10. Oktober 2008

Logbuch der Redaktion:
Dorian - Im Bann der Dämonen


Hörspiele aus dem Horror-Genre sind ja schon so ne Sache für sich. Entweder man mag sie oder nicht. Ich gehöre zu denen, die sie nicht besonders mögen. Dass ich nun ein Logbuch zu einem Hörspiel aus eben diesem Genre schreibe, verdanke ich nicht der Boshaftigkeit meines Chefredakteurs, sondern PERRY RHODAN-Autor Christian Montillon. Vor geraumer Zeit unterhielten wir uns über unsere jeweiligen Lieblingshörspiele. Dabei lobte er »Dorian Hunter« in den Himmel und machte mich trotz meiner Aversion mächtig neugierig. Als mir dann wenige Tage später Klaus N. Frick die ersten drei Folgen der Neuvertonung auf den Tisch legte, war die Neugier zu groß. Bereitwillig nahm ich die CDs an mich und verschlang sie innerhalb kürzester Zeit bei den Autofahrten zur Arbeit.

Die Handlung ist schnell erzählt: Einer inneren Eingebung folgend, reist der junge Reporter Dorian Hunter gemeinsam mit seiner Frau Lilian ins entlegene Dörfchen Asmodia. Auf den Weg dorthin kriegen die beiden Gesellschaft von neun skurrilen männlichen Gestalten, die das gleiche Ziel zu haben scheinen, das erwürdige Anwesen derer von Lethian. Im Schloss selbst erfahren Dorian Hunter und seine Reisekumpanen, dass sie allesamt die Söhne des Fürsten der Finsternis sind und nun ihre Plätze an der Seite ihres Vaters einnehmen sollen. Doch nach trauter Familienidylle steht Dorian überhaupt nicht der Sinn. Als sein Vater wenig später Lilian an die Wäsche will, ist für ihn endgültig Schluss mit lustig: Dorian nimmt den Kampf gegen die Dämonen im Allgemeinen und seine Familie im Besonderen auf - und stößt dabei auf die Abgründe seiner eigenen Seele ...

Die Idee des Dämonenkillers Dorian Hunter entstammt einer Heftromanserie, die in den 1970er Jahren beim Pabel-Verlag erschienen ist. Zwar wurde das Horror-Genre mit dieser Serie nicht revolutioniert, dennoch aber konnte sie im Laufe der Jahre eine treue Fangemeinde aufbauen, und es sogar auf mehrere Hörspielfassungen (Europa und Nocturna Audio) bringen. Die mir nun vorliegende Version vom Zaubermond-Verlag ist die dritte im Bunde - und, soviel sei schon jetzt verraten, die mit Abstand beste!

Die Sprecher halten sich mit ihrer direkten Sprache sehr wirklichkeitsnah. Die Dinge werden beim Namen genannt, es wird nichts verschönt. Derartiges kannte ich bisher noch nicht aus Hörspielen, und allmählich erhalte ich eine Ahnung, warum die Heftromanreihe in den 80er Jahren auf dem Index stand. Dieser Gefahr sehen sich die Hörspiele natürlich nicht ausgesetzt. Dennoch driftet die direkte Art der Dialoge in mancher Szene zu sehr ins Vulgäre ab und schrammt auch mal haarscharf am guten Geschmack vorbei. So gibt es in der dritten Folge »Der Puppenmacher« eine Vergewaltigungsszene, die zwar nicht ausladend und detailliert beschrieben wird, dennoch aufgrund der unglücklichen stimmlichen Betonung unschöne Assoziationen hervorruft. Wer an diese Stelle gelangt, weiß, wovon ich rede. Glücklicherweise sind solche Momente sehr rar gesät und trüben nicht den Gesamteindruck der tollen Hörspielreihe.

Die Sprecher wurden durch die Bank weg erstklassig ausgewählt und passen hervorragend zu ihren Charakteren. Lediglich Martin Semmelrogge schießt meines Erachtens bei der Verkörperung eines Wahnsinnigen etwas über das Ziel hinaus. Auch macht mir die Stimme des Leichenbestatters sehr zu schaffen, der seine Stimme vom bekannten Synchronsprecher Santiago Ziesmer verliehen bekommt. Wer SpongeBob Schwammkopf kennt, dürfte diese Stimme sofort im Kopf haben. Und wer auch nur eine Folge dieser knallbunten Zeichentrickserie gesehen hat, wird seine liebe Not damit haben, einen gruseligen Leichenbestatter vor seinem geistigen Auge zu sehen.

Noch eine musikalische Anmerkung: Der »Dorian Hunter«-Titelsong stammt von NDW-Legende Joachim Witt, der mit Liedern wie »Der Goldene Reiter« und »Die Flut« zwei riesige Hits am Start hatte. Der »Dorian-Hunter«-Song kann mich jedoch so gar nicht überzeugen. Ohrwurmtauglich ist nur das düster-schleppende Gitarrenriff, welches fortan als Anfangssequenz auf jeder Folge zu hören ist. Witts Sprechgesang ist mir zu monoton, auch höre ich beim besten Willen keinen Übergang zum Refrain heraus. Eigentlich kann der Mann das besser!

Mein persönliches Fazit nach drei Folgen: Nicht einmal »Dorian Hunter« ändert etwas daran, dass ich Horror-Hörspiele einfach nicht gruselig finden kann. Trotzdem finde ich diese Vertonung aus vielerlei Gründen schlichtweg genial, denn hier passt so einiges perfekt zusammen: tolle Stimmen, gute Effekte, erstklassige Produktion! Säße ich in der Jury einer Popstars-Staffel und wäre »Dorian Hunter« ein Kandidat, würde ich ihn hiermit zum Recall einladen. Will heißen, ich bin auf die nächsten Folgen gespannt. Denn jetzt will ich wissen, wie es weitergeht.

Die Hörspiele sind für gut zehn Euro im sortierten Handel, wie zum Beispiel Amazon erhältlich. Auf der Homepage des Zaubermond-Verlages gibt es zu jeder Folge eine aussagekräftige Hörprobe. Auch werden bereits weitere Folgen in der Vorschau präsentiert. Es gibt also schon bald Nachschub ...

Dorian Hunter-Hörspiele:

Dorian Hunter 01 - Im Zeichen des Bösen
Dorian Hunter 02 - Das Henkersschwert
Dorian Hunter 03 - Der Puppenmacher