5. November 2009
Der Redakteur erinnert sich:
Konferenz am »Runden Plom«
Die Autoren- und Exposé-Besprechung, die im März 1998 in Karlsruhe und Ettlingen stattfand, war anstrengend und ergiebig zugleich. Am Sonntag, den 8., und Montag, den 9. März 1998, hatten sich Robert Feldhoff und Ernst Vlcek bereits mit mir getroffen und diverse Eckpunkte festgelegt - am Montagabend sollte dann die eigentliche Autorenkonferenz beginnen.
Wobei diese anfangs unter einem unguten Stern stand und von einem kleinen Handicap begleitet wurde: Aufgrund verschiedener inhaltlicher Unstimmigkeiten und mangelnder Termintreue hatte ich eine Art »Not-Treffen« einberufen. Und dieses wurde nicht in Rastatt veranstaltet, also am Sitz des Verlages, sondern in Ettlingen.
»Dann kann niemand flüchten«, hatte ich vorher mit einem gewissen Sarkasmus verkündet und damit vor allem mich gemeint: Konferenzen im Verlag litten stets darunter, dass ich zu wenig Zeit hatte und meist zwischendurch in mein Büro eilte. Deshalb nahmen wir Ettlingen.
Ettlingen ist eine Kleinstadt zwischen Karlsruhe, meinem Wohnort, und Rastatt, dem Verlagssitz. Die Autobahn führt an der Stadt vorüber, und es gibt direkt an der Autobahn ein Hotel, das im Verlauf der letzten 15 Jahre mehrfach den Besitzer wechselte. Am Montag, 9. März 1998, war es ein »Holiday Inn«, und es wurde zum Schauplatz der Klausurtagung.
Mit den beiden Expokraten traf ich am Nachmittag im Hotel ein, wo sich bereits die anderen Kollegen eingefunden hatten. Leider waren Horst Hoffmann und Susan Schwartz verhindert; dafür war erstmals Uwe Anton dabei, den wir neu ins Team integrieren wollten - wie wichtig dieser Autor noch für PERRY RHODAN werden sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Wie immer standen wir erst eine Weile zusammen und unterhielten uns, bevor wir an die eigentliche Konferenz gehen konnten. Im Besprechungsraum »Taube« im fünften Obergeschoss, in dem wir tagen sollten, stellte Robert gleich zu Beginn fest, dass das Hotel einen unserer Wünsche nicht erfüllt hatte: Wir hatten Bananen und Äpfel als »Gutsle« bestellt, und aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen fehlten sie. Aber darüber wollten wir uns nicht ärgern - wir begannen zügig mit der eigentlichen Autorenkonferenz.
Wie immer ging es am Anfang an die Rückblicke. Wir diskutierten über Leserbriefe und Lesererwartungen, über Fanzine-Rezensionen sowie persönliche Aussagen von Lesern, die wir in der Zeit davor mitbekommen hatten. Ebenso wurde das dauernd heikle Thema »verspätete Manuskripte« diskutiert, das mir zu dieser Zeit sehr viel Kopfzerbrechen bereitete.
Interessanterweise wurde auf dieser Konferenz auch darüber gesprochen, dass die einzelnen Datenblätter den Autoren künftig vielleicht auf Diskette und nicht mehr in Form von Ausdrucken zur Verfügung gestellt werden sollten. Heutzutage ist der elektronische Versand von Exposés und Datenblättern eine Selbstverständlichkeit.
Das inhaltliche Brainstorming begann eigentlich beim Abendessen und setzte sich beim anschließenden fröhlichen Umtrunk fort. In der Tat war es schon immer so, dass die besten Ideen der PERRY RHODAN-Autoren in gemütlicher Runde entstanden, häufig erst, wenn alkoholische Getränke in Reichweite waren. Immerhin ging es bereits an diesem Tag um den Kurs auf Band 2000, der wie eine riesige Hürde vor uns aufragte. Wir wollten einen sauberen Zyklus-Abschluss hinlegen und genügend Spannung für den großen Jubiläumsband aufbauen.
Ich zitiere an dieser Stelle am besten aus dem Protokoll; dort stehen die Handlungsvorstellungen einiger Autoren, die zu vorgerückter Stunde fielen. »Drei Millionen SOL-Kopien mit insgesamt vier Millionen Mausbibern besetzen die Erde«, forderte H. G. Francis. »Das ist doch ein fantastischer Stoff für Band 2000 - den nennen wir dann ›Invasion der Mausbiber‹.« Und Peter Terrid kam mit einem kühnen Wunsch: »Ich schlage vor, daß wir ein hopfenfressendes Virus auf die Milchstraße loslassen. Das ist sicher die größte Katastrophe.«
An diesem Abend wurde es spät, und ich ließ mich von einem Taxi nach Hause fahren. Glücklicherweise holte mich Sabine Kropp am nächsten Morgen vor der Haustür ab; sonst hätte ich schon wieder ein Taxi bemühen müssen. Aber so waren wir am Dienstag, 10. März 1998, gegen zehn Uhr wieder im Hotel, wo es in das letzte Brainstorming ging.
