12. Dezember 2007
Im ersten Teil meiner persönlichen Geschenktipps habe ich dem werten Kolumnarden ja wunderbare Bildbände in die Augen gehievt, nun gibt es wieder was für die Augen: Diesmal in bewegten, schwarzweißen oder farbigen Bildern der Marke »Kultkrimis für den Herrn Papa« oder den Connaisseur. Es handelt sich hierbei um eine Kinoserie und zwei TV-Serien, die in ungekürzten Fassungen vorliegen. Gerade bei den TV-Serien macht das schon eine Menge aus, denn so manch gute oder erklärende Szene wird ja immer gern zu Gunsten der Werbeblöcke entfernt.Aber nun in die Welt der bewegten Bilder und gleich zu Beginn möchte ich Euch eine, ja man kann schon sagen, Kinoserie vorstellen, die mittlerweile komplett in insgesamt vier Boxen vorliegt:
»Die Sherlock Holmes Collection« 1 bis 4, eine amerikanische Produktion, deren Kinofolgen in den Jahren 1939 bis 1943 abgedreht wurden. Neben den klassischen Sherlock Holmes-Themen griff Regisseur Roy William Neill zudem in die Zeittrickkiste und transportierte den Meisterdetektiv mit seinen Abenteuern in die Vierziger und so wurde Holmes natürlich auch zu einem erklärten Patrioten gegen die Nazis und andere Finsterlinge. Dabei bleibt uns allerdings das amerikanische Kriegspathos erspart - es geht britisch zu und Winston Churchill wird zum unfreiwilligen Zitatgeber.
Dennoch sind diese Klassiker - Basil Rathbone als Sherlock Holmes und Nigel Bruce als Dr. Watson - alles andere als Propagandaschinken. Schnell erkannte man, dass Mr. Holmes sich nicht zum Nazijäger eignete und verfrachtete den Helden wieder in aufregende und zum Teil mysteriöse Fälle. Dabei zauberte man wunderbare Atmosphären, wie sie nur in Schwarzweiß möglich sind. Allerdings will ich auch nicht verhehlen, dass ich teilweise nicht so ganz mit der charakterlichen Darstellung des Dr. Watson klarkomme. Dieser wird leider oft in die Nähe eines Naivlings gerückt und erinnert manchmal fatal eher an einen verzweifelten Stan Laurel. Dennoch, großes Kino mit viel Spannung und dem Geist der Vierziger.
Etwa 25 Jahre später machte ein gewisser Roger Moore von sich reden. Nein, nicht als James Bond, sondern als Simon Templar (im Original »The Saint«), der Serienverfilmung der Krimibuchreihe »The Saint/Der Heilige« des englischen Schriftstellers Leslie Charteris. Die britische TV-Serie gilt allgemein als die beste Umsetzung der Bücher, was nicht allein an der Person Moores lag und wurde in über 70 Ländern mit Erfolg ausgestrahlt. 118 Folgen wurden in den Jahren zwischen 1962 und 1969 gedreht. Davon sind nun 45 Folgen in zwei DVD-Boxen (15 DVDs) als
»Simon Templar - Collectors Box« 1 und 2 erhältlich. Auch hier gilt, alle Episoden sind ungekürzt und darüber hinaus enthalten die Sammlungen auch Episoden, die nicht im Deutschen Fernsehen gezeigt wurden weil die Programmmacher diese für heikel hielten, warum auch immer.
Doch worum geht es eigentlich in dieser Serie: Simon Templar alias »The Saint« ist ein überaus charmanter Gentleman-Gauner, der das Herz auf dem rechten Fleck trät und eigentlich ein Guter ist. Er ist der Beschützer der Armen, Witwen und Waisen, sofern sie vornehmlich weiblich sind und im Jet-Set verkehren. Sein Markenzeichen ist ein Strichmännlein mit Heiligenschein, das er auch gern mal markant hinterlässt. Wie gesagt, eigentlich ist er ein »Guter«, der es allerdings mit der Legalität der Mittel nicht so genau nimmt und das macht ihn angreifbar. Bei Polizeibehörden auf der ganzen Welt ist dieser »Heilige« geachtet und verrufen.
Roger Moore ist für diesen Charakter die Idealbesetzung, humorvoll, charmant und selbstironisch - ein »Heiliger« nach meinem Gusto.
Und wem der Moore allein nicht reicht, der nimmt ihn zusammen mit Curtis. Ja, Ihr Altvorderen mit den jetzt glänzenden Augen, Roger Moore und Tony Curtis waren
»Die 2« (im Original »The Persuaders«). Die englische Fernsehserie, die von Mai 1970 bis Juli 1971 in Großbritannien und Südfrankreich entstand, ist jetzt komplett in einer DVD-Box erhältlich - natürlich ungekürzt und in Farbe. Gönnt Euch doch mal den Spaß und schaut das Ganze im englischen Originalton an - stinklangweilig und demnach kein Wunder, dass die Serie über die zweite Staffel nicht hinauskam.
Anders bei der deutschen Synchronisation, denn die lebt von flotten Sprüchen der Extraklasse nach den Dialogbüchern Rainer Brandts, der reichlich Esprit und Wortspielereien einbaute und damit das Original satirisch und parodistisch aufmotzte. Dabei sind auch einige sprachliche Darbietungen der witzigen Art mittlerweile »Volksmund« geworden: »Ich glaub, mich tritt ein Pferd«, »Durchlocht« statt Durchlaucht, »Merkwürden« statt Hochwürden und das berühmte »Tschüssikowski«. Rainer Brandt bezeichnete diese sprachliche Art denn auch als »Schnodderdeutsch«. Die Serie wurde in über 80 Länder verkauft und war ein Welthit - mit einer entscheidenden Ausnahme: USA.
Für alle, die nie eine Folge der Serie gesehen haben, hier eine kurze Beschreibung dessen, was »hier so ab geht«:
Der eine ist ein typischer Aristokrat, der andere Amerikaner: Seine »Durchlocht« Lord Brett Sinclair (Roger Moore), als Angehöriger des englischen Hochadels wohlhabend und absolut britisch, ist Experte in Sport, Frauen, Sprachen und Drinks. Danny Wilde (Tony Curtis) wuchs in den Slums auf und hat sich bis zu den Spitzen der Hochfinanz hochgearbeitet. Er war reich und hat alles wieder verloren. Jetzt verdient auch er sein Geld so ganz nebenbei. Der pensionierte Richter Fulton hat den Ehrgeiz, Verbrecher hinter Gitter zu bringen, die durch die Lücken des Gesetzes geschlüpft sind. Er bringt die beiden Playboys zusammen, um einen untergetauchten Gangsterboss zu enttarnen. Aus Langeweile helfen sie Fulton immer wieder unfreiwillig gern und geraten an die unmöglichsten Fälle…
Na, neugierig geworden? Auch ich liebe, neben gepflegter SF, mal einen guten Krimi. Würde ich diese Serien nicht schon mein Eigen nennen, sie stünden bestimmt auf meinem Wunschzettel.