Hauptseite

Aktuell Produkte Information Kommunikation Unterhaltung

Kurzinfo
Vergangenheit ist Zukunft! (Teil II)

24. Mai 2006

Vergangenheit ist Zukunft! (Teil II)

Sprachlich, sowie in stürmend, sozialistischen Bildern erweist sich auch die Werbung in der DDR als überaus vergnüglich und durchaus betrachtenswert. Hier mag ich Euch die Bücher  »Das große Lexikon der DDR-Werbung« und  »Tausend Teletips« anempfehlen. »Werbung ist die Seele vons Jeschäft«, das erkannten auch die altbackensten Sozialisten in der DDR. Im Lexikon der DDR-Werbung werden die wichtigsten Werbekampagnen und -institutionen, bekannte und unbekannte Produkte, ihre Hersteller sowie die Markennamen benannt. Gleichzeitig ist das Lexikon auch eine Fundgrube an interessanten Hintergründe und Anekdoten. Richtig vergnüglich sind zudem die teilweise knüttligen Werbeverse und sozialistisch sprachgestylten Slogans. Für den Unwissenden werden typische Fachbegriffe, die in der Werbung der DDR benutzt oder definiert wurden, erklärt und die Eigenarten spezieller Werbemedien und ihren Einsatz in der Planwirtschaft aufgezeigt.
Das zweite Buch enthält Hintergründe und Fakten zur Geschichte des Werbefernsehens in der DDR. Übersichten über sämtliche Filmproduktionen runden das Bild wohltuend informativ ab. Ebenso spannend sind die Untersuchungen einzelner Werbefilme in ihrem kulturhistorischen Kontext. Zur Geschichte: Bereits1959 startete im Deutschen Fernsehfunk eine Versuchsendung »Notizen für den Einkauf«. Sie war der Vorläufer der »Tausend Tele-Tips«, die ab 1960 regelmäßig im Fernsehfunk liefen. Die kurzen Werbespots führten neue Erzeugnisse im Gebrauch ebenso vor wie den modernen Verbraucher. Es wurden Waren angepriesen - Fußcreme, Fisch und Sommerstoffe, Geschirrspüler und Kühlschränke - alles mit den bekannten Mitteln der Information, Übertreibung und mit Humor. Dazwischen gab es Ratschläge für Haushalt, Auto und Garten. Was aber sollte ein Werbefernsehen ohne Wettbewerbswirtschaft und ständigem Mangel im Warenangebot bewirken? Wer waren die Auftraggeber der Werbefilme und wer die Filmproduzenten? Warum wurde das Werbefilmstudio der DEWAG bereits 1962 aufgelöst und welche Rolle spielten dabei die DEFA und die Hauptverwaltung Film beim Ministerium für Kultur? Die Antworten darauf gibt das Buch »Tausend Tele-Tips«.
 
Nicht weit von den beiden vorangegangenen Vorstellungen bewegt sich  »Penti, Erika und Bebo Sher« von der Thematik weg. Hier geht es um das sozialistische Einheitsdesign, kurz SED (Schmunzel) genannt, obgleich dieses Design durchaus eigenständig, praktisch und auch ästhetisch allen modernen Ansprüchen genügte. Die Häme dazu kam eigentlich aus dem Westen, der sich eher einem teilweise wirklich kitschigen Plastikdesign verbunden fühlte. Dabei sind viele der belächelten DDR-Designs nach Baushausvorbildern entstanden. Viele in der DDR gestaltete Produkte verkörpern in zwiefacher Hinsicht gleichwohl Design-Raritäten: Zum einen sind sie bisher im (gesamt)deutschen Bewußtsein - wenn überhaupt - nur flüchtig oder als Exoten registriert. Zum anderen waren nicht wenige der in diesem Buch behandelten Erzeugnisse »höherwertige Waren«, deren in den Handel gelangende Stückzahlen bei weitem nicht die Nachfrage bedienen konnten oder auf die man lange warten mußte bis zur Belieferung (z. B. Hellerau-Möbel, hochwertige Fernseh- und Rundfunkgeräte, Schreibmaschinen oder auch bestimmte Keramik- und Porzellanwaren). Zudem hatten sie oft einen so hohen »EVP« (Endverbraucherpreis), waren praktisch mit einer Luxussteuer belegt, daß nicht jedermann sie sich leisten konnte und nach dem Erwerb man sie auch hegte und pflegte wie Raritäten (Technik für den Haushalt, Telefone, Spiegelreflexkameras usw.). Das Buch stellt in essayistischen und feuilletonistischen Texten sowie historischen und aktuellen Fotos Serienprodukte vor, die zwischen 1949 und 1990 in der DDR mit dem Anspruch hoher gestalterischer Qualität auf den Markt gekommen sind. Es sind dies sowohl massenhaft produzierte und verkaufte als auch nur kurzzeitig in den Handel gelangte Erzeugnisse, es handelt sich um sowohl mittlerweile vergessene wie immer noch im Gebrauch befindliche bekannte Industriewaren, vornehmlich aus dem privaten, aber beispielsweise auch aus dem gastronomischen Anwendungsbereich.
 