Unter anderem beschlossen wir, dass die abgeschiedene Existenz der Aktivatorträger um Perry Rhodan aufhören sollte. Er sollte wieder nach Terra zurückkehren und dort mit einem klaren Amt agieren; Camelot wollten wir auflösen. Robert Feldhoff brachte es ironisch auf den Punkt: »Die eigentliche Handlung ist: Perry Rhodan kommt zurück und wird zum neuen Großadministrator oder Kaiser oder sonstwas ernannt. Basta.«
Für Band 2000 forderte Peter Terrid »eine starke Pointe, die entsprechend vorgearbeitet werden muss«, während Uwe Anton einen Roman wünschte, »der Chaos und Ordnung innerhalb der PERRY RHODAN-Serie klar definieren soll«. Auch die Rolle von ES sollte thematisiert werden. Die Konferenz war sich allerdings einig, dass im Band 2000 auch eine Handlung für Einsteiger stattfinden muss.
Spannend verlief die Diskussion zu den Guan a Var, den sogenannten Sonnenwürmern. Hier ein Zitat aus dem Protokoll der damaligen Sitzung: »Es sind Energiewesen, die sich von der Energie der Sonnen ernähren und dann durch die Galaxis springen, sie also auch entvölkern können. Sie wurden von den Nonggo in ein gigantisches Energiegefängnis gesperrt, das in der Form eines Buckyball-Systems aufgebaut ist: 60 Sonnen, aus denen nicht einmal die Sonnenwürmer rauskommen.«
Das Buckyball-System war eine Idee, die vor allem von Peter Terrid forciert worden war und mit der wir eine aktuelle wissenschaftliche Entwicklung aufgriffen. Wir sprachen darüber, wie wir die Sonnenwürmer, die Gharrer und das 60-Sonnen-System verknüpfen konnten. Allerdings schafften wir es nicht, alle offenen Fragen zu klären, was auch im Protokoll vermerkt wurde: »Im Prinzip müssen noch die Rasse der Schatzsucher sowie ihre Motivation klar definiert werden.«
Im Verlauf des Dienstags endete auf jeden Fall die Autorenkonferenz, die unterm Strich sehr harmonisch verlief. Arndt Ellmer meinte anschließend, sie sei trotz ihres sehr ernsthaften Charakters die ergiebigste seit Jahren gewesen - manchmal kann man anscheinend tatsächlich aus einer »Not«-Konferenz etwas sehr sinnvolles machen.
Wobei diese anfangs unter einem unguten Stern stand und von einem kleinen Handicap begleitet wurde: Aufgrund verschiedener inhaltlicher Unstimmigkeiten und mangelnder Termintreue hatte ich eine Art »Not-Treffen« einberufen. Und dieses wurde nicht in Rastatt veranstaltet, also am Sitz des Verlages, sondern in Ettlingen.
»Dann kann niemand flüchten«, hatte ich vorher mit einem gewissen Sarkasmus verkündet und damit vor allem mich gemeint: Konferenzen im Verlag litten stets darunter, dass ich zu wenig Zeit hatte und meist zwischendurch in mein Büro eilte. Deshalb nahmen wir Ettlingen.
Ettlingen ist eine Kleinstadt zwischen Karlsruhe, meinem Wohnort, und Rastatt, dem Verlagssitz. Die Autobahn führt an der Stadt vorüber, und es gibt direkt an der Autobahn ein Hotel, das im Verlauf der letzten 15 Jahre mehrfach den Besitzer wechselte. Am Montag, 9. März 1998, war es ein »Holiday Inn«, und es wurde zum Schauplatz der Klausurtagung.
Mit den beiden Expokraten traf ich am Nachmittag im Hotel ein, wo sich bereits die anderen Kollegen eingefunden hatten. Leider waren Horst Hoffmann und Susan Schwartz verhindert; dafür war erstmals Uwe Anton dabei, den wir neu ins Team integrieren wollten - wie wichtig dieser Autor noch für PERRY RHODAN werden sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Wie immer standen wir erst eine Weile zusammen und unterhielten uns, bevor wir an die eigentliche Konferenz gehen konnten. Im Besprechungsraum »Taube« im fünften Obergeschoss, in dem wir tagen sollten, stellte Robert gleich zu Beginn fest, dass das Hotel einen unserer Wünsche nicht erfüllt hatte: Wir hatten Bananen und Äpfel als »Gutsle« bestellt, und aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen fehlten sie. Aber darüber wollten wir uns nicht ärgern - wir begannen zügig mit der eigentlichen Autorenkonferenz.
