24. September 2002
Ich bekenne offen, vom Filmgeschäft nichts zu verstehen. Zumindest nicht mehr als jeder andere Laie, der sich über Zeitschriften und entsprechende Berichte zu informieren versucht. Was ich bisher in den Vorarbeiten zur geplanten PERRY RHODAN-Verfilmung mitbekommen habe, trug tatsächlich dazu bei, mein Weltbild in gewissen Dingen zu verändern: Die Regeln des Filmgeschäfts sind »anders«, und vor allem sind sie nicht mit der Arbeit in einem Buch- und Zeitschriftenverlag zu vergleichen.
Umso willkommener das Angebot von
Marcus O. Rosenmüller, die PERRY RHODAN-Redaktion könne doch einmal bei den Dreharbeiten zu »Bloch« zuschauen, die praktischerweise in Karlsruhe und Baden-Baden stattfinden. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, und am Freitag, 20. September, begaben sich
Sabine Kropp,
Miriam Hofheinz und ich am späten Nachmittag zum Hauptfriedhof von Karlsruhe, um dort auf Marcus und sein Film-Team zu stoßen.
Zum Hintergrund: »Bloch« ist eine Reihe der ARD, die vom Südwestrundfunk in Baden-Baden produziert wird. Dabei spielt Dieter Pfaff den Psychotherapeuten Dr. Maximilian Bloch, der - so das Zitat aus dem Info - »seine bisweilen seltsam anmutenden therapeutischen Maßnahmen den spezifischen Erfordernissen der Krankheiten anzupassen weiß. Auf die seelischen Schieflagen seiner Patienten hat er sich spezialisiert und versteht es somit allen hartnäckig verborgenen Ursachen auf den Grund zu gehen - allerdings auf seine Art.«

Eine Rolle, die Dieter Pfaff wie auf den Leib geschrieben scheint. Der Schauspieler, der mit
Marcus O. Rosenmüller zuletzt bei einer Folge der Serie »Der Sperling« zusammengearbeitet hat, genießt bei vielen Fernsehzuschauern im deutschsprachigen Raum mittlerweile Kultstatus. Und er sorgt mit launigen Sprüchen am Set für zusätzliche Unterhaltung ...
Derzeit wird der Film »Silbergraue Augen« gedreht. Insgesamt 18 Schauplätze sind es, wenn ich richtig aufgepasst habe, die vorher vom Team genau begutachtet und ausgesucht werden müssen. An diesem Freitag wurde am Hauptfriedhof und am Hauptbahnhof von Karlsruhe gedreht - wir hatten uns für das Zuschauen bei Tageslicht entschieden. Glücklicherweise spielte das Wetter mit, das an diesem Morgen eher nach Dauerregen ausgesehen hatte, uns aber jetzt verschonte.
Marcus O. Rosenmüller stellte uns, als wir das Film-Team gefunden hatte, als Geschäftspartner vor. »Ihr wisst ja, dass ich bald PERRY RHODAN verfilmen will.« Später kommentierte das Dieter Pfaff, dass eine solche Rolle nicht gerade ideal für ihn sei. »Wenn ich in so einer Rakete sitze und zum Mond fliegen will, hebt die nicht ab, sondern bohrt sich in die Erde.« Marcus spöttelte: »Ich erinnere mich an so einen alten PERRY RHODAN-Roman, da wird einer, der einen Zellaktivator geklaut hat, immer dicker, bis er fast platzt.« Allgemeines Gelächter.
Für uns Laien war der Aufbau des Sets interessant, vor allem auch deshalb, weil Marcus uns immer wieder mit Erklärungen zur Seite stand. Er erläuterte, wie die Kameras aufgestellt wurden, er stellte uns die einzelnen Positionen der Beteiligten dar, und er gab immer wieder zwischendurch Informationen. So war mir beispielsweise die Tatsache wirklich nicht sehr bewusst, wie wichtig beispielsweise der korrekte Faltenwurf bei einem Mantel ist: Das muss bei allen Einstellungen gleich aussehen; nur so kann man hinterher den Film richtig schneiden. Die Tatsache, dass die Haare des Hauptdarstellers exakt gekämmt werden müssen, ist vor diesem Hintergrund auf einmal kein Ausdruck von Stargehabe, sondern zwingende Notwendigkeit: Die Zuschauer würden sich hinterher doch ganz schön wundern, wenn die Haare mal nach links und mal nach rechts abstehen würden.
Dabei war die Szene, bei deren Dreharbeiten wir zuschauten, vergleichsweise harmlos: Bloch kommt aus dem Friedhof heraus, ein ziemlich protziges Auto mit Chauffeur wartet auf ihn, es kommt zu einem kurzen Dialog zwischen Chauffeur und Bloch, dann steigt Bloch in das Auto ein, und die beiden fahren davon.
Mehrmals wurde geprobt und gedreht, natürlich in verschiedenen Einstellungen. Dieter Pfaff drückte dabei aufs Tempo. »Wir müssen uns beeilen, ich werde ja auch nicht jünger«, forderte er. Und: »Wenn ich noch länger auf die nächste Szene warten muss, sieht man bei mir schon die Verfallserscheinungen.« Aber nach einer halben Stunde effektiver Dreharbeit - nach einer Stunde Aufbau und Probe - waren die Aufnahmen im Kasten.
Der Schauspieler, der den Chauffeur verkörperte, wurde vom Team mit Applaus verabschiedet. Das sei so üblich, erläuterte uns
Marcus Rosenmüller: Wenn ein Schauspieler seine Arbeit beendet habe, also »abgedreht« sei, bekomme er stets seinen Applaus. Und so zogen wir drei von der PERRY RHODAN-Redaktion mit zahlreichen neuen Erkenntnissen von dannen...