8. Oktober 2002
Was lange währt wird endlich gut. Die Kosmos-Chroniken 2 kommen in diesen Tagen in den Handel und Hubert Haensel erzählt von seiner Arbeit an diesem umfangreichen Buch.

Inzwischen ergeht es mir wie vielen PERRY RHODAN-Freunden, die mich in Briefen oder persönlichen Gesprächen während meiner Arbeit am zweiten Teil der Kosmos-Chroniken begleiteten: Ich freue mich darauf, endlich ein gedrucktes Exemplar in Händen zu halten und darin zu lesen. Zur Buchmesse in Frankfurt wird es so weit sein - und dann kann sich jeder selbst ein Bild machen, warum ich
Alaska Saedelaere als Protagonisten ausgewählt habe.
Es ist das Schicksal des Technikers
Saedelaere, das mich fasziniert. Jeder weiß, dass ein Transmitterunfall sein Leben von einer Stunde auf die andere vollkommen verändert hat.
Alaska musste lernen, ein neues Leben zu beginnen, ohne sein eigenes Gesicht, aber dafür mit einem strahlenden Gewebeklumpen, dessen Anblick andere Menschen wahnsinnig werden ließ oder sogar tötete.
Schon immer hat mich die Frage beschäftigt, wie ein Mensch »wie Du und ich« auf eine solche Veränderung reagiert, nach der nichts mehr so ist, wie es einmal war. Was wird aus seiner Familie, seinen Freunden? Zieht er sich in das Schneckenhaus der eigenen Panik zurück, hasst er sich selbst, oder sucht er nach Verantwortlichen?
Und was dann?
Natürlich beginnt das Buch mit dem Transmitterunfall und schildert die Entwicklung des Charakters
Alaska Saedelaere anhand einer Reihe neuer Episoden, ohne jedoch das Feststehende zu vergessen.
Da ist der jugendliche
Alaska, der nach Orientierung sucht und seine Träume in einem Roboter wiederfindet...
Da ist der Maskenträger
Alaska, der zur Zeit der Schwarmkrise mit einer kleinen Crew aufbricht, um die Hintergründe des Transmitterunfalls aufzudecken und auf einer sterbenden Welt fündig wird. Aber nicht jedes Wissen ist sofort verwertbar.
Es hat mir Spaß gemacht, den Roman zu schreiben, auch wenn das Manuskript sich nicht so schnell realisieren ließ, wie ich es mir erhoffte. Das liegt zum einen daran, dass mir nebenberuflich eben nur die Abende und Wochenenden zur Verfügung standen und immer wieder umfangreiche Recherchen nötig wurden, um die neue Handlung fehlerlos einpassen zu können, zum anderen aber auch an weiteren Projekten, die Unterbrechungen nötig machten. So im Juni und Juli diesen Jahres, als das letzte Buchdrittel begonnen war und mich der Termin für Band 2 der ab November bei Heyne erscheinenden PERRY RHODAN-Taschenbücher des
ANDROMEDA-Zyklus' einholte. Als das Taschenbuch mit einem Umfang von immerhin rund drei Heftromanen fertig war, wurde der Ablieferungstermin für die KC-2 erneut sehr knapp. Auf gewisse Weise fühlte ich mich zu jenem Zeitpunkt tatsächlich wie
Alaska Saedelaere: Mein Gesicht glühte und ich verbarg es unter einer starren Maske, die niemanden erkennen ließ, was wirklich in mir vorging.
Hätte ich nicht jene Anfangsepisode schon lange Zeit vorher zu Papier gebracht, ich glaube, ich hätte sie zu diesem Zeitpunkt schreiben müssen: ...das war der Moment, in dem er sich herumwarf und wie von Furien gehetzt vor sich selbst floh. Völlig unmöglich, jetzt noch einen klaren Gedanken zu fassen. Er war nur beseelt von dem Wunsch, dem Schrecken in seinem Gesicht zu entkommen.
Neben den Resten der letzten Mahlzeit lag noch das Obstmesser. Ein irres Lachen quoll über
Saedelaeres Lippen, als die Finger sich um den Messergriff schlossen. Er riss die kurze Klinge hoch und stach zu.
Ein grauenvoller Schmerz durchzuckte seine Wange. Im nächsten Moment fühlte er es warm und klebrig über das Kinn tropfen.
Wieder stieß er zu, besessen von dem Gedanken, das Fremde aus sich herauszuschneiden. Unter dem pulsierenden Gewebe musste sein eigenes Gesicht verborgen sein...
Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, der Figur des Unsterblichen
Alaska Saedelaere neue Facetten hinzuzufügen und mehr Tiefe zu verleihen - und ich hoffe, euch macht es ebenso viel Spaß, alles nachzulesen.
Alaska bleibt uns schließlich auch in der Erstauflage der PERRY RHODAN-Heftserie erhalten, und... Nein, genau dazu sage ich jetzt nichts mehr, weil ich euch zwangsläufig einiges Wissen voraus habe. Vielleicht war es Schicksal, vielleicht auch nur Zufall, dass einige Gedanken und Ausführungen parallel verliefen...
Ich freue mich jedenfalls, der PERRY RHODAN-Historie einen neuen Mosaikstein hinzugefügt zu haben.
Herzliche Grüße und Ad Astra
Hubert Haensel