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Kurzinfo
6. September 2006

Der Science-Fiction WorldCon

 
Der diesjährige  Science-Fiction-WorldCon fand im Großraum Los Angeles statt, genauer in der Stadt Anaheim. Anaheim ist vor allem durch das Disneyland bekannt geworden, in dessen relativer Nähe sich das Convention Center erhebt, in dem der Con ablief. Schätzungsweise 7000 Besucher waren anwesend, die meisten davon aus den USA. Zu den wenigen Deutschen, die den Con besuchten, zählte auch ich - es ging mir unter anderem darum, mich über die aktuellen Entwicklungen der Science-Fiction-Literatur zu informieren und Gespräche zum Thema PERRY RHODAN zu führen.

Eines dieser Gespräche hatte ich unter anderem mit Sascha Mamczak, dem Lektor des Heyne-Verlages. Unter seiner Ägide wird ab November 2006 der »Posbikrieg«-Zyklus erscheinen, der neueste PERRY RHODAN-Sechsteiler im Taschenbuchformat. Ein weiterer wichtiger Gesprächspartner war Werner Fuchs von  Fantasy Productions, der zum Con einige frisch gedruckte Informations-Flyer mitgebracht hatte, die auf die amerikanische Ausgabe des »Lemuria«-Taschenbuchzyklus verwiesen.

Gemeinsam mit Werner Fuchs unterhielt ich mich darüber hinaus lang mit einem möglichen Vertriebs- und Kooperationspartner, mit dessen Hilfe PERRY RHODAN ein weiteres Standbein auf dem amerikanischen Kontinent bekäme. Bei einigen Gesprächen mit Händlern, die in der Verkaufsbörse des Cons ihre Stände hatten, stellte sich heraus, dass PERRY RHODAN durchaus noch bekannt bei diesen Leuten ist und sie großes Interesse an einem neuen Versuch im englischsprachigen Raum hätten.

Aber natürlich gibt es bei einem solchen Con ein umfangreiches Programm, das allerdings kein Besucher auch nur andeutungsweise »mitnehmen« kann. Es gibt viele fannische Programmpunkte - in denen Fans ihre Belange präsentieren und darüber diskutieren -, es gibt Programmschienen, in denen allerlei »phantastisches« gespielt wird oder Filme gezeigt werden, und es gibt das reine Fachprogramm, in dem sich Autoren, Herausgeber und Journalisten präsentieren.

Aber sogar in diesem Fachprogramm muss sich der Besucher zwischen zehn bis zwanzig Programmpunkten entscheiden, die parallel laufen. Abgesehen noch von Autogrammstunden, Kaffeeklatsch-Runden mit prominenten Autoren oder Lesungen einzelner Schriftsteller, von denen es jede Stunde mehrere gab. Wer wollte, bekam sogar eine rein musikalische Pogrammschiene geboten ...

Ich selbst ging vor allem in jene Programmpunkte, in denen Schriftsteller auf dem Podium diskutierten. So ließ ich mir von Jerry Pournelle, dem Altmeister der militärischen Science Fiction, seine Standpunkte erläutern, oder von Kim Stanley Robinson darlegen, inwiefern er der Ansicht ist, dass die globale Erwärmung auch die Vereinigten Staaten bedrohen wird - allein diese zwei Programmpunkte zeigen meiner Ansicht nach die inhaltliche Bandbreite dieses Cons. Ob märchenhafte Fantasy oder knallharte Wissenschaft, politische Diskussionen über die Zukunft oder Referate zur Vergangenheit der SF-Literatur - all diese Themen fanden sich auf dem WorldCon in Anaheim.

Zum Blick in die Vergangenheit gehörte die eindrucksvolle Rede des Altmeisters Ray Bradbury, der unter anderem  »Die Mars-Chroniken« verfasst hatte. Der Autor beschrieb, wie er bereits als Kind mit der fantastischen Literatur konfrontiert wurde, und er sprach über die »Liebe«, die man haben müsse, wenn man Dinge richtig betreiben wolle. Die Liebe zur Fantasie führte ihn zur Science Fiction, und der Blick auf neue Herausforderungen führte ihn durch seine Karriere. Der Saal bedankte sich bei dem Altmeister mit Standing Ovations, die nicht enden wollten; hinterher war die Schlange derjenigen, die sich für ein Autogramm anstellten, ewig lang.

Zur Zukunft gehörten die Verleihungen der Hugo Awards, des wohl wichtigsten Science-Fiction-Preises überhaupt. Neben vielerlei Fan-Preisen sind vor allem die Hugos wichtig, die aktuelle Romane, Kurzgeschichten und Erzählungen auszeichnen. Hier lässt sich erspüren, wohin sich die Science Fiction wohl entwickeln mag. Dass letztes Jahr der Engländer Charles Stross gewonnen hat, ist ebenso zukunftsträchtig wie der Preis für  »Spin«, den neuen Roman von Robert Charles Wilson.

In gewisser Weise lustig war der Preis für die beste Erzählung. Diesen gewann Connie Willis, die zugleich als humorvolle Moderatorin durch die Preisverleihung führte und zudem Ehrengast des Cons war.

Und der Big Heart Award für jahrzehntelanges Engagement ging an Forrest J. Ackerman, den PERRY RHODAN-Fans sicher noch vom PERRY RHODAN-WeltCon her kennen. Diesen Con besuchte Ackerman 1999 als Ehrengast - in seiner roten Jacke stand er auf der Bühne und sang »ich bin von Kopf bis Fuß auf Perry eingestellt«.

Die WorldCons nach amerikanischem Muster sind übrigens eine wahre 24-Stunden-Veranstaltung. Anders gesagt: Im Kongresszentrum wurde zwar recht früh das Licht ausgemacht, danach ging es aber im Hilton Hotel direkt nebenan weiter. Schätzungsweise zehn bis zwölf Room Parties lockten jeden Abend das Volk. Bei diesen Veranstaltungen versuchten andere Con-Organisatoren für ihren geplanten Con zu werben, Verlage luden zu Präsentationen, und einige Clubs boten spezielle Parties an. Ich besuchte beispielsweise eine Party, zu der die Fans des amerikanischen Schriftstellers George R. R. Martin geladen hatten - aber auch so langweilte ich mich an diesen Abenden nun wirklich nicht.

Disneyland habe ich nicht besucht, hierzu fehlten dann doch die Zeit und die Bereitschaft, einen Tag lang in einem riesigen Spielplatz abzutauchen. Mit einigen Begleitern war ich aber in Downtown Disney, dem öffentlichen Teil des Vergnügungsparks, in dem es haufenweise Restaurants, Andenkenläden und anderes gibt - hier aßen wir in einem Restaurant, das an das klassische New Orleans erinnern sollte, sehr lecker zu Abend.

Alles in allem war auch der diesjährige WorldCon wieder ein Erlebnis, das man kaum schildern kann. Schade, dass es Veranstaltungen dieser Art hierzulande nicht gibt und sie in Europa darüber hinaus sehr selten zu finden sind. Allerdings ist der Massenandrang bei den amerikanischen Cons auch nicht jedermanns Sache - wer mit Autoren oder Verlagsleuten direkt sprechen will, ist bei überschaubaren Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum besser bedient.