10. Januar 2007

Logbuch der Redaktion:
Lemurer in besonderen Umständen

Vorwarnung der Redaktion: Der folgende Text enthält »Spoiler«, also Hinweise auf die Romanhandlung der nächsten Wochen. Auch wenn nicht viel verraten wird, gibt es doch einige interessante Hinweise ... Wer diese nicht lesen will, möge dieses Logbuch ignorieren!

Mit einem faszinierenden neuen Handlungsschauplatz wartet der demnächst erscheinende Doppelband von Michael Marcus Thurner auf: Der in Wien lebende Autor beschreibt nämlich eine Kultur von Menschen, genauer von Lemurerabkömmlingen, die sich über 50.000 Jahre hinweg praktisch abgetrennt vom Rest der Milchstraße oder auch dem Rest des Universums entwickelt hat. Soweit in aller Kürze zum Hintergrund des nächsten Thurner-Doppelbandes.

Los geht es mit »Quartier Lemurica«, dem Band 2369 der größten SF-Serie der Welt: Gekonnt führt MMT, wie die Fans den Namen des Autors mittlerweile abkürzen, in eine fantastische Umgebung ein: Es geht um einen Planeten, der in einem geheimnisvollen System von drei riesigen blauen Sonnen existiert, ein System also, das künstlich angelegt wirkt, weil es unter »normalen« Umständen so nie entstehen könnte.

Auf dieser Welt - sie heißt Arkan-Raphan - leben seit über 50.000 Jahren die Nachkommen lemurischer Siedler, die längst eine eigene Kultur ausgebildet haben. Allerdings mit einigen Problemen und Schwächen, auf die der Untertitel vorsichtig hinweist: »Am Sonnentransmitter Nagigal - einen Sternenvolk zwischen zwei Extremen«. Über Jahrzehntausende hinweg hat man nämlich so Dinge wie eine Geburtenkontrolle ignoriert, und zu den Folgen zählt unter anderem eine extrem starke Überbevölkerung.

Doch wie verändert sich eine Gesellschaft, die seit Zigtausend Jahren ohne Impulse von außen existiert, wenn es auf einmal Besucher aus einer anderen Galaxis kommen? Vor allem, wenn es auch noch Besucher sind, deren Aussehen die absoluten Urängste wecken?

Das ist dann auch eines der Themen im zweiten Teil des Doppelbandes: Unter dem Titel »Die Milliardenstadt« wird Band 2370 in den Handel kommen. Es geht um die weitere Entwicklung innerhalb des Dreisonnensystems, es geht um einen Erstkontakt - und es geht natürlich darum, wie sich Menschen und Lemurer unter den neuen Bedingungen verhalten.

Michael Marcus Thurner legt bei seinen Romanen schon immer Wert darauf, persönliche Beziehungen zwischen den Hauptfiguren zu schildern und diesen besonderen Stellenwert beizumessen. Kein Wunder, dass auch in diesem Doppelband nicht das große kosmische Geschehen im Vordergrund steht, sondern die Situation einer Welt aus der Perspektive eines einzelnen Lemurers geschildert wird.

Mir haben beide Bände enormen Spaß bereitet. Sie zeigen, welche Möglichkeiten in einem Heftroman stecken, und sie beweisen, dass man auf zweimal 64 Seiten tatsächlich einen glaubhaften Einblick in eine fremde Gesellschaft geben kann - die nicht nur einmal ein Zerr- und Spiegelbild unserer heutigen Welt ist. Sehr schön!