23. November 2007
»Legends: Hand Of God«, dies klingt nach einer fetten Produktion aus fernen Landen. Ist es aber nicht, denn mittlerweile haben die deutschen Kreativschmieden bewiesen, daß sie international locker mithalten können. So stammt dieses Action-Fantasy-Rollenspiel aus der Hamburger Spieleschmiede Master Creating. Ebenfalls in Hamburg erfolgt die weltweite Veröffentlichung und Vermarktung durch Publisher dtp/ANACONDA. Und noch etwas ist erwähnenswert: Statt einer digital entwickelten Wesenheit spielt in diesem Epos eine Schauspielerin aus Fleisch und Blut die weibliche Hauptrolle der spitzzüngigen Lichtelfe Luna. Keine geringere als Cosma Shiva Hagen, Tochter der legendären Nina Hagen, gibt sich die Ehre in digitalisierte Form die naseweise Elfe zu geben.
Doch worum geht es nun eigentlich in diesem Epos, das schon im Vorfeld für einiges Aufsehen sorgte. »Legend: Hand of God« versetzt den Spieler in ein Fantasy-Szenario, in dem er als letzter Überlebender des Ordens der Heiligen Flamme mit seinem Avatar Targon die legendäre »Hand Gottes« finden muß, um die Dämonen, die in das Land Aris eindrangen, zurückschlagen zu können. Dabei wird er von der naseweisen, vorlauten und manchmal bis an die Grenzen nervenden Lichtelfe Luna begleitet.
Auf seiner Suche nach den Teilen des mächtigen Artefakts stoßen die beiden auf ein finsteres Komplott. Targon und die Lichtelfe geraten dabei in viele actiongeladene Gefechte. Recht nette Grafikfeatures und Darstellungen wie das »Cinematic Combat System« machen die Kämpfe zu einem feinen Augenschmaus. Individuelle Paraden und zahlreiche Spezialangriffe wechseln sich ab. Gegner werden realistisch gemäß ihrer Größe bekämpft.
Eine weitere Besonderheit stellt die Lichtelfe selbst dar. Diese übernimmt gleich drei wichtige Rollen in »Legend: Hand of God«. Als Begleiterin des Helden steht sie mit Tips und Hinweisen hilfreich zur Seite. Zudem verkörpert sie den Mauscursor des Spielers und hilft diesem, sich in der Welt von Legend zurechtzufinden. Insbesondere in dunklen Dungeons und anderen düsteren Gefilden spielt die Lichtelfe dann ihre volle Stärke aus, denn wie die Bezeichnung ihrer Gattung schon erahnen läßt, kann die Lichtelfe leuchten. In Verbindung mit der Mauscursor-Version kann der Spieler so Höhlen und Räume in Windeseile erkunden und nach entfernten Feinden spähen, ohne seinen Helden in jeden Winkel schicken zu müssen.
Das alles könnte »der perfekte Stoff aus dem die Träume sind« sein, wenn da nicht…
Aber von Anfang an: Bereits beim Einstieg in das Spiel mußte ich leider feststellen, daß man mir einen vorgefertigten Helden vor die Nase setzt. Da bin ich von anderen Action-Rollenspielen feinere Kost gewohnt, denn meinen Helden würde ich mir gern selbst zusammenschustern. Also kann ich mir hier weder Namen, Aussehen und Geschlecht aussuchen - doch halt, so schlimm kommt es dann doch nicht. Denn bevor ich in die Fantasywelt Aris entlassen werde, darf ich mir tatsächlich zwei Fertigkeits-Klassen aussuchen, die ich zudem noch kombinieren kann. Das lädt auf jeden Fall zum Experimentieren ein und erhöht den Wiederspielfaktor enorm.