Und da wir gerade bei Bildern sind, steht ein Schritt zu den Beweglichen außer Frage: Die Filme »Good Bye, Lenin« und »Sonnenallee« gehören bereits zu den deutsch-deutschen Klassikern und brauchen hier wirklich nicht mehr vorgestellt zu werden. Relativ neu ist der Film  »Der rote Kakadu« der die Geschichte um ein - in den Sechzigern - berühmt-berüchtigtes Tanzlokal, die »Kakadu Bar« in Dresden, als Aufhänger für eine persönliche Lebenszeit cineastisch erzählt: »Weißer Hirsch« heißt der großbürgerliche Stadtteil am nordöstlichen Rand Dresdens, der in der Weimarer Republik zum Kurbad aufstieg. Hier wurde 1914 das Parkhotel eröffnet, zu dessen Attraktionen von Beginn an die „Kakadu-Bar“ gehörte. In den 1930er Jahren feierten hier Stars wie Heinz Rühmann oder Zarah Leander rauschende Feste. Nach dem Krieg zog die Rote Armee in das Parkhotel. 1952 wurde dann der Veranstaltungsbetrieb wieder aufgenommen, nachdem das Hotel an die Privateigentümer zurückgegeben worden war. Bis zur letzten Verstaatlichungswelle Anfang der 1970er Jahre blieb das Parkhotel Privatbesitz. Mit einem Programm, das neben DDR-typischer Unterhaltungsmusik auch Jazz, Blues und Rock ‘n’ Roll berücksichtigte, erlangte die „Kakadu-Bar“ bald einen legendären Ruf. Der Film erzählt die Geschichte des zwanzigjährigen Siggi, der 1961 nach Dresden kommt, um dort am Theater als Bühnenmeister zu arbeiten. Doch dann verliebt er sich Hals über Kopf in die begabte Lyrikerin Luise, die fest an die Utopie der kommunistischen Gesellschaft glaubt und diesen Traum in der DDR verwirklichen möchte. Als er auch deren Ehemann Wolle und ihre Clique vom Nachtclub »Der rote Kakadu« kennen lernt, will er sich plötzlich nicht mehr mit den Gegebenheiten seines Daseins abfinden und rebelliert. Er stellt sich mutig seinem Schicksal - zunächst den Türstehern vor dem »Roten Kakadu« - entgegen, verschafft sich durch Meißner Porzellan, das er nach Westberlin schmuggelt, das nötige Kleingeld und gerät mit seinen neuen Freunden immer wieder in Konflikte mit der Staatssicherheit. Als er schließlich sechs Tage vor dem Mauerbau nach Westberlin flieht, muß er die Freunde - vor allem Luise - zurücklassen… Zu diesem Film gibt es auch ein schönes Buch mit 200 Bildern, dem kompletten Drehbuch, zeitgeschichtlichen Hintergründen und vielem mehr.

So, liebe Freunde, jetzt macht Euch noch eine schöne Rotplombe zum Nachtisch oder haut Euch ein paar Kim-Eier in die Pfanne. Auf jeden Fall aber viel Spaß beim Schmökern oder schauen.