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Kurzinfo
27. November 2006

Ein Artikel im »Stern« und seine Folgen

Unter dem Titel »Ein deutscher Held« erschien am 23. November in der aktuellen Ausgabe der Illustrierten »Stern« ein Artikel, der sich mit dem Phänomen PERRY RHODAN auseinandersetzt. Darüber freuten sich nicht nur die Redaktion und das Autorenteam, sondern auch zahlreiche PERRY RHODAN-Leser.

Umso ärgerlicher, dass es in diesem Artikel so viele fehlerhafte Darstellungen und tendenziöse Aussagen gibt. Seit dem Erscheinen des Illustrierten-Beitrages sind in der PERRY RHODAN-Redaktion unzählige Leserreaktionen eingetroffen: Anrufe ebenso wie Briefe und Mails. Allgemein herrscht Unverständnis vor, teilweise offene Empörung. Aus diesem Grund möchte ich zumindest an dieser Stelle hier meine Meinung kund tun.

Festzustellen bleibt, dass ein solcher Artikel in einem Medium wie dem »Stern« eigentlich eine gute Werbung ist: Das Hamburger Magazin hat eine hohe Auflage; jede Ausgabe wird zudem meist von mehreren Menschen gelesen. Anders gesagt: In einem echten Massenmedium wurden Millionen von Lesern einmal wieder auf PERRY RHODAN aufmerksam - das ist eigentlich eine sehr gute Werbung für unsere Serie, die vor allem von Ex-Lesern mit Interesse wahrgenommen werden wird.

Aus diesem Grund hat beispielsweise sowohl unser Team als auch der Hannibal-Verlag (auf dessen Buch  »All-Mächtiger« verwiesen wird) die »Stern«-Redaktion gern mit kostenlosem Bildmaterial und vielen Informationen unterstützt. Nur schade, dass der Autor des Artikels - der sich im übrigen nie an die Redaktion gewandt hat, um direkte Informationen zu erhalten - lieber das geschrieben hat, was ihm ins Konzept zu passen schien.

Feststellen kann das jeder PERRY RHODAN-Kenner beim einfachen Lesen des Artikels. Wer behauptet,  Perry Rhodan habe auf dem Mond ausgerechnet  Atlan als Kommandanten der Außerirdischen getroffen, hat entweder schlecht oder eben gar nicht recherchiert. Was der Arkonide  Atlan mit der Einigung der Menschheit zu tun hat oder warum  Karl-Herbert Scheer ein »vom Lauf der Geschichte frustrierter U-Boot-Ingenieur« sei (am Ende des Zweiten Krieges war Scheer ein Jugendlicher; am Krieg hat er nie aktiv teilgenommen), geht aus dem Artikel nicht hervor.

Die spöttische Bemerkung des Artikelschreibers,  Andreas Eschbach - der Name wird selbstverständlich falsch geschrieben, ein weiteres Beispiel für die wenig geglückte Recherche - sei ein Unterhaltungshandwerker, passt in das Gesamtbild des schlechten Recherchierens. Man könnte jeden Satz des Artikels auf seine Fehler überprüfen und könnte fündig werden. Wenn es denn sinnvoll wäre ...

Umso ärgerlicher allerdings die politischen Ausfälle des Journalisten. Er zieht eine Linie von der sogenannten Welteis-Lehre zum Atlantis-Mythos, um auf diese Weise die Verbindung von  Perry Rhodan und  Atlan herstellen zu können. Damit wiederum »beweist« er, dass sich die Gründungsautoren der Serie bei alten Mythen der Nationalsozialisten bedient hätten.

Wer sich allerdings ernsthaft mit den Ursachen (und mörderischen Folgen) des NS-Regimes befasst hat, wird dies nicht belegen können. Die Welteis-Lehre, die auch in der NS-Zeit nur von wenigen Wissenschaftlern verfolgt wurde, gehört ebenso wie Atlantis oder die Geschichte verschollener Zivilisationen zu einem Mythenschatz, der schon vor dem Ersten Weltkrieg und in der sogenannten Zwischenkriegszeit von populären Unterhaltungsschriftstellern genutzt wurde.

Die Autoren  Karl-Herbert Scheer und  Walter Ernsting alias  Clark Darlton griffen auf diese Leseerfahrungen ihrer Jugendzeit zurück, als sie 1960 damit beauftragt wurden, PERRY RHODAN zu entwickeln. Der stets antifaschistische und während seiner Dienstzeit auch vor dem Kriegsgericht stehende Walter Ernsting hatte beispielsweise nicht das geringste übrig für die Herrenmenschen-Ideologie der Nazis, und in seinen Romanen lässt sich dieser Gegensatz jederzeit nachweisen. Aber er bediente sich ebenso wie Scheer gerne an alten Mythen; aus diesen schöpften im übrigen stets alle Unterhaltungsautoren, nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum.

Die Nähe der frühe PERRY RHODAN-Serie zur Thule-Gesellschaft, zu Rudolf Heß und Heinrich Himmler, die der Artikel herstellt, ist tendenziös, nicht zu belegen und für die heutige Leser-Generation beleidigend. Bei den heutigen Autoren, die in ihren politischen Ansichten ein breites demokratisches Meinungsspektrum abdecken, herrscht angesichts dieses Artikels ebenfalls blankes Unverständnis vor.

Ich weiß nicht, welche PERRY RHODAN-Romane der Autor des »Stern«-Artikels gelesen hat. Zu vermuten ist, dass er sich bei seiner Lektüre an Stichpunkten orientierte und ansonsten »aufgeschnapptes Wissen« verbreitete. Beweisen kann ich das nicht; es fehlt mir ein wenig die Muße, mich ernsthaft mit einem solch schlecht recherchierten Artikel auseinanderzusetzen.

In den letzten Jahren hat eine Reihe von Wissenschaftlern - unter anderem im Rahmen einer Fachtagung in Berlin - die Vorwürfe aus den späten 60er Jahren wiederlegt, die PERRY RHODAN-Serie vertrete »faschistische« oder sonstwie ins Rechtsradikale irrlichternde Ansichten. Umso ärgerlicher, dass die vorgeblich so seriöse Illustrierte »Stern« in ihrem Beitrag zu 45 Jahren PERRY RHODAN auf diese Vorurteile zurückgreift ...