Wie immer ging es am Anfang an die Rückblicke. Wir diskutierten über Leserbriefe und Lesererwartungen, über Fanzine-Rezensionen sowie persönliche Aussagen von Lesern, die wir in der Zeit davor mitbekommen hatten. Ebenso wurde das dauernd heikle Thema »verspätete Manuskripte« diskutiert, das mir zu dieser Zeit sehr viel Kopfzerbrechen bereitete.
Interessanterweise wurde auf dieser Konferenz auch darüber gesprochen, dass die einzelnen Datenblätter den Autoren künftig vielleicht auf Diskette und nicht mehr in Form von Ausdrucken zur Verfügung gestellt werden sollten. Heutzutage ist der elektronische Versand von Exposés und Datenblättern eine Selbstverständlichkeit.
Das inhaltliche Brainstorming begann eigentlich beim Abendessen und setzte sich beim anschließenden fröhlichen Umtrunk fort. In der Tat war es schon immer so, dass die besten Ideen der PERRY RHODAN-Autoren in gemütlicher Runde entstanden, häufig erst, wenn alkoholische Getränke in Reichweite waren. Immerhin ging es bereits an diesem Tag um den Kurs auf Band 2000, der wie eine riesige Hürde vor uns aufragte. Wir wollten einen sauberen Zyklus-Abschluss hinlegen und genügend Spannung für den großen Jubiläumsband aufbauen.
Ich zitiere an dieser Stelle am besten aus dem Protokoll; dort stehen die Handlungsvorstellungen einiger Autoren, die zu vorgerückter Stunde fielen. »Drei Millionen SOL-Kopien mit insgesamt vier Millionen Mausbibern besetzen die Erde«, forderte H. G. Francis. »Das ist doch ein fantastischer Stoff für Band 2000 - den nennen wir dann ›Invasion der Mausbiber‹.« Und Peter Terrid kam mit einem kühnen Wunsch: »Ich schlage vor, daß wir ein hopfenfressendes Virus auf die Milchstraße loslassen. Das ist sicher die größte Katastrophe.«
An diesem Abend wurde es spät, und ich ließ mich von einem Taxi nach Hause fahren. Glücklicherweise holte mich Sabine Kropp am nächsten Morgen vor der Haustür ab; sonst hätte ich schon wieder ein Taxi bemühen müssen. Aber so waren wir am Dienstag, 10. März 1998, gegen zehn Uhr wieder im Hotel, wo es in das letzte Brainstorming ging.
Unter anderem beschlossen wir, dass die abgeschiedene Existenz der Aktivatorträger um Perry Rhodan aufhören sollte. Er sollte wieder nach Terra zurückkehren und dort mit einem klaren Amt agieren; Camelot wollten wir auflösen. Robert Feldhoff brachte es ironisch auf den Punkt: »Die eigentliche Handlung ist: Perry Rhodan kommt zurück und wird zum neuen Großadministrator oder Kaiser oder sonstwas ernannt. Basta.«
Für Band 2000 forderte Peter Terrid »eine starke Pointe, die entsprechend vorgearbeitet werden muss«, während Uwe Anton einen Roman wünschte, »der Chaos und Ordnung innerhalb der PERRY RHODAN-Serie klar definieren soll«. Auch die Rolle von ES sollte thematisiert werden. Die Konferenz war sich allerdings einig, dass im Band 2000 auch eine Handlung für Einsteiger stattfinden muss.
Spannend verlief die Diskussion zu den Guan a Var, den sogenannten Sonnenwürmern. Hier ein Zitat aus dem Protokoll der damaligen Sitzung: »Es sind Energiewesen, die sich von der Energie der Sonnen ernähren und dann durch die Galaxis springen, sie also auch entvölkern können. Sie wurden von den Nonggo in ein gigantisches Energiegefängnis gesperrt, das in der Form eines Buckyball-Systems aufgebaut ist: 60 Sonnen, aus denen nicht einmal die Sonnenwürmer rauskommen.«
Das Buckyball-System war eine Idee, die vor allem von Peter Terrid forciert worden war und mit der wir eine aktuelle wissenschaftliche Entwicklung aufgriffen. Wir sprachen darüber, wie wir die Sonnenwürmer, die Gharrer und das 60-Sonnen-System verknüpfen konnten. Allerdings schafften wir es nicht, alle offenen Fragen zu klären, was auch im Protokoll vermerkt wurde: »Im Prinzip müssen noch die Rasse der Schatzsucher sowie ihre Motivation klar definiert werden.«
Im Verlauf des Dienstags endete auf jeden Fall die Autorenkonferenz, die unterm Strich sehr harmonisch verlief. Arndt Ellmer meinte anschließend, sie sei trotz ihres sehr ernsthaften Charakters die ergiebigste seit Jahren gewesen - manchmal kann man anscheinend tatsächlich aus einer »Not«-Konferenz etwas sehr sinnvolles machen.


