18. Mai 2006
Wenn dieses Mal der Exposé-Autor das Logbuch der Woche schreibt, und nicht der Redakteur, so hat das handfeste Gründe. Bessser gesagt kugelrunde, denn PR-Band
2336, veröffentlicht pünktlich zum Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft im Land der Dichter, Denker & PERRY RHODAN-Leser, hat zum Thema ... Fußball!
Welch ein Bombe! Etwa von der Sprengkraft wie Windows vs. Mac, Blond oder Dunkel, Tomte oder Tokio Hotel, Christentum vs. Islam, Plus oder Minus. Wer die Flut der Leserbriefe erlebt hat, die unser erster Fußball-Roman hervorrief, der PR-Roman
2020, »Die Lichtgestalt« von
Uwe Anton, der kennt die Folgen schon. Etwa tausendmal die Drohung »Ich kündige mein Abo, wenn ihr es jemals wagt, noch einmal eine solche Sch***... zu veröffentlichen!« Und tausendmal die preisenden Worte, die dem Exposé-Autor noch im Gehörgang klingeln: «Ihr seid Götter. Jede Woche. Und jetzt auch noch ein Fußballwerk!« Nun ja. Fußball ist eben Religion, im Guten wie im Schlechten.
Natürlich ist Band
2336 immer noch SF, noch immer PERRY RHODAN, von Seite 1 bis Seite 66. Die Fußball-Hasser, die den Unterschied zwischen Gelebtem Satanismus und Fußball nicht erkennen können (wollen), bittet der Autor übrigens schon jetzt um Milde. Bitte den Roman einfach als Spaß an der Freude nehmen!, das Ganze ist vom ersten Absatz an trotzdem PERRY pur. Fußball dient als Kulisse für ein eigentlich erschreckendes Szenario, für die Depression der Menschheit unter Belagerung der Terminalen Kolonne. Die Metapher Fußball transportiert unter der Oberfläche eine Aussage: Menschen lassen sich nicht unterkriegen, auch in düsterschwarzen Zeiten nicht; dies ist die grundlegende Botschaft des Zyklus TERRANOVA. Stehenbleiben, wenn der Sturm weht.
Die Geschichte des Fußballs ist immer auch Kulturgeschichte. Sönke Wortmanns
»Wunder von Bern« z.B. basiert keineswegs auf Fiktion - sondern das Endspiel von 1954 in Bern, in dem Deutschland Weltmeister wurde, hat das Deutschland (auch das der Fußballhasser) geprägt; weil in gewissem Sinn 1954 Deutschland als gefühlte Wirtschaftswunder-Nation wiedergeboren wurde. Man kann dies gut oder schlecht finden, aber es war so. Wer über Fußballkultur liest (nicht über das Spiel, sondern das gesellschaftliche Drumherum), stößt bald auf Fußballspiele in Juden-Ghettos, in Lagern von Kriegsgefangenen ... Oder auf eine Geschichte, die mir noch heute die Kehle im Hals zuschnürt: wie im Biafra/Nigeria der sechziger Jahre ein Bürgerkriegs-Gemetzel unterbrochen wurde, um den göttlichen Pelé am Ball zu sehen. Wirklich wahr.
Der Expo-Autor selbst wurde mit Fußball sozialisiert. Die früheste Erinnerung: Günther Netzer 1972, Pokalfinale Gladbach-Köln, Netzer kommt ins Spiel und erzielt das 2:1 in der Verlängerung. (Fußball-Fans werden wissen, was ich meine, die Szene wurde legendär.)
Seit Monaten schon besteht meine heilige Klo-Lektüre aus dem schlichtweg genialen Magazin »11 Freunde«, eine Zeitschrift über Fußballkultur, die mir die Freude am Fußball-Lesen nach vielen Jahren wiedergab. Ergänzt durch
»Die 10«, ein klasse Fußball-Buch, und den autobiografischen Fan-Roman
»Voll die Latte« von Axel Formeseyn (erste Sahne, macht richtig Spaß).
Und dann habe ich noch eines meiner alten Lieblingsbücher wieder entdeckt:
»Wenn du am Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen«, ein Buch mit Aufsätzen über Fußballfans, gesammelt von Christoph Biermann. Übrigens: Christoph Biermann ist ein Bekannter von Eckhard Schwettmann, dem Autor des Buches
»All-Mächtiger«, seines Zeichens VFL-Bochum-Fan - der dem Exposé-Autor aus dem Vertrieb des Humboldt-Verlags ein paar tolle DVDs zukommen ließ. Darunter die Dokumentation
»Wer braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid« über den VfL Bochum und
»Im Osten geht die Sonne auf« über Energie Cottbus. Herrliche Stücke Underdog-Romantik! - Merke: Beziehungen zu haben, kann ganz schön von Vorteil sein!
Na also, die theoretischen Grundlagen stimmen doch. Wenn
Rainer Castor über
Arkon schreiben kann, kann der Expo-Autor das über Fußball schon lange ... Könnte er, heißt das. Denn »Das Wunder von Terra« wird kein Roman über das Spiel an sich sein, das guckt man besser im Stadion oder am Fernsehschirm. Das Geschehen auf dem Rasen ist Kulisse. Auch Axel Formeseyn schreibt nicht ernsthaft über Spielzüge, Nick Hornby berichtet in seinem legendären
»Fever Pitch« nicht von taktischen Konzepten. Statt dessen geht's um Selbstüberwindung, um Zusammenarbeit, um Gemeinsamkeit, und - na ja - um Liebe geht es auch. Es geht um Schicksale, um
Traitanks und
PRAETORIA, um pararealen Resonanz-Austausch, um das Meistern von Druck in einer Krisenlage. Und natürlich um die unvergleichlichen Terrania Lunatics - die keine Fußballmannschaft sind, sondern eine Kunstflugstaffel, erfunden von Cover-Zeichner
Dirk Schulz, der das »Machwerk« illustriert.
Klar, dass die Produktionsbedingungen inhuman erschwert sind: »Wann kommt der Roman denn jetzt?«, hört der Expo-Autor zweimal täglich. »Wir wollen ja nicht drängeln, aber die Sache mit dem Vorabdruck ... Die Internetpräsenz ... UND ÜBERHAUPT, wo bleiben die nächsten Exposés?«
Ach ja:
Klaus N. Frick und
Miriam Hofheinz, die Dämonen aus der Redaktion, meinen unisono, der Anfang gehört umgeschrieben, das dramatische Auftakt-Geschehen gehöre verlegt, und zwar in die Kabine von Luna Levitator, unserer Helden-Mannschaft. Grummel. Exakt das, was der Exposé-Autor mit Termindruck sich wünscht. (Selbst wenn man Recht hat, man kann ja auch mal den Mund halten, oder?)
Aber wie schon der unvergessene Helmut Schulte wusste: Das Runde muss ins Eckige. Und PERRY RHODAN erscheint jede Woche, auch zum 2336. Mal seit 1961. Das garantiert der Exposé-Autor, egal wer ihm jetzt noch in die Beine grätscht.
PS: Die Solare Meisterschaft von 1345 NGZ ist ohne Goleo. Versprochen.