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Kurzinfo
Fast verpasst...

26. November 2007

Fast verpasst...

»Und denk dran, in fünf Wochen ist Weihnachten…«, dieser Ausspruch meiner Mutter hat mich doch dieses Jahr wirklich vom Hocker gehauen. Und ich hätte es fast vergessen, denn irgendwie ist mir auch gar nicht danach. Nur ist dies wirklich eine gelungene Entschuldigung für nicht besorgte Aufmerksamkeiten für die besten Freunde und Lieben? Nein, natürlich nicht. So ging ich denn in mich und mutierte zum »schnellen Brüter«. Die Ergebnisse möchte ich Euch nicht vorenthalten und als diesjährige Geschenktipps ans Herzelein legen. Wohlgemerkt, alles Dinge, die ich auch selbst verschenken werde oder hoffe geschenkt zu bekommen.

Bücher sind als Geschenk immer wieder gern genommen, nur hier den richtigen Lesegeschmack zu treffen ist oft ein Vabanquespiel. Ich verlege mich da lieber auf Prachtbildbände, womit wir schon bei den ersten Geschenktipps sind.


»THE DOORS BY THE DOORS«
Meinem Kumpel Henry, dem alten Rocker, lasse ich dieses Jahr »THE DOORS BY THE DOORS« zukommen. Dabei handelt es sich um die einzige autorisierte Biographie der Band um Jim Morrison mit exklusiven Interviews und über 500 Fotografien! Das Hauptaugenmerk liegt auf der Bandgeschichte bis zum Tod des faszinierenden Frontmannes. In diesem Buch erzählen die Doors selbst ihre Geschichte, zusammen mit dem angesehenen Musikjournalisten Ben Fong-Torres, der nicht nur die noch lebenden Bandmitglieder interviewt hat, sondern auch die Familie Jim Morrisons und die seiner Freundin Pamela Courson.

Darüber hinaus gewähren Ray Manzarek, Robby Krieger und John Densmore Einblicke in ihre Kindheit und berichten über die Zeit nach Jim Morrisons Tod. Die Aussagen der Bandmitglieder, Zitate von Freunden und Verwandten, aber auch Originaltöne von Jim Morrison selbst aus früheren Interviews werden zu einer spannenden Erzählung verwoben. Fong-Torres beleuchtet sowohl die großen Erfolge der Doors als auch die Schattenseiten ihrer Karriere. Hautnah kann man die Entstehung erfolgreicher Songs nacherleben, wie z.B. von »The End« und »Light My Fire«; Bandmitglieder und Freunde der Band erzählen, wie Alkohol und Drogen die Band zerstörten.

Das Buch präsentiert zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotos der Jim-Morrison-Ära und wird vervollständigt durch Vorworte von Perry Farrell (Jane’s Addiction), Henry Rollins (Ex-Black-Flag) und Chester Bennington (Linkin Park).

Für die Jüngeren unter Euch, die mit den Doors nicht so richtig etwas anfangen können, hier eine Kurzinfo: Mit ihrem Debütalbum »The Doors«, dem bis zu Jim Morrisons Tod im Jahr 1971 weitere äußerst erfolgreiche Veröffentlichungen folgten, erlebten Frontmann Jim Morrison, Ray Manzarek an der Orgel, Gitarrist Robby Krieger und Schlagzeuger John Densmore 1967 einen furiosen Durchbruch.

Songs wie »Light My Fire«, »The End« und »Riders on the Storm« gehören bis heute zu den Meilensteinen der Rockgeschichte. Bereits zu Lebzeiten wurde Sänger Jim Morrison zu einer Ikone. Sein Grab auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise ist bis heute eine Pilgerstätte für zahllose Fans aus aller Welt. The Doors traten ab 2002 mit Ian Astbury, ehemaliger Sänger von The Cult, wieder regelmäßig auf. Seit März 2007 singt Brett Scallions (Ex-Fuel).

»Syd Barrett«
Und da wir gerade dabei sind, ich wünsche mir auch einen Bildband und zwar den von »Syd Barrett«, dem legendären Gründer und Frontmann von Pink Floyd, der im vergangenen Jahr am 7. Juli 2006 verstorben ist. Auf über 150 Fotografien zeigt Mick Rock, Legende der Rockfotografie, die Ikone der Psychedelic-Rock-Bewegung genauso wie den sensiblen, drogenabhängigen Künstler Barrett. Berühmte Abbildungen des »crazy diamond«, die in seiner Wohnung in Earls Court aufgenommen wurden, stehen Seite an Seite mit vielen unveröffentlichten Fotografien, die Mick Rock beispielsweise in Barretts Garten im Jahr 1971 aufgenommen hatte, kurz bevor sich dieser gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Der britische Sänger, Songschreiber und Gitarrist wurde am 6. Januar 1946 als Roger Keith Barrett in Cambridge geboren. In den 60er Jahren wurde er zum Mitbegründer und Mastermind der Band Pink Floyd und so eine der Schlüsselfiguren dieser Zeit. Er gab der Band nicht nur ihren Namen, sondern schrieb auch fast alle Songs für das erste Album »The Piper at the Gates of Dawn« und die Singles »Arnold Lane« und »See Emily play«, die der Band zum Durchbruch verhalfen.

