5. Januar 2005
Logbuch der Redaktion:
Charles Wilp ist tot

© Juan Claret
Ich erinnere mich noch gut, wie Eckhard Schwettmann, unser damaliger Verlagsleiter, das Gespräch auf Charles Wilp brachte: "Der Mann ist total interessant, und der kann viel erzählen." Eckhard wusste sehr viel über Wilp, während ich seinen Namen vorher noch nie gehört hatte. Seine "Produkte" allerdings, die kannte ich selbstverständlich, so wie sie fast jeder Bundesbürger gekannt haben dürfte.
Der 1932 in Berlin - nach anderen Quellen in Witten - geborene Charles Wilp entwickelte im Jahr 1969 den Werbeslogan "Sexy-mini-super-flower-pop-op-Cola" für Afri-Cola, schaffte es zu jener Zeit, eine Verbindung aus aktueller Popkultur und einem deutschen Markenartikel herzustellen. Doch schon zuvor hatte der Werbekünstler durch seine Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht: Mit dem Spruch "Er läuft und läuft und läuft" und der dazu gehörigen Reklame hatte Wilp die Erfolgsgeschichte des VW-Käfer entscheidend mitbestimmt.
In den 70er Jahren wechelte er verstärkt von der Werbung in die Kunst, stellte unter anderem 1972 bei der "documenta" in Kassel aus. In den 80er Jahren interessierte sich Wilp immer mehr für die so genannte Space-Art. Seine "Space Sculptures" aus Forschungsmaterial etwa der Nasa, die er ab Mitte der 80er Jahre produzierte, wurden teilweise beim PERRY RHODAN-Weltcon in Mainz gezeigt. Die Kunstwerke bestanden aus Teilen, die vorher alle im Weltall gewesen waren.
Wilp selbst nahm 1992 an einem Astronauten-Trainingsprogramm der ESA teil, schwebte in 13.000 Metern Höhe über dem Nordatlantik und arbeitete als erster Künstler überhaupt in der Schwerelosigkeit. Von diesen Dingen, von seinen Träumen und seinen Visionen erzählte er beim PERRY RHODAN-Weltcon.
Wir von der Redaktion und vom Veranstaltungsteam lernten Charles Wilp als sympathischen, durchaus charismatischen Menschen kennen. In seinem Overall und mit seinen Kunstwerken wirkte er wie ein Fremdkörper zwischen allen anderen Besuchern des Weltcons, gleichzeitig schuf er sich durch seine offene Art viele Freunde. Für mich war Wilp "durchgeknallt" im positiven Sinn: ein Mann, der durch seine Kunst und durch seine umfangreichen Erfahrungen längst "anders" geworden war, sich aber auf der einen Seite ein gewisses kindliches Gemüt bewahrt hatte.
Mit 72 Jahren ist der Mann jetzt gestorben. In letzter Zeit war es eher still um ihn geworden; er litt unter Krankheiten. Mit Charles Wilp hat die "phantastische Szene" eines ihrer faszinierendsten Aushängeschilder verloren.
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