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Kurzinfo
28. Dezember 2006

Mit Gisbert Haefs auf in die Zukunft

Das Science-Fiction-Seminar vom 15. bis 17. Dezember 2006 stand unter dem Motto »Auf in die Zukunft!« An diesem Wochenende ging es an der  Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel darum, wie man Kurzgeschichten innerhalb des Science-Fiction-Genres schreiben, verbessern und vielleicht auch veröffentlichen kann. Als Dozenten waren der Schriftsteller und Übersetzer Gisbert Haefs sowie ich geladen; verantwortlich für die Abfolge des Seminars war Dr. Olaf Kutzmutz, der literarische Leiter der Bundesakademie.

Mir selbst persönlich bringen solche Seminare immer sehr viel, wenngleich ich als Dozent die Aufgabe habe, den Besuchern etwas zu vermitteln. Aus diesem Grund betrachte ich stets die Gespräche zwischen den einzelnen Arbeitsphasen als etwas sehr Wichtiges: Die einzelnen Autorinnen und Autoren lernen am meisten, wenn sie untereinander diskutieren, wenn sie ihre Meinungen austauschen und wenn sie sich selbst und ihre Arbeit kritisieren.

So auch an diesem Wochenende: Auffallend war die gute Mischung der Seminarteilnehmer. Als professioneller Autor hatte sich beispielsweise Thomas R.P. Mielke eingefunden, seit Jahrzehnten als Verfasser historischer Romane sowie von SF-Romanen bekannt. Andere Teilnehmer hatten teilweise als freie Journalisten, Autoren von Handbüchern oder auch als Rollenspiel-Erfinder einen Namen gemacht. Eine sehr bunte Mischung also, bei der einem nicht langweilig werden konnte.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und nach einem Redaktionsgespräch mit Gisbert Haefs, in dem dieser aus seiner abwechslungsreichen Karriere berichtete, ging es bereits an die erste Arbeitsphase. Wir besprachen jene Kurzgeschichten, die von den Teilnehmern im voraus eingereicht worden waren. Alle Texte waren zu einem Reader aufgebunden und vorab verschickt worden, so dass alle genügend Zeit hatten, sich damit zu beschäftigen.

Wir diskutierten die Geschichten inhaltlich wie stilistisch: Passen die Figuren, verhalten sie sich korrekt? Stimmt das Gesamtbild der Welt, in der sie sich bewegen? Wirkt die gesamte Geschichte überhaupt glaubhaft auf den Leser? Und muss man wirklich so in den Text einsteigen, wie es der Autor der jeweiligen Geschichte getan hat.

Unser Programm ging bis nach 22 Uhr, danach hatten wir nicht einmal die Hälfte aller Texte besprochen. In kleinen Runden ging es bei dem einen oder anderen Bier oder Wein noch recht lange weiter. Als ich nach Mitternacht irgendwann ins Bett ging, diskutierte immer noch eine Gruppe von Autoren in der gemütlichen Sitzecke des Gästehauses.

Am Samstag morgen stellten Gisbert Haefs und ich nach einigen theoretischen Vorarbeiten eine Aufgabe: »Beschreibe in fünf Sätzen, wie eine Figur einen Raum betritt.« Das mag sich jetzt vielleicht einfach anhören, ist in Wirklichkeit aber sehr schwer. Immerhin sollte mit der Szene ja auch ein gewisses Bild vermittelt werden.

Im Verlauf des Samstags besprachen wir weitere Texte, diskutierten die »Fünf-Satz-Szenen« und zeigten anhand praktischer Beispiele, wie sich Texte stark verbessern lassen. Am späten Nachmittag gab es eine neue Schreibaufgabe: Die Autoren sollten einen aus maximal zehn Sätzen bestehenden Anfang einer Kurzgeschichte erfinden.

Meine Forderungen an die gewollte Kurzgeschichte formulierte ich mit Absicht als sehr anspruchsvoll. Sie sollte spannend sein, dürfe auf gar keinen Fall langweilen und müsse den Leser sofort in das Geschehen »hineinziehen«. Aber sie sollte auch stimmungsvoll sein und eine gewisse Romantik vermitteln; das Oberthema sei nämlich »Romantik in der Science Fiction«. Damit gaben wir den Teilnehmern harten Stoff - aber sie knieten sich vorbildlich rein.

Den Höhepunkt des Samstag abends bildete eine öffentliche Lesung von Gisbert Haefs. Der Autor entpuppte sich dabei als Entertainer, der sein Publikum mit »unanständigen Geschichten« zu unterhalten wusste. Gelacht wurde viel, und der Beifall war dem Vortragenden hinterher sicher. Dass abschließend weiter im kleinen Kreis in der Sitzecke diskutiert wurde, versteht sich fast von selbst.

Der Sonntag morgen gehörte dem Besprechen jener Texte, die von den Teilnehmern am Samstag mittag geschrieben worden waren. Manche hatten den Abend dazu genutzt, ihre Texte zu bearbeiten. In einigen Fällen hatte das auch durchaus sinnvolle Ergebnisse mit sich gebracht: Die meisten Story-Anfänge lasen sich sehr gut, zeigten vor allem aber auch, wie vielfältig die Ansichten von Autorinnen und Autoren sind, was sich eigentlich unter dem Begriff »Romantik« verbirgt.

Thomas R.P. Mielke brachte es auf einen praktikablen Nenner: »Gefühle in einer Geschichte sind dann romantisch, wenn man sie ›empfindet‹. Sobald die Gefühle aber ›wallen‹, wird es kitschig.« Ein zusätzlicher Lerneffekt also über das Thema Science Fiction hinaus - das fand ich persönlich sehr interessant.

Wie immer war der Aufenthalt in Wolfenbüttel nicht nur für die Seminarteilnehmer eine wichtige Erfahrung, sondern auch für mich als Dozent. Schon jetzt freue ich mich auf die Seminare im Jahr 2007: Science-Fiction-Roman mit  Andreas Eschbach im Januar, Science-Fiction-Kurzgeschichte mit  Uwe Anton im Dezember. Zumindest für das Seminar im Dezember 2007 sind noch Plätze frei!