5. Januar 2005
Immer wieder taucht in den letzten Jahren in verschiedenen Fan-Diskussionen ein Wort auf, das sehr negativ klingt - und das meist auch negativ gemeint ist. Ich rede von den so genannten Lückenfüllern. Als solche werden von der heutigen Fan-Generation jene Romane bezeichnet, die angeblich die Handlung nicht vorantreiben. Der Begriff ist negativ besetzt, und das ist mir selbstverständlich bekannt. Umso schlimmer, dass der Begriff in der heutigen Diskussion - so denke ich - völlig falsch benutzt wird.
Der Wortteil »Lücke« sagt aus, was ursprünglich gemeint war: Wenn in der Exposé-Planung eine Lücke entstand, musste diese durch einen schnell geschriebenen Roman gefüllt werden. Angeblich passierte dies in den sechziger und siebziger Jahren nicht nur einmal, meist gegen Ende eines Zyklus, wenn die PERRY RHODAN-Autoren feststellten, dass ihre Planung so nicht ganz funktionierte, oder wenn Autoren unverhofft krank wurden. Im Zykluskonzept entstanden auf einmal Lücken, und diese füllte man mit Einzelabenteuern, die mit dem gesamten Zusammenhang der Serie und des Zyklus nicht viel zu tun hatten.
Ein schönes Beispiel dafür war zumindest in den 70er Jahren
Harvey Pattons einziger PERRY RHODAN-Roman »Die Körperlosen von Grosocht« (Band 747), in dem unter anderem
Gucky auftritt und auf einen anderen Ilt stößt, Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Dieser Roman wurde bereits in jener Zeit, als ich selbst PERRY RHODAN-Fan war, als Lückenfüller bezeichnet. Wenn man sich das Werk anschaut, kann man zustimmen - heute würde man vielleicht auch »Gastroman« dazu sagen.
Tatsache ist, dass es heute keine Lückenfüller mehr gibt. Zumindest nicht in der Planung der Exposé-Factory. Es gibt definitiv keine Lücken, die in aller Eile gestopft werden müssen. Die Zyklusplanung steht recht lange im voraus fest, dann werden die einzelnen Exposés geschrieben, häufig nach den Wünschen, Anforderungen und Schwerpunkten der einzelnen Autoren. Angesichts der Ideenfülle, mit der
Robert Feldhoff aufwartet, ist nicht damit zu rechnen, dass ihm am Ende eines Zyklus wirklich einmal die Ideen ausgehen sollten und er mit einer Lücke im Konzept dasteht.
Es ist richtig, dass für so genannte Gastromane gelegentlich Exposés geschrieben werden, die zu einem losgelösten Charakter des Romans führen. Das war bei
Andreas Eschbachs vorzüglichem Gastroman »Der Gesang der Stille« (Band
1935) so, der dieser Tage übrigens im Rahmen der
»Gold Edition« nachgedruckt wurde, und das war auch so beim kürzlich erschienenen Gastroman »Todesspiele« (Band
2235) von
Thomas Ziegler. Beide Romane können losgelöst vom Handlungsgeschehen betrachtet werden, beide Romane sind auch daraufhin konzipiert worden.
Lückenfüller sind sie trotzdem keine. Der Begriff ist heutzutage zweckentfremdet. Was die Kritiker meinen, ist, dass im betreffenden Roman möglicherweise die Handlung nicht so schnell voranschreitet, wie sie es gerne hätten. Wenn in einem Roman nicht eine Überdosis an Informationen über den Leser hereinbricht, wird er von manchen als Lückenfüller bewertet.
Ich halte das für falsch, nicht nur aus den genannten historischen Gründen. In jedem Roman des laufenden Zyklus sind Informationen enthalten, die für den Verlauf des Zyklus von Interesse oder von Bedeutung sind, mal mehr, mal weniger. Manchmal werden kosmische Zusammenhänge gelüftet wie in dem Hubert-Haensel-Doppelband um die
»Blutnacht von Barinx« (Bände
2248/
2249), manchmal aber geht es eben »nur« um die Vorstellung einer außerirdischen Kultur, um die charakterliche Weiterentwicklung einer Nebenfigur oder um die Präsentation einer neuen Waffe. Lückenfüller sind das keine.
Nach meinem Gespür haben wir - um es klar zu sagen - im aktuellen Zyklus keinen Lückenfüller produziert. Zumindest haben wir das nie bewusst so getan, das ist im Konzept nicht vorgesehen. Mancher Roman hat möglicherweise manchen Leser enttäuscht. Aber das eine hat doch - bitte-schön! - mit dem anderen so gut wie gar nichts zu tun.