Neben ungewöhnlichen melodischen und elektronischen Effekten in seinen Songs zeichnete sich Barretts legendäres Schaffen auch durch die außergewöhnlichen Lichtkompositionen der Liveauftritte aus. Der Erfolg des ersten Albums 1967 bescherte Pink Floyd im folgenden Jahr eine Tour mit Jimi Hendrix. Bereits zu dieser Zeit nahm Barrett exzessiv Drogen, vor allem LSD. Die Zusammenarbeit zwischen Barrett und dem Rest der Gruppe litt unter seinen Eskapaden, so daß er 1968 offiziell aus der Band ausschied. Barrett zog sich zu seiner Mutter nach Cambridge zurück und versuchte sich an einer Solokarriere, die er bereits nach zwei Alben aufgab.

Sein abgeschiedenes Leben leistete zahlreichen Mythen um seine Person Vorschub. Tatsächlich traf er 1974 das letzte Mal in den Abbey Road Studios auf seine ehemaligen Bandkollegen, die ihn erst nicht erkannten, dann aber die Lieder »Wish you were here« und »Shine on you crazy diamond« für ihn aufnahmen. Im Juli 2006 starb der ehemalige Sänger von Pink Floyd an den Folgen seines Diabetes.

Der Fotoband enthält neben begleitenden Texten von Mick Rock, in denen er seine Erinnerungen an den Freund festhält, auch die ungekürzte Fassung des letzten Interviews Barretts, das Mick Rock für den Rolling Stone geführt hat. Der hochwertige Bildband dokumentiert viele bis jetzt unbekannte Seiten des Künstlers Syd Barrett und zugleich die ganz besondere Freundschaft zwischen Rockstar und Fotograf.

»Russland und die Sowjetunion: Ein Jahrhundert in Fotografien von TASS«
Tja, und dann ist da noch Anja, die ich aber nur mit etwas »Anspruchsvollem« beglücken darf. Ein Buch soll es schon sein aber nichts mit Sex, Drugs & »Soweiter« … Die Dame ist selbst eine leidenschaftliche Fotografin und insofern auch optisch ganz schön kritisch. Die Rettung heißt in diesem Fall »Russland und die Sowjetunion: Ein Jahrhundert in Fotografien von TASS«.

Der Dokumentarist und Russlandexperte Peter Radetsky hat das Bildarchiv der Nachrichtenagentur TASS durchforstet und aus den fotografischen Schätzen ein Buch zusammengestellt, das dieses Jahrhundert der russischen und sowjetischen Geschichte in Text und Bild nachzeichnet. Zum Teil zeigen die etwa 300 Fotos das offizielle Bild, das der Staat der Welt vermitteln wollte, doch sie dokumentieren auch die Lebensweise der Menschen in Russland und der Sowjetunion. Manche Motive dieses Bandes sind Klassiker, doch die meisten Bilder sind bisher unveröffentlicht.

Dieses Buch ist eine eindrucksvolle fotografische Reise durch mehr als einhundert Jahre von Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Der imposante Fotoband zeigt scheinbar alle Facetten des Lebens in Russland, doch die Fotos dokumentieren nur zum Teil die Lebensrealität in der Sowjetunion. Vor allem bilden sie das Image ab, das der Staat durch die fotojournalistische Propaganda der Welt vermitteln wollte: Gesunde und heldenhafte Bürger arbeiten fröhlich für das Wohl von Mütterchen Russland; gesunde, hübsche Kinder stellen ihre Verbundenheit zum Mutterland zur Schau; aufmerksame Studenten lernen für den Kommunismus.

Die Fotos zeigen den letzten Zaren Nikolaus II. im Kreise seiner Familie genauso wie Wladimir Putin im Judoanzug. Peter Radetsky hat zudem Bilder zu Tage gefördert, an denen offensichtliche Bildretuschen vorgenommen wurden - in Ungnade gefallene Personen wurden von Fotos getilgt, ebenso wie aus den Geschichtsbüchern und dem wahren Leben.