgen den Rollenbildern, die sie selbst aus dem Kino und dem Fernsehen kennen - und der Autor zeichnet das glaubwürdig und in intensiver Sprache nach. Die deutsche Übersetzung, die mich absolut überzeugt hat, spiegelt die lakonischen Sätze gut wieder.

Seien wir ehrlich: Wer nur auf klassische Kriminalromane steht, in denen ein Ermittler am Ende den Mörder zur Strecke bringt, der wird mit diesem Werk seine Schwierigkeiten haben. Wer aber aber mal eine abwechslungsreiche Story mag, in der man als Leser lange Zeit über die Motive der Helden im Unklaren gehalten wird, der findet in »Road Dogs« eine sehr spannende Lektüre. Einen ersten Eindruck hierzu kann eine Leseprobe vermitteln, die der Verlag auf seiner Homepage bereit gestellt hat.

»Road Dogs« ist als Hardcover mit Schutzumschlag im Eichborn-Verlag erschienen und ist 304 Seiten stark. Für 19,95 Euro kann das Buch überall im Buchhandel bestellt werden, ebenso bei Versendern wie amazon.de; behilflich dabei ist die ISBN 978-3-8218-6119-7.


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