7. April 2004
Ein Interview mit dem PERRY RHODAN-Autor
Im PERRY RHODAN-Heft
2223 erschien auf der Leserkontaktseite ein Interview mit dem PERRY RHODAN-Autor
Arndt Ellmer . Hier das Interview noch mal für alle zum online lesen.
Was fängt ein Leserbriefredakteur und PERRY RHODAN-Autor an, der urplötzlich in die Verlegenheit kommt, ein Interview mit sich selbst zu führen? Ganz einfach, er bittet einen Kollegen um Hilfe.
Frank Borsch scheute nicht den Weg in den winterlichen Hotzenwald, kämpfte sich durch eineinhalb Meter Schnee und befragte Wolfgang Kehl alias
Arndt Ellmer bei einer extra großen Schale Milchkaffee. Soviel sei vorweggenommen - die Antworten fielen ebenso großzügig aus wie der Kaffee ...
Frank Borsch : Arndt, du bist seit 1983 im PERRY RHODAN-Team. Wie siehst du deine Arbeit als inzwischen » alter Hase « ? Hat sich für dich in den Jahren viel verändert?
Arndt Ellmer: Eine ganze Menge. Als
Willi Voltz mir damals nach einer kurzen telefonischen Vorwarnung das Exposé für PR-Band
1155 zuteilte, ahnte ich noch nicht, wie rasant die Entwicklung vonstatten gehen würde. Damals steckte die Handlung mitten in der Thematik um die Endlose Armada und die sieben Plagen Vishnas . Ich tippte meine Manuskripte noch mit einer elektrischen Typenhammermaschine, immerhin schon mit Carbon- und Korrekturband. Dennoch war es damals nichts Ungewöhnliches, alle Manuskriptseiten mit mehr als ein, zwei kleinen Textänderungen nochmals neu abzutippen. Das hat viel Zeit gekostet.
Der PC hat in dieser Hinsicht viel Erleichterung gebracht. Auch sind die Daten schneller zugänglich, was die Arbeit ebenfalls vereinfacht. Man erspart sich mühsames Wälzen in Ordnern.
Aber auch die Serie hat sich verändert. In unserer schnelllebigen Zeit ist PERRY RHODAN ebenfalls schnelllebiger geworden, weil sich die Geschmäcker der Leser schneller wandeln und von anderen Medien beeinflusst werden, nicht mehr so sehr vom Heftroman, wo PERRY RHODAN sowieso konkurrenzlos dasteht.
Und wir schreiben unsere Romane heute ganz anders als früher. So mancher faszinierende Romaneinstieg aus früheren Jahrzehnten würde heute nicht mehr den Gefallen des Lektors und des Publikums finden.
Frank Borsch : Den Lesern bist du nicht nur durch deine Arbeit als Autor, sondern auch als Leserbriefbetreuer bekannt. Wie sieht so ein typischer Arbeitstag des »Leseronkels« aus?
Arndt Ellmer: Mein Arbeitstag beginnt nach dem Frühstück mit einem neugierigen Blick in meinen E-Mail-Briefkasten. Die meiste Post kommt von den Lesern, ein kleinerer Teil von den Kollegen. Um wach zu werden, beantworte ich vormittags meist Mails und Briefpost, stelle das Material für die LKS zusammen und sammle Ideen für den nächsten Roman.
Bis zum Mittag trifft der nächste Schwung E-Mails ein. Wichtiges etwa für die Redaktion wird noch vor dem Mittagessen erledigt.
Am Nachmittag schreibe ich Manuskript, den Abend lasse ich mit Lesen oder ein paar weiteren Mails ausklingen. Dazwischen verbringe ich meine Zeit mit anderen, nützlichen Dingen, zum Beispiel zweimal täglich Schnee schippen.
Frank Borsch : Viele Leser haben bestimmt umfangreiche Fragenkataloge für dich. Was tust du in solchen Fällen - seitenlang antworten?
Arndt Ellmer: Manche Fragen erfordern zeitraubende Recherchen, die Antworten darauf sind auch mal ziemlich umfangreich und dauern meist länger. In Fällen wie nach dem Weltcon 1999 in Mainz, wo allein zwischen Con und Weihnachten ungefähr vierhundert Mails eintrafen, fasse ich mich dann etwas kürzer und verwende auch mal Textbausteine.
Frank Borsch : Was war die schwierigste Frage, die dir je ein Leser gestellt hat?
Arndt Ellmer: Sie war bestimmt leichter als die Frage, die du gerade stellst. Eine der schwierigsten, die ich je erhielt, war die nach dem Verbleib einer Nebenfigur aus dem Zyklus um die Endlose Armada, wo sich dann nach Wochen herausgestellt hat, dass die Figur aus dem » Kosmische-Burgen-Zyklus « stammte und deren Verbleib nie geklärt wurde. Einfacher sind da schon Fragen, wie oft Blues frühstücken und wie viele Kalorien Ertruser pro Tag benötigen.
