10. August 2004

Logbuch der Redaktion:
Fest der Fantasie mit PR-Bezug

Das Ziel war klar und eindeutig: Ich fahre zeitig los, ich bin zeitig auf dem Fest der Fantasie, und ich mache mir ein gemütliches Wochenende. Leider wurde einiges anders, als ich es geplant hatte. Doch erst einmal der Reihe nach ...

Als ich am Donnerstag, 5. August, mein Arbeitszimmer in Rastatt verließ, war der Hochsommer auf seinem Höchststand angelangt. Ich verzichtete darauf, sofort meinen Anteil zum Stau auf der Autobahn beizutragen, und entschloss mich, erst später loszufahren. Auf dem Balkon in Karlsruhe ließ es sich bei gekühlten Getränken und der aktuellen Ausgabe des Comic-Magazins »Zack« ganz gut aushalten, und so fuhr ich eben erst um 21 Uhr los.

In der Tat gab es keine Staus auf der Autobahn, und ich kam ohne jegliches Problem nach Alsfeld-Ost, um von dort aus über merkwürdige Landstraßen nach Süden zu fahren. Irgendwann erreichte ich Herbstein, folgte der Wegbeschreibung aus dem Internet und erreichte um zwanzig Minuten vor Mitternacht das CVJM-Gelände unweit der hessischen Stadt in der Region Vogelsberg. Hier fand in diesem Jahr das Fest der Fantasie statt, eine Veranstaltung des Fantasy-Club e.V. und seiner Arbeitsgruppe FOLLOW.

Ich will jetzt nicht im Detail erläutern, was das bedeutet, und verlege mich auf die Kurz-Definition: FOLLOW ist der dienstälteste Fantasy-Club im deutschsprachigen Raum, und seine Mitglieder simulieren die Fantasy-Welt Magira. Ich selbst bin seit nunmehr fast einem Vierteljahrhundert Mitglied in diesem Verein und habe mich dabei meist gut amüsiert. Das Fest der Fantasie ist die jährliche Versammlung des Vereins, zugleich die Veranstaltung, bei der gewissermaßen auch die Geschichtsschreibung der Welt Magira festgelegt wird.

Ich brauchte an diesem Donnerstag abend ein bisschen, bis ich mich orientiert hatte. Das Gelände in Herbstein war unglaublich groß; man konnte sich wirklich darin verlaufen. Ein Grund war auch, dass viele Besucher des diesjährigen Festes schon die gesamte Woche anwesend waren und überhaupt nicht verstehen konnten, warum jemand erst am Donnerstag auftauchte.

Also checkte ich in meinem Schlafquartier ein und begab mich zum ersten Mal aufs Festgelände. Viele Zelten waren aufgebaut worden, in denen einzelne Kulturen der Fantasy-Welt auch optisch simuliert wurden. Ich fand das Zelt des Einhorn-Volkes am interessantesten: eine riesige schwarze Jurte, gut fünf Meter hoch und groß genug, dass locker zwanzig Leute darin um eine Feuerstelle sitzen konnten. Dort traf ich auch auf Hermann Ritter, der nicht nur Vorsitzender der PERRY RHODAN-FanZentrale ist, sondern auch absoluter Aktivist bei FOLLOW, sowie andere Menschen, mit denen ich mich noch gut amüsierte.

Am Freitag, 6. August, war es mir zeitweise zu warm. Nachdem ich mir das große Gelände bei Tageslicht angeschaut - die Veranstaltungsräume, die Zeltplätze - und mit vielen einzelnen Menschen gesprochen hatte, nutzte ich angesichts der Hitze die Chance, bequem im Schatten zu sitzen und PERRY RHODAN-Manuskripte zu lesen. Leider entpuppten sich einige Mitglieder des Fantasy-Clubs als engagierte PR-Fans, die mit allerlei Fragen kamen: »Wann erscheint denn dieser Band? Um was geht es denn bei dem Roman?« Ich widerstand tapfer allen Herausforderungen und verriet nichts über die kommende Handlung.

Hubert Strassl alias Hugh Walker war anwesend; mit ihm unterhielt ich mich über DRAGON und MYTHOR, jene klassischen Fantasy-Serien, die Hubert als Herausgeber zusammen mit unserer Redaktion vor einigen Jahren erst als Buchausgabe bei Weltbild veröffentlicht hatte. Und ich ließ mir von dem stolzen Magazin-Redakteur Michael Scheuch die aktuelle Ausgabe von »Magira«, dem Jahrbuch für Fantasy, aushändigen. Dessen Titelbild ist übrigens von dem ATLAN-Zeichner Hank Wolf - aber mehr habe ich von dem Buch noch nicht gesehen.

Abends fanden auf dem Festgelände die so genannten Magira-Zeremonien statt, die ich an dieser Stelle nicht erläutern kann. Auch hier simulierten wieder die Mitglieder des Vereins ihre Fantasy-Kulturen; alles in allem höchst interessant, mal lustig, mal ernst, mal unterhaltsam, mal langweilig. Ohne ins Detail gehen zu wollen, versichere ich, dass es in dieser Nacht sehr spät wurde ...

Der Samstag, 7. August, stand für mich im Zeichen der Fantasy-Tagung. Wobei auch der Flohmarkt nicht uninteressant war: Erik Schreiber baute einen Verkaufs- und Informationsstand der PERRY RHODAN-FanZentrale auf, und es stellte sich wieder einmal heraus, wie viele Fantasy-Fans gleichzeitig Leser unserer Science-Fiction-Serie sind.

Zwei Programmpunkte gab es, an denen ich mitwirkte. Der bekannte Fantasy-Schriftsteller Kai Meyer stellte sich einer Diskussionsrunde mit Lesern, gab bereitwillig Auskunft über seine Arbeit, seine Erfolge und seine Zukunftspläne. Und Swen Papenbrock, der PERRY RHODAN-Titelbildzeichner, zeigte einige seiner Fantasy-Bilder, ließ sich darüber ausfragen und signierte anschließend - wie Kai Meyer ebenfalls - einige seiner Werke.

Abends fand der Magiranische Abend statt, eine Veranstaltung, die man gesehen haben muss, die ich aber nicht so richtig erklären kann. Unter anderem gab es Gelegenheit, einen singenden Hermann Ritter auf der Bühne zu erleben ... Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ein begeistertes Publikum von einigen hundert Menschen sang begeistert die Refrains mit, und auch Kai Meyer, der den Abend auf dem Fest der Fantasie verbrachte, war positiv überrascht. Der Abend verging in der Folge mit vielen Gesprächen und dem einen oder anderen Glas Wein.

Die Abreise war für mich am Sonntag, 8. August. Wie immer erfasste mich ein gewisses Gefühl der Wehmut, als ich meine Siebensachen packte, diese zum Auto schleppte und dann irgendwann vom CVJM-Gelände verschwand. Die drei Tage eines Wechsels in eine andere Dimension waren nämlich schon wieder vorüber, und jetzt lockte die grausige Welt einer Autobahn bei rund 35 Grad im Schatten ...