11. September 2006
Neuerungen in der Science Fiction sind ein schwieriges Thema - das meiste war irgendwie und irgendwann schon da. Das gilt selbstverständlich auch für die PERRY RHODAN-Serie, die sich von Anfang an nie gescheut hat, sich aus dem »großen Topf« bereits vorhandener Science-Fiction-Ideen zu bedienen.
Genannt seien nur der
Hyperraum oder der
Transmitter, die in der amerikanischen Science Fiction anfangs der 60er Jahre längst zum guten Ton gehörten. Der Atlantis-Mythos wiederum oder so Dinge wie das geheimnisvolle Ur-Volk (in der Serie dann die
Lemurer) waren eher deutsche Mythen, die auf Autoren wie Freder van Holk und seine SUN KOH-Reihe sowie noch ältere Geschichten zurück gingen.
Die Idee der
Superintelligenzen war sicher auch schon irgendwie »vorher da«, aber die Art, wie sie bei PERRY RHODAN beschrieben werden, hebt sich stark von der anderen Science Fiction ab. In einem noch stärkeren Maße gilt das für die Idee, im Körper eines Wesen könnten gleich mehrere Bewusstseine leben. Darum geht's nämlich im neuesten PERRY RHODAN-Silberband, der dieser Tage erschienen ist und den ich mir unter diesem Gesichtspunkt noch mal angeschaut habe. Die Rede ist von »Mensch aus dem Nichts«, dem 95. Buch der Silberband-Reihe.
Als die Heftromane »Mensch aus dem Nichts« und »Homo Sapiens X 7« sowie die Folgebände im Jahr 1977 erschienen, gab es bereits grundlegende Arbeiten zur Schizophrenie sowie zum Phänomen der multiplen Persönlichkeiten. Es ist anzunehmen, dass
William Voltz, der damalige Exposé-Autor, sich davon beeinflussen ließ. Das Thema der Konzepte, das er aber daraus entwickelte und welches Thema mehrere Heftromane - und jetzt dieses Buches! - war, ist in der gebotenen Darstellung jedoch etwas sehr eigenständiges und verblüffendes.
Der Roman beginnt nämlich damit, dass Kershyll Vanne auftaucht, der 38 Jahre alte Terraner, in dessen Körper sich zudem die Bewusstseine von sechs weiteren Menschen befinden. Diese wiederum sind sich uneinig, sie streiten, und es dauert eine ganze Weile, bis das neue Wesen sich seiner Umgebung wirklich bewusst wird. Der Kampf ums Überleben beginnt prompt ... Und erst danach kann es damit beginnen, seiner Bestimmung zu folgen.
Das ganze hängt natürlich damit zusammen, dass die Superintelligenz
ES einen gewissen Überdruck entwickelt hat, nachdem sie zwanzig Milliarden terranische Bewusstseine in sich aufgenommen hat. Und das ganze ist darüber hinaus Teil eines gigantischen Plans, in dem die Menschheit einerseits gerettet wird und andererseits - viel viel später! - zur Rettung des Arresums eingesetzt werden soll.
All diese Dinge stehen so noch nicht im vorliegenden Buch; es liefert allerdings den Anfang zu einer faszinierenden kosmischen Entwicklung. Und es bereicherte die Science Fiction insgesamt um eine neue Idee, die es in dieser Form so noch nicht gab.
Autoren des Buches sind übrigens
Hans Kneifel,
William Voltz,
Peter Terrid,
H. G. Francis,
Clark Darlton,
Ernst Vlcek und
Kurt Mahr - eine Mischung, die ein abwechslungsreiches Lesevergnügen garantiert. Zusammengestellt und inhaltlich bearbeitet wurden die Heftromane, die in das Buch eingeflossen sind, von
Hubert Haensel, der erneut ein Bravourstück abgeliefert hat.