Hauptseite

Aktuell Produkte Information Kommunikation Unterhaltung

Kurzinfo
16. Oktober 2006

Atlan und der Mikrokosmos der Varganen

 Atlan ist ohne jeden Zweifel eine der faszinierendsten Gestalten, die in der PERRY RHODAN-Serie und in deren gesamtem Kosmos vorkommen - das belegen immer wieder aufs Neue die ATLAN-Bücher, die auch als »Blaubände« bezeichnet werden. Dieser Tage erschien bereits Band 29 mit dem Titel »Die Versunkenen Welten«, übrigens wieder mit einem sehr schönen Titelbild von  Arndt Drechsler ausgestattet.

Nach wie vor geht es um die Erlebnisse  Atlans mit den mysteriösen Varganen, die gelegentlich auch als Tropoyther oder Leerraumkontrolleure bezeichnet werden. In der Vergangenheit des Perryversums, in der die ATLAN-Bücher spielen, sind die Varganen noch geheimnisvoller als zur aktuellen Handlungszeit - in der Blütezeit des Arkon-Imperiums wusste man über diese Wesen weitaus weniger als  Perry Rhodan und seine Getreuen im 14. Jahrhundert Neuer Galaktischer Zeitrechnung.

 Atlan hat mittlerweile erfahren, dass sie das Geheimnis der Absoluten Bewegung beherrschen und dass sie es immer wieder schaffen, aus ihrem abgeschotteten Mikro- in den Makrokosmos des »normalen« Universums vorzustoßen.  Atlan, der eigentlich vorhat, den Tyrannen Orbanaschol vom Thron seines Vaters zu vertreiben, den sich Orbanaschol durch Mord und Verrat angeeignet hat, wird seit einiger Zeit immer stärker in die Umtriebe der Varganen einbezogen.

Bekanntlich entstanden die ursprünglichen ATLAN-Heftromane, in denen diese Abenteuer geschildert werden, in den Jahren zwischen 1973 und 1977. Die Science Fiction war zu jener Zeit - vor allem im deutschsprachigen Raum - in einem wesentlich stärkeren Maße als heute von Abenteuern und Action geprägt. Kein Wunder, dass ATLAN-exklusiv - Der Held von Arkon gelegentlich mit Augenzwinkern an wissenschaftliche Details heranging und die Autoren ihre Handlung so anpassten, wie es ihnen am besten gefiel.

Wenn  Rainer Castor heute die ATLAN-Heftromane jener Zeit bearbeitet, geht er selbstverständlich behutsam mit dem schon klassischen »Material« um. Veränderungen werden vorsichtig vorgenommen; redaktionelle Eingriffe, Korrekturen, Kürzungen und Ergänzungen beschränken sich auf das nötigste. So bleiben manche Handlungselemente erhalten, die aus heutiger Sicht möglicherweise eher an Fantasy als an wissenschaftliche Science Fiction erinnern.

Trotzdem werden einige Punkte verwissenschaftlicht. Der Mikrokosmos der Varganen ist in der Castorschen Bearbeitung nichts anderes als ein eigenständiges (Miniatur-)Universum außerhalb des vertrauten Raum-Zeit-Kontinuums des Standarduniversums, in dem andere Naturgesetze gelten. Das gilt ebenso für die Übergänge vom einen ins andere Kontinuum, die nach Regeln ablaufen, die auch nach der terranisch-arkonidischen Physik nicht erklärbar sind.

Mich als Leser störte das übrigens nicht: Man weiß schließlich, dass die klassischen Atlan-Abenteuer stets auf die Unterhaltungsschiene setzten, dass es den Autoren mehr auf Action als auf hundertprozentige Handlungslogik ankam und sie vor allem die »krachige« Unterhaltung bevorzugten. Die fünf Romane, die in den vorliegenden Band 29 eingeflossen sind, passen sehr gut auf diese Beschreibung: Ganz unterschiedliche Autoren beteiligten sich daran, und sie alle hatten einen eigenständigen Blick auf die Vergangenheit des Perryversums.

 Rainer Castor verarbeitete in »Die Versunkenen Welten« folgende klassischen ATLAN-Romane: Band 205 »Ein Mond ohne Namen« von  Hans Kneifel, Band 206 »Ein Robot versagt« von  Marianne Sydow, Band 208 »Herr der versunkenen Welt« von  Harvey Patton, Band 209 »Geheimprojekt der Varganen« von  Clark Darlton und Band 210 »Die Hexe von Yarden« von Dirk Hess. Darüber hinaus entnahm er - der Handlungslogik folgend - ein Kapitel in ebenfalls bearbeiteter Form dem Band 215 »Zuflucht der Unsterblichen« von  H. G. Ewers.

Grundlagen für die Romane bildeten Exposés von  William Voltz, der Mitte der 70er Jahre eindeutig der wichtigste Autor für das Perryversum war: Die PERRY RHODAN-Serie strebte von einem Höhepunkt zum anderen, und die ATLAN-Serie lieferte dazu das farbenprächtige Feuerwerk voller bizarrer Ideen und knallbunter Action.

Liest man das Ganze heute als gesammeltes Buch, gründlich bearbeitet von  Rainer Castor, lässt sich das hervorragend nachvollziehen. Die ATLAN-Reihe macht wirklich Spaß - sowohl in der modernen als auch in der klassischen Form der Zeitabenteuer!