3. März 2005
Es war laut, die Räume waren verraucht, es gab viel zu trinken, und stets standen zu viele Menschen in zu wenigen Ecken in der geräumigen Wohnung in Berlin-Kreuzberg: Ortstermin Samstag abend an diesem unglaublich kalten letzten Februar-Wochenende des Jahres 2005.
Nachdem ich in Berlin eine Reihe von geschäftlichen Terminen wahrgenommen hatte, widmete ich den Samstag abend den privaten Vergnügungen: Ich ging zusammen mit Freunden und Bekannten auf eine Party in Kreuzberg, unweit der Ecke, an der sich Mehringdamm und Kreuzbergstraße treffen. Ein kalter Wind pfiff durch die Straßen Berlins, und wir ließen uns in bester Laune in die Party-Räume treiben.
Mit mir unterwegs waren unter anderem die Journalistin und Redakteurin Helene Hecke und der Autor Stefan Ernsting, dessen Buch
»Der rote Elvis« sich derzeit großer Beliebheit erfreut. Die beiden kannten auch die Veranstalter sowie schätzungsweise zwei Drittel der anwesenden Menschen, was dazu führte, dass ich recht schnell etwas desorientiert herumstand, nach dem Kühlschrank mit dem Bier suchte und mir dann das Publikum sowie die Räumlichkeiten anschaute.
Zwischen Hochbett und Küche, großem Arbeitszimmer und Diele tummelten sich Menschen aus schätzungsweise einem halben Dutzend Nationen: Amerikaner und Briten, Schweden, Jamaicaner und Israelis, dazwischen Deutsche aus allen Ecken der Republik. Mindestens drei verschiedene Stereo-Anlagen verbreiteten Klänge aller möglichen Schattierungen musikalischer Art.
Ich suchte mir einen Platz in der übersichtlichen Diele, wo ein altertümlich aussehender Plattenspieler stand, der von einem jungen Mann mit Grauzone, Ladyshave und anderen uralten Bands aus der Schweiz gefüttert wurde. Und erst als ich dort stehen blieb, erkannte ich, wohin es mich verschlagen hatte: An der Tür hing ein riesiges PERRY RHODAN-Plakat von
Swen Papenbrock, daneben ein Ausschnitt aus dem
PERRY RHODAN-Kalender 2005. Dazu kamen Plakate von Techno-Veranstaltungen mit ganz eindeutigem SF-Bezug. Ich fühlte mich wie zu Hause ...
Und ich stellte fest, dass es PERRY RHODAN-Fans nun wirklich überall gibt. Erst am Nachmittag hatte ich, als ich mit der U-Bahn durch Berlin düste, am Bahnhof Hallesches Tor einen PERRY RHODAN-Leser gesehen: Der Mann wartete wie ich in der eisigen Kälte auf die Bahn und hatte den aktuellen Roman von
Uwe Anton in der Hand. Vorsichtig trippelte er mal nach links und mal nach rechts, wohl um nicht zu sehr zu frieren, während er mit sichtlicher Spannung den Roman las. Was neben, hinter oder vor ihm passierte, interessierte ihn nicht: Er war, wie ich durch einen Seitenblick feststellte, in seiner Lektüre auf der zweiten Hälfte des Romans angekommen - und das war eindeutig spannender als der Bahnhof in der Kälte.
Ich verlor den Mann aus den Augen und vergaß das Geschehen. Doch jetzt, mitten in der Nacht und auf dieser Party, wurde mir wieder so richtig klar, wie sehr PERRY RHODAN in seinen Ausprägungen buchstäblich überall verbreitet ist. Und wie vielfältig sich die Leserschaft letztlich immer wieder präsentiert ...