17. November 2006
Michael Kirchschlager, Jahrgang 1966, hat nun, ach! Germanistik und Geschichte durchaus studieret, mit heißem Bemühn und lebt heute als freischaffender Historiker und Schriftsteller in Thüringen. Aufsehen erregte der diplomierte Historiker mit der Entdeckung des Weißenseer Reinheitsgebotes zum Brauen von Bier aus dem Jahr 1434. Die Bayern fühlten sich auf den Schlips getreten. Der breiten Öffentlichkeit wurde Kirchschlager bekannt als der »Küchenmeister« in der ARD-Serie Abenteuer-Mittelalter.Seine wahre Berufung hat der Hobbykoch für mittelalterliche Küche - natürlich hat er das passende Kochbuch »Ich will ein guter Koch sein: Küchengeheimnisse des Mittelalters und der Renaissance« dazu geschrieben - in der Erforschung und Dokumentation der deutschen Kriminalgeschichte und zum Aberglauben gefunden.
In mühevoller - aber dennoch ergötzlicher - Recherche hat der Historiker in Archiven jedweder Provenienz nachgelesen, was in deutschen Landen schlimmes geschehen ist. Dabei dokumentiert der Autor schnörkellos und ohne eigenes Hinzufügen die Geschichten von eben den Mördern, Räubern und Menschenfressern über einen Zeitraum vom ausgehenden Mittelalter bis in das frühe 18. Jahrhundert.
So ist
Kirchschlager zum Herausgeber zahlreicher Editionen u. a. »Das mitteldeutsche Obscurum« in drei Bänden, Kirchschlagers »Criminal- & Curiositäten-Cabinette«, der »Thüringer Kriminalchronik hingerichteter Verbrecher«, u. s. w. So wird in den »Criminal- & Curiositäten-Cabinetten« ein Sammelsurium höchst merkwürdiger, kurioser aber auch schauriger Geschichten aus Chroniken, Flugschriften und seltenen Drucken vom Mittelalter bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert dargeboten und alle Merk- und Denkwürdigkeiten der bekannten Welt behandelt. In seinem Buch »Von Mördern, Räubern, Menschenfressern« dokumentiert der Historiker Einhundert Biographien und Merkwürdigkeiten deutscher Verbrecher des 15. bis 18. Jahrhunderts.
Und dann ist da noch der Schriftsteller Michael Kirchschlager. Der neuste Streich des rührigen Thüringers ist eine literarische Aufarbeitung seltsamer Kriminalgeschichten. Mit Frank Festa (
Festa-Verlag) hat er denn auch einen Verleger gefunden, der für Eingeweihte sicherlich kein Unbekannter ist. Der Festa-Verlag ist berühmt für ausgezeichnete, intelligente SF- und gleichwohl aber auch Horror Veröffentlichungen. Mehr dazu in einer der folgenden Kolumnen und zurück zum Schriftsteller Kirchschlager. »Der Crako und der Gierfraß« begründet eine neue Romanreihe, dessen Held und Protagonist der Freiherr Friedrich von Krosigk ist. Und selbiger ist ein Crako - Criminalkommissarius Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Als Spezialist für das Übersinnliche und Unheimliche kennt er das »Zeitalter der Vernunft« von einer anderen Seite: Grausamkeit, Willkür und Aberglaube begleiten ihn und seinen Adjutanten Freiherr von Kosemaul auf allen Ermittlungen. In Vorbereitung ist mittlerweile der zweite Band »Der Crako und das Giftmädchen«. Alle Crako-Romane sind nicht für Leser mit schwachen Nerven geeignet und werden demnach auch erst dem volljährigen Leser anempfohlen.
Wir haben Michael Kirchschlager trotz knapp bemessener Zeit tatsächlich zu einem
Plausch am Telephon überreden können. Im nachfolgenden könnt Ihr Hören was der Historiker und Autor für Schnurren bereit hält.