Ich habe die Fragen nicht gezählt, die ich seit Februar 1989 erhielt, als ich die LKS von Ernst Vlcek übernahm. Es waren aber Zehntausende. Die meisten Antworten haben ebenso viele Leser glücklich gemacht. Na ja, ein paar schräge Antworten waren auch dabei.
Frank Borsch : Kannst du in maximal drei Sätzen zusammenfassen, was dir PERRY RHODAN bedeutet?
Arndt Ellmer: PERRY RHODAN ist das größte und in seiner kosmologischen Mächtigkeit auch bedeutendste SF-Epos, das jemals erfunden wurde. Inzwischen ist die Serie ein weltweites Phänomen und einfach Kult. Ich bin glücklich, dass der Zufall mich damals als Autor zu Pabel-Moewig führte und ich seit über 20 Jahren an diesem Projekt mitarbeiten kann.
Frank Borsch : Was ist dein Lieblingszyklus?
Arndt Ellmer: Eindeutig » Aphilie « . Der Zyklus war ein Feuerwerk an fantastischen Ideen; eine gefühlsneutrale Menschheit, die Erde entvölkert irgendwo im Universum,
Alaska als einsamer Rückkehrer nach Terra, die Vorbereitung des Zusammentreffens mit den ersten fremden
Superintelligenzen außerhalb der Mächtigkeitsballung von
ES und so weiter.
Frank Borsch : Welcher deiner Romane gefällt dir selbst am besten?
Arndt Ellmer: PR-Band 2092 » Der Ausgestoßene « .
Torr Samaho , der Diener der Materie, kehrt nach Millionen Jahren in seine Heimat zurück. Er ist ein Verfemter, ein Geschlagener, der nach dem letzten Strohhalm greift, um sich bei den
Kosmokraten wieder lieb Kind zu machen.
Frank Borsch : Bleibt dir auch noch Zeit für eigene Projekte? Und wenn ja, welche?
Arndt Ellmer: Meist bleibt nur Zeit für Einzelprojekte. Über die Jahrzehnte habe ich immer ein bisschen da und ein bisschen dort mitgearbeitet, an Wolfgang Hohlbeins Serie » Der Hexer « zum Beispiel. Mit dem bekannten Fantastikautor zusammen habe ich spaßeshalber einen » Jerry-Cotton « -Roman geschrieben. Ausflüge in das Grusel-Genre ( » Dämonenland « , » Grusel-Schocker « , » Vampira « , » UFO-Akten « ) gehören bei mir ebenso zur Erholung wie Beiträge im Bereich des Frauenromans.
Frank Borsch : Was fängt der Privatmann Arndt Ellmer mit seiner Freizeit an?
Arndt Ellmer: Er verbringt sie mit der Familie, geht schwimmen, fotografiert gern, lässt fast keinen PERRY RHODAN-Stammtisch aus (ist nach Jahrzehnten immer noch Fan geblieben), nimmt Anteil an den Hobbys von Frau und Tochter, besucht Freunde, ab und zu auch einen Con.
Frank Borsch : Als Autor hast du dich bislang fast ausschließlich der SF gewidmet. Ist das ein Zufall oder steckt dahinter ein bewusster Entschluss?
Arndt Ellmer: Mit Sieben fing ich an, mich für das Weltall zu begeistern. Mit Acht las ich die bunten Großbände » Nick, der Weltraumfahrer « (Hallo Horst!). Mit Vierzehn stieß ich auf PERRY RHODAN und ATLAN und kann mit Stolz behaupten, dass ich die Hefte alle gelesen habe. Meinen Einstieg in den Autorenberuf wagte ich mit Science-Fiction-Romanen, und die schreibe ich nach wie vor am liebsten.
Frank Borsch : Was würdest du am liebsten mit
Perry Rhodan anstellen, wofür sich bisher nicht die Gelegenheit ergeben hat?
Arndt Ellmer: Ihn auf eine lebensgefährliche Suche nach den letzten Ilts schicken, die sich als Machtfaktor irgendwo in der Lokalen Gruppe eingenistet haben. Ilts, die keine Konkurrenz für
Gucky mehr sind und ihm seine Einmaligkeit in der Serie nicht streitig machen. Aus dieser Suche geht
Perry geläutert und reifer hervor, er bewältigt endlich die Aufgaben, die seine sind, die er aber bisher nicht als seine erkannt hat.
Arndt, vielen Dank für deine Antworten - und den leckeren Kaffee!