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Kurzinfo
18. März 2008

Der Redakteur erinnert sich: Die Taschenbücher wechseln erstmals den Verlag

Nachdem ich im November 1992 meine Stelle als Redakteur in der Verlagsunion Pabel-Moewig angetreten hatte, übernahm ich verschiedene Aufgaben, die vorher Günther M. Schelwokat zu leisten hatte. Dazu zählte unter anderem die redaktionelle Bearbeitung der Taschenbücher, inklusive der Planung der Reihe.

Diese hießen zu jener Zeit offiziell »Planetenromane« und erschienen als Taschenbuch-Reihe im Moewig-Buchbereich. Allerdings hatten die PERRY RHODAN-Taschenbücher ein Problem: Sie saßen gewissermaßen zwischen zwei Stühlen. Der Buchverlag, der in jener Zeit zu »neuen Ufern« aufbzubrechen gedachte (unter anderem wurden die Buchverlage Zsolnay, Neff und Hestia eingegliedert und neue Hardcover-Reihen gestartet), wollte sich von den trivialen Reihen trennen. Der Zeitschriftenbereich, über den die Taschenbücher zeitweise vertrieben wurden, hatte zudem die Absicht, sich stärker auf großformatige Zeitschriften zu konzentrieren.

Zu allem Überfluss sprach die Zeit gegen Romanserien und ihre »Ableger«: Zwischen 1986 und 1992 hatte der Verlag den Großteil seiner Heftromane eingestellt, ebenso Taschenbuchreihen wie »Mister Dynamit«, die weiteren sollten bald folgen.

Insofern war es durchaus nachvollziehbar, dass bereits anfangs 1993 Gespräche über die PERRY RHODAN-Taschenbücher geführt wurden. Diese verliefen aber so weit »hinter den Kulissen«, dass weder die Autoren noch die Redaktion etwas davon mitbekamen. Aus diesem Grund fiel ich aus allen Wolken, als ich im März 1993 erfuhr, dass die PERRY RHODAN-Planetenromane künftig als ein Lizenzprodukt im Wilhelm Heyne Verlag in München publiziert werden sollten.

Hatte ich bislang die Manuskripte an die hausinterne Herstellung weitergeleitet, die daraus dann die fertigen Taschenbücher machte, musste ich nun künftig mit Kolleginnen in München zusammenarbeiten. Für mich als jungen Redakteur bedeutete es eine starke Umstellung, für die Autoren war es sicher eine große Überraschung.

Immerhin waren die Planetenromane jahrzehntelang wie Heftromane behandelt worden, nur eben mit einem höheren Umfang: Sie wurden recht kurzfristig eingeplant, der redaktionelle Vorlauf betrug maximal ein Vierteljahr, und die Herstellung lief im Verlag selbst ab. Wir gaben die Taschenbuch-Manuskripte ebenso ab wie die Manuskripte für die Heftromane: ein Stapel Papier, der in der Setzerei »erfasst« wurde, um dann eben in die weitere Produktion zu gehen.

Künftig aber musste nach den Gepflogenheiten eines »richtigen« Buchverlags gearbeitet werden. Das hieß konkret, dass wir die Taschenbücher richtig einplanen mussten - und zwar in Form von Halbjahresprogrammen, die ein Jahr im voraus zu erstellen waren. Für Heyne-Lektoren war das völlig normal, für die Redakteure eines Zeitschriftenverlages erst einmal neu.

Aus diesem Grund »nötigte« ich einige Autoren dazu, mir ihre Konzepte früher einzureichen. Und da ich wusste, dass  Robert Feldhoff sehr gut schreiben konnte, bat ich ihn darum, den ersten Roman zu verfassen. »Terra in Trance« spielte in der Zeit der Simusense, und ich ging davon aus, dass dieses Cyberpunk-lastige Thema möglicherweise auch die Fans der allgemeinen Science Fiction interessieren könnte, die normalerweise Heyne-SF-Titel kauften.

Auch bei der Auswahl der nächsten Heyne-Taschenbücher, die von  Peter Terrid,  Susan Schwartz,  Horst Hoffmann,  Kurt Mahr und  Hans Kneifel geschrieben werden sollten, legte ich Wert auf Inhalte, die außerhalb der PERRY RHODAN-Szene verständlich sein sollten. Und ich hoffte, dass der neue Vertriebspartner entsprechenden »Druck« machen würde, damit wir auch gut verkaufen könnten.

Nachdem ich diese grundsätzlichen Dinge erledigt hatte, verfasste ich am 31. März 1993 einen Brief an das damalige Autorenteam, in dem ich die Kollegen über die neue Situation informierte. Ich schrieb mit einiger Begeisterung über die Vorteile, die ich mir davon erhoffte: »Durch einen anderen Vertriebsweg kommen wir somit in den Buchhandel und sind somit besser präsent.« Auch einen weiteren Punkt führte ich positiv an: »Über die Backlist sind die Taschenbücher für die Leser auch nach längerer Zeit noch erhältlich.«

An diesem Tag glaubte ich tatsächlich daran, dass alles gut gehen würde. Anfangs hatte ich mich skeptisch gezeigt angesichts der neuen Vertragssituation, dann aber fand ich diese immer besser. PERRY RHODAN kehrte gewissermaßen zurück in die Türkenstraße in München: Dort hatte die Serie 1961 begonnen, als Moewig und Heyne noch unter einem Dach zusammengehört hatten, und dort kam PERRY RHODAN jetzt zumindest wieder im Taschenbuch heraus. Ich versprach mir sehr viel von dieser neuen Zusammenarbeit und startete so voller Euphorie in das neue Taschenbuchprogramm.