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4. August 2006

Ein Tag mit Perry Rhodan

Hörspielautor Siegfried Antonio Effenberger berichtet

Es ist noch ziemlich früh am Morgen. Was ist das für ein Geräusch? Die Silberkugel  Lotho Keraetes schwebt vor meinen staunenden Augen ins helle Zimmer. Wache ich, träume ich? Der Bote von  ES hier in Berlin? In Berlin-Kreuzberg? Nein, kein Traum. Er steht nun gut sichtbar vor mir. Wie macht er das bloß? In seinem Körper, der aus flüssigen Quecksilber besteht, spiegelt sich die Morgensonne.

Es eilt, wir müssen auf die LEIF ERIKSSON. Die Phänomene rund um die  Hyperimpedanz lassen uns keine Zeit mehr. Na gut, dann los.  Atlan wartet schon im Innern der Kugel. Ich brauch erstmal nen Tee. TT oder PGTT? Wie bitte? Das heißt: Tetley Tea oder PG Tips Tea? Lachend kommt der hochgewachsene  Arkonide auf mich zu. Hält er mir die dampfende Tasse entgegen oder bin ich das selbst im Spiegel? Egal. Ich blicke verschlafen in den aufsteigenden Dampf.

Etwas Milch? Sehr gerne. Die Milch verursacht im dunklen Tee einen mittleren Atompilz. Weiße Wolken wirbeln auf, verbinden sich zu langen Schlieren, die auf der Oberfläche immerwährende Wirbelstürme entstehen lassen. Ich schaudere, denn ich schaue auf die turbulente Oberfläche eines mächtigen Planeten. Wo bin ich? Vor dem Bordfenster eines Raumschiffs.

Willkommen auf der LEIF ERIKSSON. Es ist bereits zwölf. Ein Mann betritt den Konferenzraum. Kein gewöhnlicher Mann. Der Resident der LFT.  Perry Rhodan! Er begrüßt mich freundlich mit einem leichten Lächeln. Ich stutze. Dieser Mann, der so vielen Stürmen ferner Welten getrotzt hat, der unzählige Abenteuer bestanden hat, begrüßt einen völlig Unbekannten auf freundliche Art und Weise? Er stellt mich sogar seinem Sohn vor,  Kantiran. Wir geben uns die Hände. Ein sehr netter Junge, etwas hitzig zwar, aber okay. Er hat Großes vor sich. Ich spüre da etwas. Und ich lerne  Gucky, den Ilt, kennen. Glücklicherweise jedoch nicht seine Fähigkeiten. Die Vorstellung, dass jemand in meinen Gedanken liest, sie durchstöbert, untersucht, durcheinander bringt, vielleicht auch Beschämendes zu Tage bringt, jagt mir einen Kälteschauer über den Rücken. Der Ilt sieht mich so komisch an. Hat er etwa bereits gestöbert? Er wird doch nicht? Wo steckt er denn jetzt? Er war doch eben noch ... da.

Jemand klopft mir von hinten auf die Schulter. Ich erschrecke, drehe mich um.  Gucky schwebt hinter mir und lacht mich feixend an. Ich bin ein gefundenes Fressen für seine Späße. Apropos Fressen. So unvorbereitet bin ich dann doch nicht. Ich zücke eine saftige Mohrrübe aus der Hosentasche und gebe sie dem überraschten Ilt. Echt BC. Bio Company, Kottbusser Tor.

Schnell wende ich mich  Icho Tolot, dem  Haluter, zu. Auch er heißt mich für den heutigen Tag willkommen. Ich bewundere diesen vierarmigen Riesen von Halut, ein wahrer Freund der Menschheit. Für einen kleinen Moment weiß ich nicht, in welches seiner drei Augen ich schauen soll. Er bemerkt es und zwinkert mir mit einem Auge zu. Bleiben zwei übrig, in die ich blicken kann.

Wir setzen uns alle an einen ovalen Tisch. Diese Versammlung verheißt nichts Gutes. Es drohen unmittelbar Gefahren für die gesamte Galaxis und ihre Bewohner. Perry hebt an zu sprechen, es herrscht absolute Stille im Raum ... da klopft jemand an meine Zimmertür. Es klopft jemand an die Tür? Auf der LEIF ERIKSSON gibt es doch keine Holztüren! Der Klempner ist da. Das Gasrohr im Flur muss ausgetauscht werden. Ob ich nicht kurz kommen kann? Jetzt? Gerade jetzt, wo es im Universum so richtig losgeht? Das ist gefährlich, was da passiert. Für uns alle. Da kann man nicht so einfach ... außerdem wollte der Klempner doch erst um fünf Uhr Abends hier sein. Hast du keine Uhr? Es ist schon sechs. Er ist viel zu spät dran. Also gut, das heißt Hämmern und Sägen für die nächsten zwei Stunden.

Endlich geht er. Ich kehre zurück auf die LEIF ERIKSSON, bitte um Verzeihung wegen der Unannehmlichkeiten. Wie?  Perry,  Atlan und  Keraete sind schon losgeflogen? Sie sind irgendwo im Sternenozean verschollen? Auch  Kantiran und sein Fuertonen-Kumpel Mal Detair abgehauen in Richtung Sternenarchipel Hayok? Panik. Ich muss ihnen irgendwie helfen, mich auf ihre Fährte setzen, sonst droht riesiges Unheil. Nur - meine Lider senken sich. Der schwarze Vorhang fällt. Ich versuche dagegen anzukämpfen: Es gelingt mir immer weniger. Mein Kopf wird schwer, ich nicke ein. Morgen geht es weiter.

Was war das? Ein Erden-Tag mit  Perry Rhodan.