22. April 2002

Logbuch der Redaktion:
Seltsame Post

Im Verlauf der letzten Woche erhielten zahlreiche PERRY RHODAN-Fans einen Brief, mit dem sie nicht gerechnet haben. Ich zitiere auszugsweise aus dem Anschreiben, wobei die Grammatikfehler eins zu eins übernommen wurden: »Sehr geehrter Perry Rhodan Leser, als echter Fan dieser Gemeinde und SF Interessierter, möchten wir Sie heute für etwas ganz außergewöhnliches einladen.« Der Brief kam von einem gewissen New Era-Verlag, und angeblich wurden die angeschriebenen persönliche Meinung als SF Interessierten geht«, was sich schon mysteriös genug anhört. Angeblich wolle man jedem dieser PERRY RHODAN-Leser ein Buch der Reihe »Mission Erde« schicken, kostenlos immerhin. Dabei handle es sich nur um eine Leseprobe, auf die man bis zum 31. Juni 2002 per Brief oder per Mail zu reagieren habe. Jeder, der darauf schreibe, werde an einer Verlosung teilnehmen.

Dem Brief des New Era-Verlags an die PERRY RHODAN-Leser lag ein Verlagsprospekt bei, in dem ausführlicher über die Bücher und den Autor, einen gewissen L. Ron Hubbard, informiert wurde. Schön war eine Formulierung in dem Anschreiben: Wer kein Interesse an der Aktion habe, möge dies doch bitteschön »innerhalb der nächsten 14 Tage kurz schriftlich oder telefonisch« mitteilen. Wer sich nicht melde, bekomme eben ein Buch.

Ein hübscher Plan, bei dem recht schnell klar ist, welchem Zweck er dient. Hinter dem New Era- Verlag steckt niemand anderer als die Scientology Church, die von dem SF- und Fantasy-Autor L. Ron Hubbard gegründet wurde und die - meiner Meinung nach zu Recht - immer wieder heftig für ihre Praktiken kritisiert wird. Der Sektengründer entwickelte seine Ideen vor Jahrzehnten innerhalb seiner Science-Fiction-Romane und übertrug sie dann in eine Religion, für die sich Hunderttausende von Menschen in aller Welt begeistern.

Soweit so gut. Jedem seine Freiheit, seine Religion so auszuüben, wie er mag. John Travolta und Tom Cruise sind mit die populärsten Sektenanhänger, und das ist ihre Sache. Es gibt allerdings sehr viele Gründe, gegenüber der Scientology Church sehr kritisch zu sein: Ihre Praxis des Anwerbens gehört ebenso dazu wie ihr Umgang mit Sektenkritikern. In der entsprechenden Literatur lässt sich das immer wieder nachlesen, das muss ich hier nicht unbedingt zitieren.

Ähnliche Kontaktversuche der Sekte innerhalb der Science-Fiction-Szene liefen bereits in den 80er Jahren, als man sogar zahlreiche Anzeigen in Fanzines schaltete. (Bevor es jemand rausposaunt, gestehe ich ein, dass solche Anzeigen sogar in meinem Fanzine SAGITTARIUS erschienen.) Auf dem SaarCon im Jahr 1988 trat der New Era-Verlag mit einem eigenen Informationsstand auf. In den 90er Jahren gab es weitere Versuche des Verlags und damit der Sekte, im Science-Fiction-Fandom Kontakte zu knüpfen.

Das Muster ist jedesmal dasselbe: Man kauft sich Berge von Fanzines und Romanen und schreibt alle nur erdenklichen Adressen heraus. Dann werden die Menschen, deren Adressen man auf diese Weise herausgefunden hat, mit Briefen belästigt, manchmal sogar angerufen. Das ist lästig und ärgert zu Recht viele Menschen.

Jetzt mal unsere Sicht der Dinge: Die PERRY RHODAN-Redaktion hat keine Adressen weitergeleitet. Es wurden auch keine Adressen von Abonnenten weitergeleitet oder gar verkauft. Wir können uns nur erklären, dass der Verlag die Adresse auf die eben geschilderte »legale« Weise herausbekommen hat.

Wir haben mit unseren Anwälten bereits Rücksprache gehalten und lassen prüfen, inwiefern man gegen solche Machenschaften juristisch vorgehen kann.

Ich kann allen PERRY RHODAN-Lesern bloß den Tipp geben, solche Schreiben so weit wie möglich zu ignorieren oder sie mit dem Vermerk »Annahme verweigert« wieder zurückzusenden. Und wenn das Buch eintrifft, einfach dasselbe machen. Es muss auf gar keinen Fall bezahlt werden!