Als nächstes dann die Story des Epos. Habe ich gerade Epos geschrieben? Ich meine wohl eher Geschichte, denn diese reißt auch nicht gerade vom Hocker: Jüngelchen wird von Meister gerufen und muß dann Königreich retten. Bums! Na ganz so kurz ist es natürlich nicht und hat auch schon nette Feinheiten. Dennoch, die Story ist schon ein wenig Kantinenkost, obgleich die verschiedenen Quests doch so manches Sahnehäubchen bieten.
Ein weiteres Manko sind die hohen Systemanforderungen. Hier sollte es schon eine 3,00 GHz CPU sein und mindestens eine GeForce 8800 oder eine Radeon HD 2900 mit 512 RAM. Auch der Arbeitsspeicher (Mindestempfehlung 1024 MB) sollte schon 2 GB haben, ansonsten gibt es unfreiwillige Zeitlupe statt flüssigem Spielspaß. Überhaupt kann so etwas die Lust am Spiel schon vergällen. Was ist denn mit den Menschen, die eben keine Hardcore-Dattelfreaks sind und nicht ihre ganze Kohle in den Rechner stecken können, sondern eine Familie über die Runden bringen müssen?
Das war es aber schon mit dem Gemecker, denn jetzt geht es in die phantastische Welt von Aris. Meinem Protagonisten hatte ich zuerst die Rolle und Fertigkeiten eines Kampfmagiers verpaßt, ich steh halt mehr auf Blitz und Donner, anstatt mich mit dem langen Messerchen oder Hackebeil durch die bösen Horden zu metzeln. Ich schrieb zuerst, denn in einem zweiten Anlauf habe ich dann einen metzelnden Krieger ausprobiert. Dabei fiel mir äußerst wohltuend das flexible Animationssystem auf. Je nachdem welche Waffe mein Held einsetzt, führt dieser in der Tat unterschiedliche Aktionen aus. Das macht dann richtig Spaß und verleiht dem Ganzen feinste Realität.
Mehr noch, die Animationen verändern sich auch in Bezug auf die Größe des Gegners. Bei einem großen Widerling setzt der edle Held auch schon mal zu einem herzerfrischenden Sprungangriff an. Alles in allem: Da lacht das Auge und ich bin wieder versöhnt. Auch die Steuerung des Spiels ist wohltuend. Mit der Maus können alle Aktionen gesteuert werden und die Tatstatur läßt mich an Heil- und Manatränken nuckeln.
Und dann ist da auch noch die äußerst gelungene Lichtelfe Cosma Shiva Hagen, Entschuldigung, Luna. Wer Mutter Ninas Schnoddrigkeit mochte, wird Cosma Shiva einfach lieben. Als Weggefährtin gibt die Lichtelfe wertvolle Hinweise und läßt sich schon mal auf einen witzigen Plausch ein.
Alles in allem doch ein gelungenes Werk, das bei mir aber aufgrund der hohen Systemanforderungen durchgefallen ist.
Übrigens: Zeitgleich zur Veröffentlichung des Spiels wurde ein Hörspiel, das die Legend-Fantasywelt Aris von einer weiteren und bisher unbekannten Seite beleuchtet, veröffentlicht. Im Hörspiel »Legend: Hand of God - Die Chroniken von Aris 1« erzählt der Elfenhexer Kaskaras die Geschichte hinter Legend. Er ist es dann auch, der alles in seiner Macht stehende unternimmt, um den Helden Targon daran zu hindern, die drei Teile des mächtigen Artefakts »Die Hand Gottes« wieder zu vereinen, und damit dem Einmarsch der Dämonen in Aris ein für allemal Einhalt zu gebieten. Mit dem Hörspiel erhalten Legend-Spieler die Möglichkeit, noch tiefer in das atmosphärische Fantasy-Universum des Action-Rollenspiels einzutauchen.
So, und zum Schluß noch ein kleines Schmankerls für die Ohren. Wer Lust hat, sich einen Auszug aus einem Plausch mit Cosma Shiva Hagen anzuhören, sollte dies
hier tun.