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Kurzinfo
15. März 2007

Der Redakteur erinnert sich: Unser erster Buchmesse-Prospekt

 
Der Sommer und der Herbst 1995 waren für die PERRY RHODAN-Redaktion eine Zeit großer Umbrüche - sowohl, was die inhaltliche Ausrichtung der Serie als auch die personellen Konsequenzen daraus betraf. Zum damaligen Zeitpunkt bestand die Redaktion aus mir als Redakteur und  Sabine Bretzinger als Redaktionsassistentin. Dr. Florian F. Marzin war damals in Personalunion der Chefredakteur aller Heftromanserien - also eben auch PERRY RHODAN - sowie Programmleiter der Buchverlage Moewig, Zsolnay, Neff und Hestia, die damals alle in Rastatt im selben Verlagsgebäude zusammengefasst waren.

Seit Beginn des Jahres wirkte aber ein neuer Verlagsleiter für die Buchverlage sowie für die noch existierenden Heftomane: Bernhard Maurer war eigentlich Kaufmann und hatte vor seinem Arbeitsbeginn in Rastatt wenig mit Büchern zu tun gehabt, hatte sich vielmehr in allgemeinen Marketing-Bereichen betätigt. Seine Aufgabe war wohl, mit einem Sparkurs die kriselnden Buchverlage auf neue Höhen zu bringen und insgesamt Teile des Verlagesgeschäfts zu sanieren.

Das blieb selbstverständlich nicht ohne Konflikte, und im Verlauf des Sommers 1995 verließ Dr. Florian F. Marzin den Verlag. Zurück blieben Sabine Bretzinger und ich, die sich auf einmal in einem undurchsichtigen Konflikt wiederfanden.

Allerdings eröffneten sich nun ganz neue Chancen: Bernhard Maurer sah als Verlagsleiter die Möglichkeiten, PERRY RHODAN in eine neue Richtung zu entwickeln - er wollte aus der Heftromanserie mit Buchausgaben eine Multimedia-Serie formen, die innerhalb weniger Jahre mit großen Verfilmungen und Computerspielen ein ganz neues Publikum erreichen sollte.

Der erste Schritt aber, so wandte ich bei einem dieser Gespräche vorsichtig ein, sei doch, überhaupt erst einmal »richtige Werbung« zu machen und »anständiges Prospektmaterial« anzubieten. Ich verwies auf die Frankfurter Buchmesse im Oktober 1994, bei der es kein einziges PERRY RHODAN-Prospekt gegeben hatte und die eigentlichen Moewig-Prospekte frühzeitig ausgingen. Ebenso erinnerte ich ihn an die vielen Anfragen von Fans und auch Außenstehenden, die weitere Informationen zu unserer Serie wünschten.

Und dann stellte ich eine Frage, die einem vielleicht heute albern vorkommt: Ob es denn möglich sei, zur Buchmesse im Herbst 1995, die schon vor der Tür stand, einen PERRY RHODAN-Prospekt zu drucken? Eine A4-Doppelseite könnte genügen, schöner wäre natürlich ein in der Mitte gefalztes A3-Blatt. Darauf könnte man einige wertvolle Informationen unterbringen, die bisherigen Bücher vorstellen und vor allem auf die neuen Titel hinweisen. Farbig müsse das gar nicht sein, aber vielleicht könnten wir uns die Zusatzfarbe rot oder blau leisten, damit man zumindest einen bunten Schriftzug drucken könne.

Maurer sah mich recht irritiert an, und ich dachte schon, ich hätte etwas Ungebührliches gefragt. In Wirklichkeit dachte er in dieser Sekunde wahrscheinlich, ich wolle ihn veräppeln. »Das ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit«, sagte er dann in seiner manchmal polternden Art, »und wir machen da auch gleich einen knalligen Prospekt, vierfarbig und sechs Seiten umfassend, so ein schönes, großes Leporello.« Ich solle mich mit dem Marketing des Buchverlags zusammensetzen und dann die Agentur beauftragen - aber schnell, denn die Buchmesse sei ja bald.

Das war die Geburtsstunde des PERRY RHODAN-Marketings, wenn ich mir das heute so überlege, und es war vor allem die Geburtsstunde des PERRY RHODAN-Buchprospektes. Nachdem ich auch die Kollegen vom Buch-Marketing überzeugt hatte (»Werbung für PERRY RHODAN-Bücher brauchen wir doch nicht; die verkaufen sich von selbst, und das kostet ja alles nur Geld.«), konnte ich die Agentur Zeuner damit beauftragen, den Prospekt zu gestalten.

Die »Zeuners«, wie wir sie nannten, gestalteten ein eigenes Titelbild, das im weitesten Sinne nach PERRY RHODAN aussah, ich dachte mir einen knalligen Text aus, in dem ich die Serie in sechs Sätzen zusammenfasste - und es wurde ein schicker Prospekt. Alle damals 53 PERRY RHODAN-Bücher, alle sieben ATLAN-Bücher, unser Risszeichnungsband und das fünfbändige PERRY RHODAN-Lexikon wurden präsentiert. Auf der Rückseite stellten wir darüber hinaus die Heftserie sowie die Nachauflagen vor, garniert durch einen allgemein erklärenden Text. Eine Internet-Seite gab es damals noch nicht, das hielten die Verantwortlichen bis zum Sommer 1995 alle für »Mumpitz« oder »Kokolores«.

Wir waren mächtig stolz auf unseren neuen Prospekt, und auf der Buchmesse im Oktober 1995 standen die PERRY RHODAN-Bücher auf einmal wesentlich besser da. Auf dieser Buchmesse wurden im übrigen die letzten Weichen zum geplanten THOREGON-Zyklus innerhalb der Heftromanserie gestellt; gleichzeitig erschütterte uns die Nachricht vom Tod unseres langjährigen Titelbildzeichners  Johnny Bruck.

Das Jahr 1995 war eine Zeit großer Umbrüche für die PERRY RHODAN-Serie - und der erste farbige Prospekt, der sich mit den PERRY RHODAN-Büchern beschäftigte, war hiervon nur ein Teil. Aber es ist einer jener Bestandteile dieses Jahres, an die ich gerne zurückdenke.